Die Biomilch-Produktion in den Bergregionen steht mehr denn je im Spannungsfeld von ökologischer Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Rentabilität und sozialen Anforderungen. Während Biomilch-Produkte zunehmend gefragt sind, bleibt die Produktion in den Höhenlagen eine anspruchsvolle Aufgabe, die vielfältige Herausforderungen mit sich bringt. Es ist jedoch klar, dass die Bio-Milchproduktion ihre Heimat im Berggebiet hat.
Viele Betriebe haben in den letzten Jahren stark expandiert – sowohl in der Tierzahl als auch in der genutzten Fläche. Damit einhergehend ist auch der Arbeitsaufwand erheblich gestiegen. Durch die Topografie und die begrenzten Mechanisierungsmöglichkeiten bleibt die Arbeit jedoch körperlich fordernd und zeitintensiv. Die genutzten Futterflächen erstrecken sich oft über einen Höhenunterschied von bis zu 1000 Metern.
Futterernte zieht sich über den ganzen Sommer
Entsprechend unterschiedlich sind die Gräserbestände und die Futterqualität: Während in tiefer gelegenen Zonen ertragreiche Wiesen mit hochwertigem Futter bestehen, finden sich in höheren Lagen oft magere Flächen mit deutlich geringerer Ertragskraft und Qualität. Hinzu kommt, dass die Futterernte im Berggebiet nicht wie im Unterland innerhalb weniger Tage erfolgen kann. Sie zieht sich oft über den gesamten Sommer, wodurch der optimale Schnittzeitpunkt häufig überschritten wird. Das führt zu einer abnehmenden Futterqualität, was sich wiederum negativ auf die Milchleistung und Tiergesundheit auswirken kann. Diese Heterogenität und die zeitliche Streuung der Ernte stellen hohe Anforderungen an das Futtermanagement – insbesondere im Bio-Bereich, wo zusätzlich strenge Vorgaben zur Herkunft und Qualität des Futters gelten.
Ein wesentlicher Aspekt der Biomilch-Produktion ist die Fütterung der Tiere. Die biologische Tierhaltung schreibt eine möglichst naturnahe und artgerechte Fütterung vor, wobei der Einsatz von betriebseigenem Grundfutter im Vordergrund steht. Im Berggebiet ist diese Vorgabe jedoch anspruchsvoll umzusetzen. Die Nährstoffversorgung der Pflanzen – und damit auch die Futterqualität – variiert stark je nach Standort. Besonders in höheren Lagen kann der Gehalt an Mineralstoffen im Grundfutter sehr tief bis nahezu nicht vorhanden sein.
Regelmässige Beweidung wirkt Verbuschung entgegen
Gerade deshalb ist aus Sicht vieler Praktiker der gezielte Einsatz von leistungsgerechtem Ergänzungsfutter und Mineralstoffen entscheidend. Diese tragen wesentlich zur Tiergesundheit bei, unterstützen eine gute Fruchtbarkeit und ermöglichen eine konstante Milchleistung – auch unter den erschwerten Bedingungen im Berggebiet. Die jüngste Verschärfung der Bio-Richtlinien, insbesondere bei der Zulässigkeit von Ergänzungsfuttermitteln, hat jedoch dazu geführt, dass einige Betriebe aus der Bio-Produktion ausgestiegen sind. Das ist besonders bedenklich in einem Kanton, der den höchsten Anteil an Bio-Betrieben in der Schweiz aufweist und damit als Vorbildregion gilt.
Im Kanton Graubünden wird das Vieh im Sommer auf die Alpen zur Sömmerung gebracht. Diese Form der Alpwirtschaft ist nicht nur fester Bestandteil der traditionellen Bewirtschaftung, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft. Durch die regelmässige Beweidung werden die Flächen offen gehalten und einer Verbuschung aktiv entgegengewirkt. So bleibt die vielfältige, artenreiche Berglandschaft erhalten – ein ökologisch wertvoller Lebensraum, der auch für den Tourismus und das Landschaftsbild von grosser Bedeutung ist.

