ABO

Agroscope baut an der Zukunft und will die Zielkonflikte der Landwirtschaft reduzieren

Die Agroscope steht mitten im Umbau. Im Zentrum steht das neue Hauptquartier in Posieux, aber auch mehrer Satelliten werden derzeit eingerichtet. Inhaltlich will man sich laut unserer Gastautorin auf die Lösung der zahlreichen Zielkonflikte konzentrieren.

Die neue Standortstrategie für Agroscope wurde im Mai 2020 vom Bundesrat verabschiedet. Deren Umsetzung ist eine grosse Herausforderung, gleichzeitig aber sehr spannend. Es geht um nicht weniger als darum, die zukünftigen Bedingungen für die Agrarforschung in der Schweiz zu definieren. Und mit dieser Standortstrategie bauen wir auch die Zukunft von Agroscope. Im letzten Jahr haben wir in diesem Grossprojekt wichtige Meilensteine erreicht. Wir haben in Sursee LU unsere erste Versuchsstation eröffnet, die sich mit Nährstoffflüssen befasst. Heute sind sieben neue Stationen in Betrieb. Und im Oktober letzten Jahres haben wir den Spatenstich für das neue Gebäude für unsere Labors in Posieux FR gefeiert.

Der Bau des Laborgebäudes in Posieux kann nun beginnen. Auf dem Gelände wurden archäologische Überreste entdeckt. Sie zeigen, dass an dieser Stelle bereits vor über zweitausend Jahren ein Bauernhof stand. Glücklicherweise haben diese Ausgrabungen die Bauarbeiten nicht verzögert. Das neue Laborgebäude soll bis Ende 2024 fertiggestellt sein. Das derzeitige Laborgebäude wird anschliessend ebenfalls umgebaut und wird danach ausschliesslich Büros beherbergen. Die Fertigstellung dieser Arbeiten ist für 2027 geplant. Danach müssen auch die Ställe in Posieux renoviert werden.

Baupläne ändern sich

Ursprünglich war geplant, das bestehende Gebäude in Posieux aufzustocken, um zusätzliche Büros zu bauen. Im Dezember 2020 hat der Bundesrat aber beschlossen, den Mitarbeitenden der Bundesverwaltung keine persönlichen Arbeitsplätze mehr zuzuteilen. Im Hinblick auf eine moderne und mobile Arbeitswelt werden die Arbeitsplätze wenn möglich unpersönlich. Agroscope spielt in dieser Hinsicht mit den Bauvorhaben in Posieux eine Vorreiterrolle, und so haben wir unsere Pläne angepasst. Die zusätzliche Etage werden wir nicht bauen. Wir werden die Büros so einrichten, dass ein modernes und flexibles Arbeiten möglich ist.

Mit der neuen Standortstrategie werden innerhalb der verschiedenen Standorte von Agroscope rund 180 Arbeitsplätze verlagert. Für einige Mitarbeitende ist das eine schwierige Situation, insbesondere für jene, die mit ihren Familien umziehen und die Sprachregion wechseln müssen. Aber Agroscope bleibt ein attraktiver Arbeitgeber mit guten Anstellungsbedingungen und interessanter Forschung. Unsere Fluktuationsrate ist nach wie vor gering.Im letzten Jahr haben nur4,8 Prozent unserer Mitarbeitenden mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag gekündigt. In unserem gesamten Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) lag diese bei 5,8 Prozent.

Investition in Mitarbeitende

Mitarbeitende, bei denen der bevorstehende Umzug zu grösseren Schwierigkeiten führt, unterstützen wir aktiv. Wir bieten zum Beispiel die Möglichkeit, Telearbeit zu leisten. Die Regelungen des Bundes haben sich weiterentwickelt, und wir sind heute viel flexibler. Einige Mitarbeiter haben die Gruppe gewechselt, um an ihrem derzeitigen Arbeitsort zu bleiben. Dank eines Entscheids des Parlaments, dass Agroscope die Effizienzgewinne aus der Standortstrategie in die Forschung investieren darf, konnten wir im Jahr 2021 von 13 zusätzlichen Vollzeitstellen profitieren. Das ist eine riesige Chance. Bis 2028 werden wir voraussichtlich in der Lage sein, jedes Jahr etwa zehn zusätzliche Mitarbeitende einzustellen, um die Agrarforschung zu stärken.

Einer der Schwerpunkte ist dabei, Lösungen für die vielen Zielkonflikte in der Landwirtschaft zu finden. Das ist das Ziel unseres neuen Arbeitsprogramms 2022–2025. Es geht nicht nur darum, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen zu schonen, sondern auch darum, den Bauernfamilien gute wirtschaftliche Perspektiven zu bieten. Zudem werden uns die beschlossenen Absenkpfade für Nährstoffe und Pestizide in diesem Jahr stark beschäftigen. Wir sind uns bewusst, dass die Gesellschaft und die Politik hohe Erwartungen an Agroscope haben. Dies ist eine grosse Herausforderung für uns, auch wenn die Forschung keine Wunder vollbringen kann.

Der Beitrag basiert auf einem Interview, das kürzlich in «Agrihebdo» erschienen ist.

Weiterlesen