Auf den Alpen wird wieder fleissig gekäst. Man könnte es als die ursprünglichste Form der Herstellung von Hartkäse in der Schweiz bezeichnen, denn die ersten Käse waren Alpkäse. Milchwirtschaft war in den Alpen und Voralpen vorherrschend. Nach dem Rezept der Römer wurde die Milch haltbar gemacht – es entstand der erste harte Käse anstelle des bisher bekannten Hüttenkäses. Erst später kamen die ersten Käsereien im Talgebiet auf.
Eine eigene Vermarktungs-Organisation für Alpkäse
Diese Geschichte des Schweizer Alpkäses ist bei Switzerland Cheese Marketing (SCM) nachzulesen. Für die Vermarktung der Kostbarkeiten aus den Alpen gibt es eine eigene Dachmarke: Schweizer Alpkäse – ins Leben gerufen vom Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) und den Schweizer Milchproduzenten (SMP).
Sie verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit von Alpkäsern zu fördern, sie beim Vermarkten ihrer Käse zu unterstützen sowie die Absatzförderung und die Stärkung der Konkurrenzfähigkeit von Alpkäsen. Letzteres ist keine leichte Aufgabe, zumal die Konkurrenz angesichts der grossen Käsevielfalt heute gross ist. Hinzu kommt der höhere Preis – Alpkäse muss es den Konsumenten wert sein, etwas mehr auszugeben. Dafür muss aber klar sein, was in dem Produkt steckt – und vor allem, was dahintersteht.
Argumente für den Kauf: An erster Stelle steht der Geschmack
Wenn Biodiversität und standortgerechte Produktion gefragt sind, sollte sich Alpkäse gut verkaufen lassen. Schliesslich sind die Leistungen von Älpler(innen) mit einer angemessenen Bestossung für den Erhalt der Lebensräume im Sömmerungsgebiet unbestritten.
Die Nachhaltigkeit ist denn auch eines der zentralen Argumente in der Vermarktung von Alpkäse, wie Martin Rüegsegger, Geschäftsführer von Schweizer Alpkäse, erklärt. An erster Stelle stehe allerdings der besondere Geschmack und die höchste Qualität der Produkte, gefolgt von der Kultur und Tradition, die Alpkäse verkörpert.
Ausserdem verweist man im Marketing auf ernährungsphysiologische Vorteile wie etwa einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren dank der Alpkräuter und -gräser. «Somit ist Alpkäse ein hochwertiges Naturprodukt, das Genuss, Tradition, Nachhaltigkeit und ernährungsphysiologische Vorzüge miteinander verbindet», fasst Rüegsegger zusammen.

Die Milch bleibt vermehrt auf der Alp
Trotz Tiefpreisstrategien im Detailhandel und preissensibler Kundschaft blieb der Absatz von Schweizer Alpkäse in den letzten sieben Jahren konstant. Absatz und Produktion bewegten sich demnach zwischen 5300 und 5700 t jährlich.
Im selben Zeitraum schrumpfte allerdings die Alpmilchmenge um 11 Prozent. Zahlen von Identitas zeigen eine Abnahme des gesömmerten Milchviehs – 2018 waren es 95 541 Stück, 2025 noch 91 427. «Die Zahlen verdeutlichen, dass heute weniger Alpmilch ins Tal geliefert wird als noch vor einigen Jahren», erklärt Martin Rüegsegger. Ein grösserer Anteil der auf den Alpen produzierten Milch wird direkt vor Ort zu Käse verarbeitet.
Rüegsegger erklärt dies damit, dass die Verwertung der Alpmilch zwar mit viel Arbeit verbunden, aber die Wertschöpfung im Vergleich zu anderen Nutzungsformen auch höher sei. «Entscheidend für den Erfolg ist zudem die Vermarktung des Käses», ergänzt er. Mit 60–70 Prozent des Alpkäses wird ein Grossteil direkt oder über lokale Absatzkanäle verkauft. Das entschärft das Konkurrenzproblem, vor dem Alpkäse im Detailhandel steht.
Alp- oder Bergkäse? Manche glauben, es sei dasselbe
Und wenn der Konsument oder die Konsumentin vor dem Regal steht – weiss er oder sie, was der Unterschied ist zwischen Alp- und Bergkäse und warum Letzterer teurer ist? «Der Unterschied ist den Konsument(innen) nur teilweise bekannt», schildert Martin Rüegsegger.
In einer Online-Umfrage gaben 2020 rund ein Viertel der Befragten an, darüber Bescheid zu wissen. «Rund 60 Prozent kannten den Unterschied zwischen Alp- und Bergkäse nicht.» Fünf Prozent der Umfrageteilnehmenden gingen offenbar sogar davon aus, dass es keinen Unterschied gibt. Trotzdem: 56 Prozent der Befragten essen nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Monat Schweizer Alpkäse, meist bei gewöhnlichen Mahlzeiten im Alltag.
Alp- versus Bergkäse
Alpkäse darf nur als solcher bezeichnet werden, wenn er aus der Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen besteht, die während der Alpsaison auf der Alp gesömmert werden. Im Gegensatz zu Bergkäse produziert man Alpkäse ausschliesslich im Sommer und direkt auf der Alp, erklärt Martin Rüegsegger.
Das Produkt unterscheidet sich je nach Region in Aroma, Farbe, Härtestufe und Reifezeit deutlich. «Jeder Alpkäse hat damit einen eigenen Charakter, geprägt durch die jeweilige Region und deren Herstellungstradition», sagt er.
Abnehmer übernehmen 15 Prozent weniger Berner Alpkäse AOP
Die national stabilen Absatzzahlen für Alpkäse sprechen dafür, dass die Vermarktung nach wie vor funktioniert. Es gibt aber auch andere Beispiele. So kämpft die Sortenorganisation Casalp mit Absatzproblemen für den Berner Alpkäse AOP. Auf immer weniger Berner Alpen wird gekäst, schilderte Casalp-Präsident Marcel Rubin an der GV im Frühling 2026 (wir berichteten).
Rubin führte dies gegenüber der BauernZeitung insbesondere auf die grosse Konkurrenz in der Käsetheke zurück. Die Händler hätten 2025 15 Prozent weniger Berner Alpkäse AOP übernommen als in den Jahren zuvor. Verstärktes Marketing, neue Auftritte und die Alpkäsemeisterschaft in Thun BE sollen heuer Abhilfe schaffen.
Laut einer Marktforschungsstudie von 2024 wird Alpkäse im Schweizer Detailhandel – bei Coop, Migros, Volg, Manor und Globus – für durchschnittlich Fr. 2,92/100 g verkauft. Schnittkäse inklusive Bergkäse hingegen kostete im Durchschnitt Fr. 2,01/100 g.
Martin Rüegsegger ist überzeugt, dass Alpkäse trotz grosser und günstigerer Konkurrenz bestehen kann. «Denn er ist kein Massenprodukt, sondern mit rund zwei Prozent der jährlichen Käseproduktion in der Schweiz ein Nischenprodukt.»
Ein Tool für den Vergleich der Wirtschaftlichkeit
Es muss natürlich auch für Älpler(innen) aufgehen. Martin Rüegsegger erzählt von einer Semesterarbeit, die sich 2012/13 mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen zum Alpkäse befasst hat. «Darin wurde aufgezeigt, dass die Sömmerung von Milchvieh mit gleichzeitiger Verkäsung der Alpmilch zu den grössten Leistungsüberschüssen der Heimbetriebe führt, verglichen mit den übrigen Sömmerungsarten.»
Dies trotz höherer Arbeitskosten. Voraussetzung sind allerdings qualifiziertes Alppersonal und genügend Absatzmöglichkeiten zu guten Preisen. Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) arbeite derzeit an einer Analyse der Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Alpbetriebstypen unter den aktuellen agrarpolitischen Rahmenbedingungen.
«Ein zentrales Ergebnis des Projekts wird die Fertigstellung des Tools VoKoAlp 2.0 sein», sagt Rüegsegger. Es soll den Sömmerungsbetrieben ermöglichen, ihre eigene Wirtschaftlichkeit mit Referenzwerten zu vergleichen.

Mancher Alpkäse gelangt in französische Spezialitätenläden
Vielfältig wie die Käsesorten der Schweiz sind auch deren bevorzugte Absatzkanäle. Während Gruyère auf den Export setzt, bleiben die ohnehin bescheidenen Mengen jährlich produzierten Alpkäses mehrheitlich in der Schweiz. Aber einige hundert Tonnen gelangen doch über die Grenze.
«Besonders die Westschweizer Alpkäseregionen haben über Jahrzehnte stabile Absatzmärkte aufgebaut, vor allem in Frankreich sowie den Benelux-Ländern», schildert Martin Rüegsegger. Zu den wichtigsten Abnehmern gehörten spezialisierte Käsefachgeschäfte, sogenannte «Crèmeries», deren Schwerpunkt auf hochwertigen und authentischen Spezialitäten liege.
Der Fokus für die künftige Vermarktung von Schweizer Alpkäse bleibt der Heimmarkt. «Sein Charakter als regionale Spezialität mit begrenzter Verfügbarkeit macht ihn zu einem geschätzten Nischenprodukt.»
Milchviehalpen mit der AP30+ unterstützen
Wenn eine Erneuerung der Infrastruktur ansteht, entscheide man sich häufig gegen die Milchproduktion auf Alpen, beobachtet der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV). Grund sind die höheren Kosten für Infrastruktur, Personal und Transport. «Dieser Trend gibt Anlass zur Besorgnis, da die Milch- und Käseproduktion im Sömmerungsgebiet eine gewünschte hohe Wertschöpfung generiert», so der SAV.
Der Alpkäse sei im Übrigen ein Produkt mit hohem Selbstidentifikations- und Marketingwert. «Zudem ist davon auszugehen, dass die Arbeiten für die Weidepflege aufgrund der hohen Präsenz des Alppersonals in hoher Qualität erbracht werden.» Aus diesen Gründen fordert der Verband im Rahmen der AP 30+ eine Erhöhung des Zusatzbeitrags für die Milchproduktion von heute 40 Fr./Jahr und NST auf 200 Fr./Jahr und NST via eine Aufstockung des Agrarbudgets. Die Auszahlung soll an das Vorhandensein einer Melkinfrastruktur auf der Alp geknüpft werden. Wie der Schweizer Bauernverband (SBV) verlangt auch der SAV, generell die Verkäsungszulage von 15 auf 20 Rp./kg anzuheben.

