Die Idee, via Onlineshop Produkte zu verkaufen, entwickelte Markus Bernhardsgrütter, als er 2010 im Rahmen seiner Agrotechnikerausbildung eine Marketingstudie dazu verfasste. «Der Name stand schon damals fest und ‹verhebed› heute noch», sagt er.
Zuerst als Franchising-Firma
Nach Abschluss der höheren Fachschule (HF) 2011 programmierte Markus Bernhardsgrütter zusammen mit Matthias Ruoss den ersten Onlineshop. Sie boten ihn Daniel Rüttimann aus Cham ZG an. Dieser verkauft nun seit 2012 seine Produkte in der Region Zug über den Onlineshop. In den darauffolgenden Jahren wurde der Shop ausgebaut und optimiert.
Damals entstand die Idee, den Shop auch weiteren Produzenten in anderen Regionen anzubieten. Die aufwendigen Programmierungen im Shop könnten so auf verschiedene Lizenznehmer aufgeteilt werden, so die Idee.
Gründung der eigenen Firma
Richtig durchgestartet ist die SaisonBox im Jahr 2016. «Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt schon sehr viel Zeit in das Projekt investiert und sagten uns: Entweder machen wir es richtig oder wir hören auf», erzählt Bernhardsgrütter. Zusammen gründeten sie die Firma SaisonBox GmbH, an der Ruoss und Bernhardsgrütter je zu 50 Prozent beteiligt sind. Das Marketingkonzept wurde überarbeitet und professionalisiert, der Internetauftritt mit den gemachten Erfahrungen komplett erneuert. Sie machten sich zudem daran, aktiv nach neuen Standorten, neuen Betrieben zu suchen.
Heute bieten zehn Betriebe, verteilt über die ganze Schweiz, ihre Produkte über SaisonBox.ch an. Jeder Betrieb erhält dazu seinen eigenen Onlineshop, auf dem er seine Produkte mit seinen eigenen Labels und Preisen in seiner Region anbieten kann. Damit alle Standorte von dem Wiedererkennungseffekt profitieren können, kommen alle Shops im «SaisonBox-Style» daher. Flyer und andere Werbematerialien werden von SaisonBox designt und den Standorten zur Verfügung gestellt.
Schlanke, einfache Struktur
«Der Vorteil von SaisonBox ist, dass alles schon da ist», sagt Ruoss. Wenn also ein Betrieb neu einsteigen möchte, muss er sich nicht um den Aufbau einer Homepage oder ums Werbematerial kümmern, das passt die GmbH für den Betrieb an. «Der Bauer stellt seine Boxen zusammen und liefert sie den Kunden. Wir bieten das Netzwerk, das Marketing und viel Erfahrung», fährt Ruoss fort.
Bernhardsgrütter, der den elterlichen Betrieb in Gossau 2017 übernahm, erklärt es am Beispiel des Mäderhofs: «Ich bekomme Anfang Woche eine Liste mit allen Bestellungen zugestellt, inklusive der Lieferroute.» Die Abrechnung läuft ebenfalls über das System, der Bauer bekommt von der GmbH monatlich eine Gutschrift für seine verkauften Produkte.
Darum kümmert sich Ruoss. Er ist zuständig für die Finanzen, die Buchhaltung, Fakturierung und Kundenakquisition. Hauptberuflich arbeitet er bei der Gamper Chicorée AG. Bernhardsgrütter betreut den Online-Shop und ist fürs Marketing sowie die Schulungen zuständig.
Nur regionale Produkte
Im Gegensatz zu anderen Onlineshops werden nur regionale und saisonale Produkte angeboten. «Auch wenn es online ist, wollen wir, dass der Kunde bei ‹seinem› Direktvermarkter um die Ecke einkauft. Kein unnötiger Zwischenhandel und kurze Transportwege sichern dem Kunden frisches Gemüse und dem Produzenten faire Preise», betonen die beiden.
Ausserdem wird die Saisonalität gross geschrieben. «Wir wollen, dass der Kunde wieder weiss, was wann Saison hat. Importprodukte haben in einer SaisonBox nichts verloren.» Die Standorte sind sich bewusst, dass das Sortiment im Winter etwas eingeschränkt ist. Trotzdem gibt es auch während der kalten Jahreszeit genügend frisches Gemüse. Manchmal werden die Kunden auch einfach mit beigelegten Rezepten auf andere Zubereitungsideen aufmerksam gemacht, weiss Bernhardsgrütter.
Vor allem Direktvermarktung
Die Betriebe, die bei der SaisonBox mitmachen, sind alles Direktvermarktungsbetriebe, viele gehen auf den Wochenmarkt. Das ist den beiden Unternehmern wichtig, «denn auf Nähe, Saisonalität und Frische basiert die SaisonBox», betonen sie.
Die Herausforderung sei, immer die optimale Menge in Topqualität zu haben, sagt Bernhardsgrütter. Im Angebot seiner Saisonbox befindet sich nicht nur das eigene Gemüse. Auch getrocknete Pouletbrüstli aus Wittenbach SG, Züger-Produkte oder Eier kann man mitbestellen. «Wichtig ist, dass sie von einem Betrieb aus der Umgebung stammen», betont Ruoss. 60 Prozent der Produkte sollten aber aus dem eigenen Sortiment stammen. Ein weiteres Kriterium für Ruoss und Bernhardsgrütter ist, dass sich der Betrieb mit der Philosophie von SaisonBox identifiziert.
Netzwerk pflegen
Einmal pro Jahr laden Matthias Ruoss und Markus Bernhardsgrütter «ihre» Bauern zu einer Standortleiterkonferenz mit Workshops ein. «Diese Kontaktpflege und der Austausch werden sehr geschätzt. Dabei bieten sich manchmal ganz neue Lösungen an», erzählt Ruoss. So hatte zum Beispiel ein Betrieb die Idee von Früchteschalen. Die hat die GmbH nun in grossen Mengen angeschafft und alle können profitieren. Das sei besser als wenn jeder für sich alleine schaue.
Auf die Frage, ob sie sich vorstellen können, dass ihr Netzwerk irgendwann die ganze Schweiz abdeckt, zögern die beiden. Ruoss sagt schliesslich: «Ich glaube, möglich wäre es schon, aber das ist schwierig abzuschätzen. Wir freuen uns auf jeden Fall über neue Betriebe, die mitmachen möchten.»

