Was macht man mit Ferkeln, für die es im eigenen Land keinen Platz mehr gibt? Seit Anfang Juni 2026 lautet die Antwort der Branche: exportieren. Bis Ende November sollen es insgesamt rund 22 600 Tiere sein. Proviande-Kommunikationsleiter Philippe Haeberli erklärt gegenüber der BauernZeitung, weshalb das kein Systemwechsel sei.
Notmassnahme statt Systemwechsel
Auf die Frage, ob die Transporte eine vertretbare Notmassnahme oder ein problematisches Signal nach aussen seien, verweist Proviande auf die aussergewöhnliche Marktlage: Für die betroffenen Ferkel gebe es in der Schweiz keinen grösseren Absatzmarkt. Mit dem Export werde sichergestellt, dass das Fleisch in der Lebensmittelkette verbleibe.
Proviande betont, dass der Transport in klimatisierten Lastwagen mit Lichtsteuerung und Wasserversorgung erfolge und von den kantonalen Veterinärämtern bewilligt und überwacht werde.
Zum Vergleich: Die Transportdauer ist in der Schweiz auf maximal acht Stunden inklusive Fahrtunterbrüche beschränkt, die reine Fahrzeit ab dem letzten Verladeort auf sechs Stunden – in der EU sind es je nach Tierart bis zu 24 Stunden. Wie die Einhaltung dieser Vorgaben bei den laufenden Exporten kontrolliert wird, führt die Stellungnahme nicht im Detail aus.
Image-Schaden: Proviande sieht keine langfristigen Folgen
Auf die Frage nach dem Schaden für das Image von Schweizer Fleisch – immerhin investiert die Branchenorganisation jährlich Millionen in dessen Positionierung mit hohen Tierwohlstandards – zeigt sich Proviande gelassen: Die Positionierung basiere auf den grundsätzlichen Standards der Schweizer Produktion bei Tierwohl, Qualität, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit.
Daran ändere die aktuelle Situation nichts, da es sich um eine «zeitlich befristete Massnahme in einer ausserordentlichen Situation» handle. Die Einhaltung der Tierwohlstandards während der Transporte sei sichergestellt.
Auf die Frage, wie die Fleischwirtschaft – die sich seit Jahren durch bessere Tierschutzstandards, kürzere Transportwege und strengere Vorschriften vom Ausland abzugrenzen versucht – den Konsumentinnen und Konsumenten erkläre, dass dieselben Tiere nun stundenlang ins Ausland transportiert werden, antwortet Proviande: Die hohen Standards der Schweizer Tierhaltung gälten unverändert, dazu gehörten auch strenge Vorschriften für Tiertransporte. Es handle sich nicht um einen «grundlegenden Systemwechsel».
Auf die Anschlussfrage, welche konkreten Massnahmen eine Wiederholung solcher Exporte künftig verhindern sollen, verweist Proviande auf den geplanten runden Tisch mit der gesamten Wertschöpfungskette.
Klare Antwort bei der Labelfrage
Konkret und unmissverständlich fällt die Antwort zur Labelfrage aus: Suisse Garantie setzt eine Inlandsschlachtung voraus.
Auf die Frage, ob Proviande bestätigen könne, dass kein in Deutschland geschlachtetes Schweinefleisch aus diesen Transporten in der Schweiz unter einem nationalen Herkunftslabel vermarktet werde, antwortet Philippe Haeberli mit einem klaren Ja: Fleisch von Tieren, die in Deutschland geschlachtet würden, erfülle die Anforderungen der Herkunftsprogramme wie Suisse Garantie oder Schweizer Fleisch nicht und könne entsprechend also auch nicht unter diesen Labels vermarktet werden.
Runder Tisch Schweinemarkt in Aussicht
Zur Frage, welche Konsequenzen Proviande aus der Situation für die künftige Kommunikation oder die Marktsteuerung zieht, verweist die Branchenorganisation auf den Austausch mit den Marktpartnern. Sie unterstütze die Absicht des Schweizerischen Bauernverbandes, einen «runden Tisch Schweinemarkt» mit Vertretern der gesamten Wertschöpfungskette einzuberufen.
Botschaft an verunsicherte Konsumentinnen und Konsumenten
Auf die Frage, was Proviande jenen Konsumentinnen und Konsumenten sagt, die sich fragen, ob die Versprechen rund um Schweizer Fleisch im Ernstfall wirklich standhalten, betont Philippe Haeberli, dass die Schweizer Fleischproduktion unverändert höchste Anforderungen an Tierwohl, Qualität, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit erfülle.
Diese Standards gälten immer und unabhängig von einer ausserordentlichen Marktsituation. Zudem stelle die Branche mit den durch die Schweinehaltenden finanzierten Entlastungsmassnahmen sicher, dass die Ställe auch jetzt korrekt bestossen würden.

An der 27. ordentlichen Generalversammlung von Proviande am 26. Juni 2026 in Vicques JU wurde Markus Zemp nach zwei Amtszeiten und insgesamt 16 Jahren als Präsident der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft verabschiedet. Zemp stand Proviande bereits von 2003 bis 2009 vor und kehrte 2016 für eine weitere zehnjährige Amtszeit ins Präsidium zurück.
Neuer Verwaltungsratspräsident ist Heinz Mollet, ehemaliger Leiter der Division Agrar der Fenaco Genossenschaft. Seine Amtsperiode dauert bis zur Generalversammlung 2027.
Weitere Mutationen im Verwaltungsrat: Jürg Spiess (Schweizer Fleisch-Fachverband) übernimmt das Vizepräsidium von Michel Darbellay. Yves Nicolet (Schweizer Rindviehproduzenten) folgt auf Bernard Nicod, Ralf Bucher (Schweizer Bauernverband) auf Michel Darbellay im Verwaltungsrat. Hugo Abt (Schweizer Rindviehproduzenten) übernimmt das Amt des stellvertretenden Mitglieds von Christophe Noël, Stefan Schoch (Schweizer Fleisch-Fachverband) jenes von Christoph Egger.
Die Generalversammlung bestätigte zudem die Aufnahme der Vianco AG als neues Mitglied in die Genossenschaft.
In seiner letzten Ansprache als Präsident verwies Markus Zemp auf die positive Entwicklung des Fleischmarktes 2024 und 2025: Das Pro-Kopf-Angebot stieg wieder auf über 51 Kilogramm verkaufsfertiges Fleisch. Aufgrund hoher Nachfrage bei stagnierender Inlandproduktion profitierten die Produzenten von deutlich höheren Preisen, gleichzeitig stiegen auch die Fleischimporte leicht an. Zemp würdigte zudem die Sicherung der Leistungsaufträge des Bundes und das Engagement der Branche gegen die im Entlastungspaket des Bundes vorgesehenen Kürzungen zulasten der Fleischwirtschaft.
Als Themen für die kommenden Jahre nannte die Generalversammlung insbesondere die Sicherung der Inlandproduktion sowie die Prävention und Bekämpfung von Tierseuchen.

