«Hat sich die Lage entspannt?» Das fragte unsere Zeitung Ende Juli im Titel. Die Grills in der Schweiz liefen heiss über den Sommer, und erstmals haben einzelne Abnehmer weniger als die gewünschte Menge Schlachtschweine bekommen. Einige Wochen lagen die Schlachtzahlen unter der magischen Grenze von 44 000 Stück. Die Preise stiegen kurz leicht an und einige Produzenten folgerten, dass die Marktentlastung überzogen gewesen sei.
Die Schlachtzahlen sind hoch
Doch Fleischproduktion lässt sich nicht auf das Kilo genau planen. Tausend Einflüsse bestimmen die Menge. Die Euphorie ist unterdessen wieder verflogen. Es werden deutlich über 44 000 Schweine wöchentlich geschlachtet.
Die Schlachtzahlen stiegen von Kalenderwoche 33 (44 300) auf über 48 301 Anfang September an; Fr. 3.20 pro Kilo Schlachtgewicht gelten die schweren Schweine diese Woche. Gut mittlere Angebote seien vorhanden. «Die Schlachtschweine sind nicht ganz vollständig verkauft», heisst es im Marktkommentar des SBV. QM Jager SGD-A sind mit 20 kg Lebendgewicht aktuell Fr. 4.70 wert. Das Angebot entspricht der Nachfrage. Nun kommt der Herbst – mit unsicheren Aussichten und den bekannten saisonalen Herausforderungen wie etwa der Konkurrenz durch Wildfleisch.
Bislang 8,5 Millionen in Export investiert
Die Produktion ist hoch, die Preise sind tief. Das Schlimmste aber wurde abgewendet. «Die Massnahmen zur Entlastung des Schweizer Schweinemarktes haben Wirkung gezeigt», schreibt die Proviande in einer aktuellen Medienmitteilung. Der Markt erhole sich langsam. Überbelegungen der Ställe mit möglichen Folgen für das Tierwohl hätten verhindert werden können. Die laufenden Exportmassnahmen würden entsprechend reduziert. Die Marktsituation werde laufend beobachtet.
Die Bilanz ist gemacht: Zur Entlastung des Marktes wurden rund 450 Tonnen Schweinefleisch in Teilstücken und 10 000 Schlachtschweine in Hälften nach Europa exportiert. Zudem wurden rund 5000 Ferkel in der Schweiz und 11 000 Ferkel im Ausland geschlachtet.
Die Massnahmen wurden über den Marktentlastungsfonds finanziert, der ausschliesslich durch Beiträge der Schweinehaltenden gespeist wurde. Nachdem der Einzug bereits Mitte Juli gestoppt worden war, würden nun auch die verbliebenen Marktentlastungsmassnahmen per Ende September vorläufig sistiert, schreibt die Proviande weiter.
Insgesamt wurden 11,5 Mio. Franken von den Schweineproduzenten eingezogen. Aktuell weist der Fonds noch einen Bestand von rund 3 Mio. Franken auf. Dieser Restbetrag verbleibt im Fonds und steht zweckgebunden für allfällige künftige Marktentlastungsmassnahmen zur Verfügung.
Branche arbeitet an langfristigen Optimierungen
An einem vom Schweizer Bauernverband organisierten runden Tisch hat die Branche bekanntlich Ende August die nächsten Schritte für einen langfristig ausgeglichenen Schweinemarkt diskutiert (wir berichteten). Seither arbeitet eine von Proviande geleitete Arbeitsgruppe an konkreten Lösungsansätzen. Im Zentrum stünden praxisnahe Optimierungen in den Bereichen Markttransparenz, Preisbildung und Marktentlastungsmassnahmen.

