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«Produzenten verlieren wegen Migros 12 Millionen Franken Umsatz pro Jahr»

Faire Märkte Schweiz (FMS) zeigt die Migros wegen eines seit Jahrzehnten bestehenden «Skonto-Regimes» zulasten von Gemüse- und Obstlieferanten an. Die betroffenen Verbände geben sich zurückhaltend, die Migros kann den Vorwurf nicht nachvollziehen.

Die Migros ziehe ihren Lieferanten von Gemüse und Früchten pauschal 3 Prozent des Warenwerts ab, kritisiert Faire Märkte Schweiz (FMS). Dieses «Skonto-Regime» gebe es bereits seit 20 Jahren, teilt der Verein mit. Für ihn ist dieser Fall ein Beispiel für eigentlich missbräuchliche Bedingungen, die aufgrund von Abhängigkeiten in einem von Machtungleichgewichten geprägten Markt über lange Zeit akzeptiert würden.

Kein richtiges Skonto, sondern pauschaler Abzug

«Das heutige Migros-System entspricht keinem echten Skonto», schreibt FMS. Statt, dass der Lieferant einen Preisnachlass auf eine innert einer bestimmten Frist beglichene Rechnung gewähren würde, handle es sich hier um einen pauschalen Abzug auf den verrechneten Warenwert. «Die betroffenen Lieferanten können faktisch nicht wählen, ob sie eine rasche Zahlung mit Skontoabzug oder eine Zahlung netto ohne Skontoabzug wünschen», so der Verein. Stattdessen werde der Abzug als zwingender Bestandteil der Geschäftsbeziehung angewendet. Nach Berechnungen von FMS summiert sich so der Schaden auf rund 12 Millionen Franken pro Jahr, die den Produzent(innen) als Umsatzverlust entgehen.

Aus Angst vor Konsequenzen nicht öffentlich gewehrt

Verschiedene Lieferantenvereinigungen hätten in der Vergangenheit erfolglos versucht, bei der Migros eine Anpassung dieser Praxis zu erreichen, fährt FMS fort. Mangels realer Ausweichmöglichkeiten und aus Angst vor drohenden Konsequenzen hätten sich die betroffenen Produzenten aber nie öffentlich zur Wehr gesetzt. Dass das «Migros-Skonto-Regime» über Jahrzehnte bestehen blieb, ist für FMS ein Beweis dafür, dass die Detailhändlerin ihre Vertragsbedingungen einseitig durchsetzen konnte. Daher habe man bei der Wettbewerbskommission (Weko) Anzeige wegen Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung eingereicht.

«Wir werden diesen Fall genau beobachten»

Dem Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) seien diverse Abzüge bei den Detailhändlern bekannt, die der Verband auch kritisiere, sagt Markus Waber auf Anfrage. Der stellvertretende Direktor des VSGP hält weiter fest, man setze sich immer im Interesse seiner Mitglieder ein. «Dabei gilt es, den Schutz der eigenen Mitglieder und die Gesamtinteressen abzuwägen.» Als Verband habe man in solchen Fällen die von FMS angetönten Konsequenzen nicht zu fürchten, wenn es zu einer öffentlichen Auseinandersetzung mit einem Abnehmer käme. «Wir haben bisher aber ein anderes Vorgehen gewählt», erklärt Waber. So verfolgte der VSGP ihm zufolge bis anhin die Strategie, solche Themen im direkten Gespräch oder in der Branche anzugehen. «Der Verband wird nach dem Fall von Coop im letzten Jahr aber auch diesen Fall genau beobachten und dann gegebenenfalls sein künftiges Vorgehen prüfen müssen», ergänzt der stellvertretende Direktor.

«Beschwerde nicht mit uns koordiniert oder abgesprochen»

Auch der Schweizer Obstverband (SOV) setze sich für gute Rahmenbedingungen für die heimische Produktion ein, stellt Kommunikationsleiterin Chantale Meyer klar. Man vertrete die Anliegen direkt auch gegenüber Handelspartnern und fürchte – wie der VSGP – als Verband keine Sanktionen aufgrund dieser Interessenvertretung. Allerdings, gibt Meyer zu bedenken, erfolge die Vermarktung von Obst und Beeren überwiegend via Zwischenhandel und nur in einzelnen Fällen direkt mit den Detailhändlern. «Die bei der Weko eingereichte Beschwerde wurde nicht mit uns koordiniert oder vorgängig abgesprochen», bemerkt Meyer. Ob und in welcher Form diese Beschwerde beurteilt werde, liege im Zuständigkeitsbereich der Weko selbst.

«Bedingungen sind rechtlich einwandfrei»

Bisher habe die Migros keine offiziellen Informationen zu einem Verfahren bei der Weko. Für die Migros sei die Kritik von FMS an ihren Vertragsbedingungen aber nicht nachvollziehbar, schreibt Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir auf Anfrage. Diese Bedingungen seien seit Jahrzehnten Usus, rechtlich einwandfrei und in der Praxis bewährt. Ein allfälliger Skonto sei Teil des Kaufvertrags und werde von den Lieferanten berücksichtigt. «Die Migros legt grossen Wert auf einen korrekten Umgang mit ihren Lieferanten und auf eine faire Preisgestaltung», versichert Huguenin-dit-Lenoir.

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