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Richtpreise für Schweizer Holz erneut gescheitert

Die Holzmarktkomission konnte sich auch in der zweiten Sitzung Mitte Juni 2026 nicht auf gemeinsame Richtpreise für Schweizer Holz einigen. Vor allem die Abnehmer blockierten. Empfehlungen sind frühestens 2027 zu erwarten.

«Da trotz intensiven Diskussionen kein Einvernehmen zwischen Holzlieferanten und Holzabnehmer vorherrscht, wird auf eine Publikation von Richtpreisen verzichtet.» So heisst es in der gemeinsamen Medienmitteilung von Wald Schweiz und Holzindustrie Schweiz nach der zweiten Sitzung der Holzmarktkommission (HMK) von Mitte Juni 2026.

Abnehmer wehren sich gegen Richtpreise

Die Holzlieferanten wiesen darauf hin, dass sich die Rohholzpreise seit Januar stabil bis leicht steigend entwickelt hätten. Aufgrund der höheren Kosten für die Waldbewirtschaftung und der guten Nachfrage wurde deshalb eine moderate Erhöhung der Preise bei den absatzmässig wichtigen Rohholzsortimenten gefordert.

Demgegenüber sahen die Holzabnehmer keine Möglichkeiten für Preisanpassungen und setzten auf Stabilität. Hingewiesen wurde auf den Preisdruck aus dem Ausland, was auf die Margen drücke und den Handlungsspielraum einschränke. Und in den Regionen seien die Preise zu verschieden, was aus Abnehmersicht keine schweizweiten Richtpreise für Rohholz rechtfertige.

Noch kein Unwillen feststellbar

Christoph Niederberger, Präsident der HMK und Direktor von Wald Schweiz, erklärte auf Anfrage, dass er keinen ausdrücklichen Unwillen gegenüber der Festlegung von Richtpreisen feststelle. Weil es aber keine Einigung gab, fehlte die Voraussetzung für eine Publikation.

Er sieht als Hauptprobleme das unterschiedliche Verständnis, was Richtpreise eigentlich seien, und die statistische Basis, ab wo man verhandeln könne. Über diese beiden Punkte müsse man sich nun zuerst verbindlich einigen, möglichst im zweiten Halbjahr 2026. «Erst wenn das nicht klappt, könnte man von Unwillen sprechen.»

In der HMK habe man zwei jährliche Sitzungen vereinbart – 2026 fanden diese schon statt. Ziel müsse sein, dass im nächsten Jahr relevant verhandelt und dann auch konkret über Richtpreise gesprochen werde, sagt Niederberger. Für die im Herbst startende Holzersaison 2026/27 gibt es somit noch keine Richtpreisempfehlungen der Branche.

Waldgesetz erlaubt Richtpreise

Seit Anfang August 2025 erlaubt es das angepasste Waldgesetz, dass Richtpreise für Holz aus Schweizer Wäldern festgelegt und publiziert werden dürfen. Das war im Gegensatz zu vielen Landwirtschaftsprodukten bisher nicht möglich. Die Gesetzesergänzung geht auf einen Vorstoss von Ständerat Daniel Fässler, Präsident von Wald Schweiz, zurück.

In der Folge wurde Anfang 2026 wieder eine Holzmarktkommission (HMK) gegründet, paritätisch zusammengesetzt mit Vertretern der Waldeigentümer und der Holzabnehmer. Ziel der HMK ist ein Austausch über Angebot und Nachfrage auf dem Holzmarkt.

«Und, wenn möglich, die einvernehmliche Festlegung gemeinsamer Richtpreise für Schweizer Rohholz», heisst es in der aktuellen Medienmitteilung. Eine HMK gab es schon früher, bis 2020, als die Wettbewerbskommission des Bundes Zweifel an deren Rechtmässigkeit äusserte und sich auf das Kartellgesetz berief, welches Preisabsprachen verbietet.

Mehr Transparenz erwünscht

Die Reaktivierung der HMK werde auch von Holzindustrie Schweiz (HIS) begrüsst, heisst es in deren Mitteilung vom Februar 2026. Das sei eine wichtige Dialogplattform für die Waldbesitzer und Holzverarbeiter, um Angebot und Nachfrage von Rohholz optimal aufeinander abzustimmen.

HIS gehe davon aus, dass insbesondere die Privatwaldbesitzer dank der besseren Markttransparenz eher motiviert werden, Holz zu ernten. Erwartet werde von der HMK, dass nicht nur über Preise, sondern auch über Mengen diskutiert werde, zumal mehr Holz mobilisiert werden müsse.

An einer ersten Sitzung der HMK im Januar wurde vor allem über die hohe Nachfrage und die steigenden Preise diskutiert. Zudem sollten die Preisempfehlungen nun in die Tat umgesetzt werden. Dazu ist es bisher auch nach der zweiten Sitzung nicht gekommen.

Weiterhin gute Marktlage

Die Marktlage für Holz wird kurz- und mittelfristig positiv beurteilt. Die Dynamik in der Holzwirtschaft sei ausgeprägt und die Auftragslage gut. Für den Sommer sei die Versorgung der Sägereien mit Rohholz gut, mittelfristig aber unsicher. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage im Herbst und Winter könnte die Versorgung knapp werden.

Die Schnittholzpreise hätten sich wegen des hohen Konkurrenzdrucks durch Auslandsware schwächer als erhofft entwickelt. Positiv sei die Tendenz beim Nadelholz: Fichte und Tanne seien sehr gefragt. Auch bei Lärche und Douglasie ist die Nachfrage zunehmend. Bei Industrie- und Energieholz wird bald mit einer stabilen bis steigenden Nachfrage gerechnet. Eine Unterversorgung mit Industrieholz sei ab Herbst denkbar.

«Wenn keine Störereignisse eintreten, dürfte sich das gute Preisniveau halten», schreiben die beiden Organisationen. Derzeit seien noch keine solchen Störungen erkennbar, trotz regionaler Sturmschäden. Mit der Sommerhitze und Trockenheit steigt allerdings auch das Risiko für Befall der Fichten mit Borkenkäfern.