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Milchgold: Zukunft ist gesichert

Die Spitze der Milchgold Käse AG und der Freiämter Käserei wollen für die Käserei und die Produzenten vor allem eines: Kontinuität.

«Wir haben eine Vergangenheit. Aber diese wollen wir hinter uns lassen und nach vorne schauen.» Hugo Abt macht zu Beginn des Gesprächs deutlich, dass er lieber über die Zukunft statt über die Vergangenheit reden möchte. Gemeint ist die Zukunft der Freiämter Käserei, der Milchgold Käse und der Milchgold Handels AG. Die Käserei geriet in den letzten Monaten in die Schlagzeilen, weil Landwirte gegen den Mieter und Eigentümer der Milchgold Käse AG eine Strafanzeige einreichten und weil die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland die Käserei als Mitglied ausschloss und weitere Sanktionen erliess.

Schlusspunkt und Neustart

Natürlich haben die Ereignisse die Firma bzw. die Firmen belastet. Aber sie liegen in der Vergangenheit. Hugo Abt ist seit März 2019 Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei, Bütler steht seit 1. November an der Spitze der Milchgold Käse AG. Letztere ist ausserdem seit diesem Datum eine 100-Prozent-Tochter der Freiämter Käserei. Die Stabübergaben markiert damit Schlusspunkt und Neuanfang gleichermassen.

«Unser Kerngeschäft ist es, lastwagenweise Käse zu verkaufen»

Peter Bütler, Milchgold Käse AG

Keine leichte Aufgabe für die Milchgold Käse AG

In den vergangenen Monaten ist fast kein Stein auf dem anderen geblieben: Der Verwaltungsrat wurde unter neue Führung gestellt, der Käser hat nach mehreren Monaten Vorbereitung den Betrieb am 1. November an die Freiämter Käserei verkauft. Er wird in den kommenden Monaten noch in beratender Funktion für die Käserei tätig sein, für die operative Führung ist neu eine dreiköpfige Geschäftsleitung zuständig. Strategisch geführt wird die Milchgold Käse AG von Peter Bütler, der als neuer Verwaltungsratspräsident zunächst auch den Betrieb und dessen Abläufe genauer kennenlernen muss. Keine allzu einfache Aufgabe, handelt es sich bei der Milchgold Käse AG um eine der grössten gewerblichen Käsereien in der Schweiz. Mit zwei Fertigern und drei Käsepressen verarbeitet das Unternehmen im Schnitt 160 000 kg Milch und stösst bei einer Ausbeute von 8,2 Prozent 13 Tonnen Käse aus – pro Tag. «Unser Kerngeschäft ist es, lastwagenweise Käse zu verkaufen», sagt Peter Bütler deshalb. Dass innert der relativ kurzen Frist eine Lösung gefunden werden konnte, der sowohl die Milchproduzenten, als auch die Mitarbeitenden und die Geschäftspartner zustimmen konnten, ist seiner Meinung nach nicht selbstverständlich. Denn «Nachfolgeregelungen für Betriebe dieser Grösse sind generell recht komplex.»

Zeitstrahl: Die Unregelmässigkeiten bei der Milchgold AG

Die Milchgold Käse AG bezog 1,1 Millionen Franken zu viel Verkäsungszulagen. Lesen sie hier die ganze Geschichte im Zeitstrahl.

Misstrauen bei den Produzenten

So waren die letzten sechs Monate stark vom Verkauf, die letzten vierzehn Monate vom Druck von aussen geprägt. Durch die mediale Begleitung wurden Bauprojekte langsamer angegangen, zudem sei unter den Produzenten bis heute ein gewisses Misstrauen spürbar, sagt Hugo Abt. Er und der Verwaltungsrat versuchen, so transparent wie möglich zu kommunizieren und Vertrauen zu schaffen.

Jede Minute war notwendig

Dass es dabei zuweilen Geduld braucht, machte die Sache für Abt nicht einfacher: Zwar wurden schon vergangenen Herbst personelle Änderungen angekündigt – die Umsetzung der notwendigen Schritte benötigte dennoch mehr als ein Jahr. Die Vorwürfe kennt Abt: «Uns wurde immer vorgeworfen, dass wir zögern», sagt er. Hätte man den Käser gleich nach Bekanntwerden der ersten Probleme in die Wüste geschickt, «dann wäre hier jetzt fertig!», ist der Milchproduzent überzeugt. Für einen Betrieb in den Dimensionen der Milchgold Käse AG habe es jede Minute der Vorbereitungen gebraucht – nicht zuletzt wegen der offenen Fragen in Bezug auf die laufenden Verfahren. So mussten mit dem Verkauf nicht nur Prozesse und Zuständigkeiten dokumentiert, sondern ebenso die Frage geklärt werden, ob der Käser oder die Firma die Prozessrisiken für das Verfahren gegen Emmentaler Switzerland trägt. Wie Bütler sagt, schreibt das Gericht zwar die Milchgold Käse AG an, «wir haben aber viel Zeit in einen guten Vertrag aufgewendet» – und gibt zu verstehen, dass er aufgrund des laufenden Verfahrens nicht mehr dazu sagen möchte.

«Die meisten Milchlieferanten sehen die Möglichkeiten und Chancen in der Freiämter Käserei mit der Tochtergesellschaft Milchgold Käse AG und beteiligen sich noch verstärkt am Unternehmen»

Hugo Abt, Freiämter Käserei

Für die Freiämter Käserei geht es weiter

Dass es in der Freiämter Käserei und insbesondere mit der Milchgold Käse AG weitergeht, daran lassen weder Bütler noch Abt Zweifel aufkommen. Sie betonen, dass der Verwaltungsrat einen geordneten Übergang möglich gemacht hat und halten fest, dass Kunden und Mitarbeitende dem Betrieb die Treue gehalten haben. Selbst die meisten Milchlieferanten «sehen die Möglichkeiten und Chancen in der Freiämter Käserei mit der Tochtergesellschaft Milchgold Käse AG und beteiligen sich noch verstärkt am Unternehmen», schreibt Hugo Abt nach dem Treffen in einer E-Mail. Unter dem Strich also «sind alle froh, dass es bei uns weitergeht» sagt Peter Bütler.

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