Samuel Graf ist Müller im idyllischen Dorf im Kanton Baselland, wo er eine Mühle am Dorfrand betreibt. «Mehl aus sorgfältig angebautem Getreide», so lautet der Leitspruch der Graf Mühle mit einem kleinen Mühleladen.
Mühlelädeli wurde gestürmt
Mit der Idylle war es ab dem 16. März 2020 vorbei. «Wir wurden förmlich von Kunden überrannt», erinnert sich Samuel Graf an den Start des Lockdowns. Die Kunden kauften den Mühleladen leer. «Ab dem 16. März mussten wir unsere Mühle vom Acht-Stunden-Tag auf 24-Stunden-Betrieb umstellen», denn nur so konnte die Mühle Graf die riesige Nachfrage decken. Ganze acht Wochen lang liefen die Walzenstühle Tag und Nacht. Alle wollten plötzlich und sofort regionales Mehl: Die Kunden im eigenen Mühleladen, die belieferten Hoflädeli, die Landi, die regionalen Lebensmitteläden und sogar das berühmte Basler Hotel «Drei Könige». Samuel Graf erzählt: «So etwas habe ich noch nie erlebt.» Den Ansturm habe man nur geschafft dank der treuen Mitarbeitenden. «Wir hatten noch nie ein so gutes Jahr wie 2020», zieht Samuel Graf ein Fazit.
37% mehr im Detailhandel
«Während der Spitzen im März und April wurde im Detailhandel ein Vielfaches der Mengen abgesetzt, welche in diesem Zeitraum üblicherweise verkauft werden», heisst es im Jahresbericht vom Dachverband Schweizerischer Müller DSM über den Mehlabsatz. Die Rekordverkäufe im Detailhandel hielten aber nicht lange an, denn «bereits im Mai sank diese Mehrmenge deutlich und normalisierte sich über den Sommer wieder.»
Dass im Corona-Lockdown zu Hause viel Brot gebacken wurde, hat sich auch im «Marktbericht Getreide» des BLW niedergeschlagen. «Wertmässig hat der Mehlmarkt im Schweizer Detailhandel zwischen September 2018 und August 2020 um 21,3 Mio Fr. respektive um 44,3 Prozent zugelegt», heisst es im jüngsten Bericht vom Oktober 2020. Diese Mehrmengen seien zum grössten Teil auf den Detailhandel verkauft worden, heisst es. Mengenmässig sei der Detailhandelsabsatz beim Mehl um 37,3 Prozent angestiegen.
«Es bleibt etwas hängen»
«Die Mehrmenge des ersten Halbjahres 2020 dürften sich so – je nach weiterer Entwicklung der Pandemiesituation - bis zum Jahresende wohl wieder auflösen», heisst es im Jahresbericht des DSM. Dem pflichtet auch Rita Knecht von der Knecht Mühle in Leibstadt bei. «Unser Mehlabsatz bleibt 2020 in etwa stabil», schätzt sie. Samuel Graf von Maisprach spürt das anders: «Es bleibt etwas vom Mehrabsatz hängen», und das trotz des wieder möglichen Einkaufstourismus.

