Auf dem Obstbaubetrieb von Jonas Hunkeler im luzernischen Oberkirch neigt sich die Apfel- und Birnenernte dem Ende zu. Dieses Jahr sei die Menge unterdurchschnittlich und die Qualität sehr unterschiedlich. Der Ernte- und Sortieraufwand sei so beträchtlich höher. Darüber informierte er an einer Fachexkursion des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID.
Bauern mitreden lassen
Dabei wurde auch die Obsthalle Sursee besichtigt. Die beliefere vor allem die beiden Schweizer Grossverteiler, indirekt aber auch die Discounter, erklärte Marie Theres Lütolf, Leiterin Verkauf. Die zuliefernden Obstbauern hätten in der 60 Mitglieder starken Produzentenorganisation Obsthalle Sursee (Proveros) ein gewichtiges Mitspracherecht bei den Übernahmebedingungen und der Preisbildung. Darin sind vorallem die Zentralschweizer Produzent(innen) zusammengeschlossen. Die Obsthalle Sursee übernimmt aber auch Früchte aus der Ostschweiz. Dort soll demnächst eine ähnliche Produzentenvereinigung aufgebaut werden, gab Lütolf bekannt.
Die Marktschwankungen seien die grösste Herausforderung, meinte Produktmanager Roger Käslin bei der Führung durch die derzeit erntebedingt schwach gefüllten Kühllager. Die Obstabnehmer gehörten zu den Gewinnern der Corona-Krise. Der Absatz sei letztes Jahr während des Lockdowns kurzfristig stark in die Höhe geschnellt, was die Bedeutung des Einkaufstourismus zeige.
Unterschiedliche Qualität
Dieses Jahr macht vor allem die unterschiedliche Qualität der Früchte, nicht nur beim Obst, sondern auch beim Gemüse, den Absatz anspruchsvoll. «Das Verständnis bei Kunden für die naturbedingten Qualitätsunterschiede hält sich in Grenzen», meinte Käslin. Die Fenaco bemühe sich deshalb, der zunehmenden Entfremdung zwischen Produzentinnen und Konsumenten entgegenzuwirken und die Kundinnen wieder näher an die Produktion zu führen, so auch durch Besuche im Feld.
Festigkeit statt Aroma
Viele der in die Obsthalle angelieferten Früchte sind noch nicht vollreif. Die werden in den entsprechenden Lagern mit kontrollierter Atmosphäre entweder in den Tiefschlaf versetzt oder durch Gasbehandlung nachgereift, je nach Absatzsituation übers Jahr. Die Lagerverluste hielten sich im Übrigen sehr in Grenzen. Sind die Standards für Tafelware nicht mehr gewährleistet, kann das Obst vermostet werden. «Food Waste passiert nicht hier, sondern bei den Konsumenten», meinte Käslin.
Ein klarer Trend in der Schweiz sei bei Abnehmerinnen der Wunsch nach festen, knackigen und grossen Früchten, sowohl beim Kern- wie Steinobst. Die würden auch besser bezahlt. Das gehe aber zulasten der Aromatik. «Viele Leute wissen gar nicht mehr, wie ein reifer Apfel von einer alten Sorte vom Baum schmeckt.» Käslin wies auch auf das Spannungsfeld zwischen abnehmender Sortenvielfalt und anderseits steigenden Qualitätsansprüchen hin. Aber auch wechselnde logistische Herausforderungen haben die Sortier- und Packbetriebe zu meistern. Von der zunehmenden Labelvielfalt, aber gleichwohl strikt einzuhaltender Transparenz in der ganzen Kette, bis hin zu den Verpackungswünschen. «Mal ist Karton im Trend, mal Plastik, und derzeit ist die Beschaffung der Gebinde ohnehin nicht einfach.»
Stabile Preise sichern
Einblicke in die Verarbeitung des Mostobsts und zur Marktlage vermittelte Christoph Suter bei Ramseier Suisse. Zu reden gaben vor allem die hohen Rückbehalte letztes Jahr, was Nachwirkungen auf die Erntebereitschaft der Bauern noch dieses Jahr habe. Wenn das Preisniveau für Schweizer Mostobst aber gehalten werden soll, müsse am Rückbehaltssystem festgehalten werden, meinte Suter. Zumal Konzentrat in der EU dreimal billiger als von hier sei, und auch Mostobst dort noch viel weniger wert ist. Es brauche in Überschussjahren das Ventil, Konzentrat dank der Rückbehalte subventioniert zu exportieren.
Neue Märkte erschliessen
Die Branche bemühe sich aber sehr, trotz abnehmendem Konsum von reinen Apelsäften, mit Getränke-Innovationen neue Märkte zu erschliessen, sagte Suter. Nur ein Bruchteil neuer Produkte finde aber einen Markt, und der Platz in den Gestellen des Detailhandels müsse teils teuer erkauft werden. «Die Emotionen und Vorstellungen der Produzentinnen und Konsumenten entsprechen eben nicht immer den Marktrealitäten.»

