«Es gibt kaum Wachstumspotenzial bei den landwirtschaftlichen Anlässen»

Die Markthallengenossenschaft Sargans hat schwierige Zeiten hinter sich. Jetzt sei man über den Berg und wieder in den schwarzen Zahlen, sagt Präsident Marco Gadient. Doch mit den landwirtschaftlichen Anlässen alleine könne eine Markthalle nicht mehr überleben.

2011 wurde die Markthalle Sargans-Werdenberg durch einen Grossbrand komplett zerstört. Fast drei Jahre später, im Januar 2014, war der Wiederaufbau abgeschlossen. Auktionen, Viehmärkte, Viehschauen und nichtlandwirtschaftliche Anlässe kamen wieder zum Laufen und füllten die Geschäftsbücher.

Corona brachte Markthallen an ihre Grenzen

Doch dann kam 2020 die Coronapandemie. Weil keine Veranstaltungen mehr stattfanden, fielen die Einnahmen weg. Die Markthallengenossenschaft Sargans bekam grosse Liquiditätsprobleme – und auch die Unzufriedenheit der Genossenschafter nahm zu. Als es ums Überleben der Markthalle ging, übernahm Marco Gadient das Präsidium zusammen mit einem neu zusammengestellten Verwaltungsrat im Dezember 2021. Der 54-Jährige führt in Flumserberg einen Landwirtschaftsbetrieb und ist Präsident der dortigen Alpkäserei.

«Der ‹Patient› liegt immer noch im Krankenbett, aber nicht mehr auf der Intensivstation.»

Marco Gadient zur heutigen finanziellen Lage der Markthalle Sargans

Man sei über den Berg und schreibe wieder schwarze Zahlen, so Gadient.

Rekordzahlen bei den Viehmärkten

Der Umsatz betrug letztes Jahr 300'000 Franken. Das ist zwar tiefer, als man sich bei der Neustrukturierung 2022 vornahm, aber Gadient hält fest: «Wir haben Kosten eingespart. So gibt es momentan keine Geschäftsstelle mehr, diese Aufgaben übernimmt der heutige siebenköpfige Vorstand.» Zur verbesserten Liquiditäts­situation der Markthalle Sargans hat beigetragen, dass ein Teil der Halle dauerhaft vermietet wurde und dass der Gastronomiespezialist Aligro übergangsweise die Halle mietete.

Sehr erfreulich entwickelten sich die Zahlen der Schlachtviehmärkte. Gadient spricht von einer Zunahme von 25 % alleine im letzten Jahr.

«Rund 4000 Tiere wurden 2023 in Sargans vermarktet – das ist ein sehr hohes Niveau.»

Marco Gadient zu den Verkaufszahlen 2023

Gadient verkauft in Sargans selber viel Schlachtvieh. Generell habe es wieder mehr Händler und Käufer auf dem Markt, stellt er fest. Schwieriger sei es bei den Auktionen, «schlicht, weil die Nachfrage für die Tiere fehlt». Auch Viehschauen finden wieder vermehrt in Sargans statt. «Aber von Juni bis August – also rund ein Vierteljahr – sind wir nicht ausgelastet. Dann ist das Vieh auf der Alp und es finden zahlreiche Outdoor-­Anlässe statt.»

Aufschwung dank neuen Anlässen

Nebst den landwirtschaftlichen Anlässen füllen Vermietungen an Vereine, Firmen oder für Schulungen und Hochzeiten die Kasse der Genossenschaft. Mit der geplanten Auslastung für das laufende Jahr ist Ga­dient zufrieden. Nebst den bewährten Schlachtviehmärkten, Viehschauen und den zwei Auktionen kommen neue Anlässe hinzu, wie beispielsweise eine Katzenausstellung im August. «Diese Diversifizierung ist wichtig für uns. Denn bei den landwirtschaftlichen Anlässen haben wir weniger Wachstumspotenzial.»