Ein Hofladen, der extra für die Stadt gemacht ist

Der urbane Selbstbedienungshofladen «Holabox» hat ihre Testphase in Ossingen hinter sich. Bald wird sie in Winterthur den Betrieb aufnehmen. Die drei Gründer sind zuversichtlich, auch wenn der Umsatz in der Testphase noch zu wünschen übrig liess.

In Ossingen im zürcherischen Weinland ist ein zweimonatiger Testbetrieb des Projekts «Hofladen in der Stadt» zu Ende gegangen. Die «Holabox», wie der urbane Selbstbedienungshofladen genannt wird, soll nun Ende November in Winterthur in Betrieb gehen. Initiiert wurde er von fünf Zürchern, die sich zur «Naturegio AG» zusammengeschlossen haben: Bruno Arnold aus Unterstammheim, Mark Gerber aus Ossingen, Tobias Müller aus Zürich, Ralph Hablützel aus Dättlikon sowie Felix Zingg aus Maur. Sie alle sind als Biobauern oder sonst in der Landwirtschaft tätig. Mit der «Holabox» vermarkten sie Produkte aus eigener Herstellung und von ausgesuchten Biohöfen.

Die Zeit ist reif die «Holabox»

«Drei Viertel der Bioprodukte in der Schweiz werden importiert», sagt Bruno Arnold, Geschäftsführer von «Naturegio». Er betont, die Holabox sei eine echte Alternative zum globalen Handel von Lebensmittel. «Weil der Zwischenhandel ausgeschaltet wird, erhalten Produzent und Konsument einen fairen Preis», so Arnold.

Die Organisation erfolgt durch die ehrenamtliche Arbeit der fünf Aktionäre. Das Projekt soll sich langfristig selbst tragen, damit in weiteren Regionen ein Versorgungsnetz aufgebaut werden kann. «Die AG muss sich erst stabilisieren, bevor neue Aktionäre aufgenommen werden», sagt Arnold, der ständig auf der Suche nach interessanten Standorten ist.

Weil es in Winterthur für den Seecontainer der «Holabox» eine reguläre Baugenehmigung mit öffentlicher Auflage braucht, war in Ossingen ursprünglich ein vierwöchiger Testbetrieb geplant. Dazu reichte eine spezielle Genehmigung für ein Provisorium, die nach vier Wochen unkompliziert um einen weiteren Monat verlängert wurde. «In Ossingen ist es ohne Baugenehmigung gegangen, weil die Gemeinde mitgespielt hat», sagt Arnold, der als landwirtschaftlicher Berater am BBZ Arenenberg tätig ist und neue Wege für die Direktvermarktung sucht.

«Die Idee hat sich in den letzten drei Jahren entwickelt», so Arnold. Die Direktvermarktung sei in den Städten fast nur auf Wochenmärkten möglich, die wiederum auf einzelne Tage beschränkt sind. Die Leute seien mittlerweile aber bereit, Produkte von nachhaltigen und transparenten Produzenten zu kaufen. Zudem habe die Corona-Zeit die Hofläden in der ländlichen Region beflügelt. Arnold sieht den Seecontainer für einen Hofladen in der Stadt als beste Lösung. Wenn ein Standort nicht passe, sei die Box schnell an einem anderen Ort. Eine Holzhütte wäre dagegen zu aufwendig und für den mobilen Gebrauch statisch zu instabil.

Ein Hofladen, der extra für die Stadt gemacht ist
«Naturegio»-Geschäftsführer Bruno Arnold (rechts) und Informatiker Thomas Disch setzen auf die «Holabox.»

Der Laden hat ein ausgeklügeltes System

Die «Holabox» ist ein einfacher Seecontainer mit den Massen 6 × 2,4 × 2,9 Meter und braucht lediglich den Platz von zwei Autostellplätzen und einen Stromanschluss. Die Anschaffung kostete 5500 Franken und die Einrichtung erfolgte in Eigenarbeit. Der Schaffhauser Biobauer und Informatiker Thomas Disch entwickelte aus «Upcycled Hardware» ein ausgeklügeltes Kassen- und Zutrittssystem. Dazu gehört auch eine spezielle Gesichtserkennungs-App, die den Jugendschutz gewährleistet, um alkoholische Getränke verkaufen zu dürfen. «Die Verwendung unserer technischen Hilfsmittel zur Einhaltung vom Jugendschutz sind rechtlich aber noch nicht geregelt», sagt Disch.

Die Holabox ist jeweils von 6 bis 20 Uhr offen. Ausserhalb dieser Zeiten kann ein digitales System angerufen werden, das die anrufende Nummer registriert und die Tür öffnet. Disch bemerkt, dass es im kamera-überwachten Laden kaum Bargeld hat. «In Ossingen haben 95 Prozent der Kundschaft bargeldlos bezahlt, in der Stadt sind das sicher noch mehr», sagt Disch. Der Verkauf von Frischprodukten wird Schritt für Schritt eingeführt, wobei die nachhaltige Zweitverwertung von nicht verkauften Produkten sichergestellt und Foodwaste vermieden werden soll.

Bereis wird ein zweiter Container gebaut

Um die Holabox wirtschaftlich zu betreiben, braucht es einen Tagesumsatz von rund 400 Franken. Beim Testbetrieb in Ossingen lag er ungefähr bei der Hälfte. Vielleicht lag dies auch daran, dass der Container an der Steinerstrasse eher unauffällig platziert war. Auf dem Bungerthof in Dättlikon, wo auch das Zentrallager untergebracht ist, befindet sich bereits der zweite Seecontainer im Bau. Die Bauarbeiten verzögern sich jedoch, weil die Baumaterialien zurzeit sehr teuer oder gar nicht zu bekommen sind.

Die «Holabox» öffnet ab Ende November beim Alten Busdepot an der Tösstalstrasse 86 in Winterthur. Der Laden ist durchgehend zugänglich. Weitere Informationen: www.holabox.ch

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