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EDF-Vize Urs Wegmann: "Wir klagen uns nicht gegenseitig ins Elend"

«Die Situation auf dem Milchmarkt ist schwierig», sagt Urs Wegmann. Als Vizepräsident der European Dairy Farmers (EDF) ist der Landwirt aus Hünikon «zweithöchster» Milchbauer Europas. Die EDF-Mitglieder seien Landwirte, die das Beste aus einer gegebenen Situation machen wollten.

Urs Wegmann hat seinen Betrieb in Hünikon bei Winterthur im Jahr 2007 von seinem Vater übernommen Das Projekt für den Neubau eines Laufstalls mit 83 Kuhplätzen lag zu diesem Zeitpunkt bereits vor. Er habe vor der Wahl gestanden, den auf Ackerbau und Milchwirtschaft ausgerichteten Hof entweder als Nebenerwerb weiterzuführen oder auf einen Betriebszweig zu setzen und in diesen zu investieren, sagt der 41-jährige Wegmann. Er entschied sich für die Milchwirtschaft. Ausschlaggebend dafür war die Zusammenarbeit mit einer lokalen Käserei im Nachbardorf. Zu einem Zeitpunkt, als mit der Aufhebung der Kontingentierung viele Bauern aus der Milchwirtschaft ausstiegen, war diese auf Milchlieferanten angewiesen. Noch heute profitiert Wegmann dank dieser Kooperation von einem leicht höheren Milchpreis als der Grossteil der Milchproduzenten.

40 Hektaren, schön arronidert

Der schön arrondierte Betrieb von Urs Wegmann umfasst eine Landwirtschaftliche Nutzfläche von 40 Hektaren,
13 Hektaren sind zugepachtet. Urs Wegmann bewirtschaftet den Hof zusammen mit einem festen Mitarbeiter. Sein Vater hilft auf dem Betrieb mit, eine Mitarbeiterin arbeitet fix einen Tag pro Woche und springt bei Abwesenheit von Urs Wegmann ein. Arbeitsspitzen werden mit Lohnunternehmen und über betrieblicher Zusammenarbeit bewältigt. Die Herde besteht fast ausschliesslich aus Holstein-Kühen. Die durchschnittliche Milchleistung liegt in etwa bei 9300 Kilogramm pro Laktation. Mit der AP 2014–17 hat auf dem Betrieb Wegmann neben der Milchwirtschaft auch der Ackerbau wieder etwas an Bedeutung gewonnen. Wegmann berücksichtigt damit den Umstand, dass sich eine vielfältige Fruchtfolge von den Direktzahlungen her auszahlt – das rechne sich unter dem Strich, auch wenn er für die Ration seiner Herde etwas Silomais zukaufen müsse,
sagt Wegmann.

Austausch von Wissen

Urs Wegmann engagiert sich nicht nur auf seinem Hof für die Milchwirtschaft. Er ist auch Mitglied der European Dairy Farmers (EDF). Mitte Juli wurde er am Kongress dieses Zusammenschlusses europäischer Milchbauern zum Vizepräsidenten gewählt. Dem Zusammenschluss gehören Milchbauern aus ganz Europa, Kanada und Australien an. «Diese Organisation wird von Milchbauern für Milchbauern betrieben», sagt Wegmann. Sie stelle eine Plattform dar, um Wissen und Ideen auf nationaler und internationaler Basis auszutauschen und zu entwickeln. Weil der Zusammenschluss auf fachliche und finanzielle Unterstützung angewiesen ist, zählen zudem Sponsoren, Berater und je nach Land auch bäuerliche sowie Regierungsorganisationen zu den EDF-Mitgliedern. Diese treffen sich jährlich an nationalen Anlässen und an einem dreitägigen internationalen Kongress.

Betriebszahlen im Fokus

Im Zentrum der EDF-Treffen stehen neben Fachreferaten zu spezifischen Themen die Analyse der Vollkostenrechnungen der einzelnen Mitglied-Betriebe. Diese basieren auf einer um-fassenden und einheitlichen Erfassung der wirtschaftlichen Betriebszahlen. Berücksichtigt werden dabei auch die finanziellen Beiträge – in der Schweiz sind es die Direktzahlungen –, mit denen die einzelnen Staaten die Milchwirtschaft unterstützen. Ob gross oder klein, ob Bio oder konventionell, ob High- oder Low-Input: Die einheitliche Rechnungslegung ermöglicht es, die finanzielle Situation verschieden ausgerichteter Betriebe in unterschiedlicher Grösse über die Landesgrenzen hinaus zu vergleichen und zu analysieren. Auch ermöglicht sie es, die Entwicklung der Wirtschaftlichkeit eines Betriebes im Verlaufe der Jahre zu dokumentieren. «Die EDF-Mitgliedschaft ist auch eine Vertrauenssache», betont Wegmann. «Zugang zu den sensiblen wirtschaftlichen Zahlen der Mitgliedsbetriebe erhält nur, wer seine eigenen Daten liefert.»

Grosse Unterschiede

EDF-Betriebe orientieren sich extrem an wirtschaftlichen Kennzahlen. Deshalb würden sie wohl nicht den repräsentativen Durchschnitt der Milchwirtschaftsbetriebe eines Landes widerspiegeln, sagt Urs Wegmann. Die Auswertung und der Vergleich der EDF-Analysen erlauben Wegmann aber dennoch einige grenzüberschreitende Aussagen:

  • Die Unterschiede von Betrieb zu Betrieb sind grösser als jene von Land zu Land.
  • Oft machen Direktzahlungen oder vergleichbare Zahlungen den Unterschied zwischen Verlust und Gewinn aus. Dies ist auch in der Schweiz der Fall.
  • In der Schweiz sind die Produktionskosten zwar höher. Die Produzenten profitieren aber von einem höheren Milchpreis.
  • Die irischen Milchbauern wirtschaften seit Jahren am besten.
  • In Irland ziehen allerdings gegenwärtig die Landpreise an. Zudem sind die Entwicklungen rund um den Brexit eine grosse Unbekannte.

Die Themen Nachhaltigkeit und Tierwohl geniessen laut Wegmann über die Landesgrenzen hinaus einen hohen Stellenwert. So bringe etwa der grösste dänische Milchverarbeiter Arla nur noch Trinkmilch von Tieren mit Weidehaltung auf den Markt. In dieses Umfeld passe die Ein-führung des Grünen Teppich in der Schweiz. «Wir kommen nicht darum herum», so Wegmann. Die Schweiz habe da allerdings ein Problem: «Sie verhält sich in vielen Punkten vorbildlich, vermarktet dies aber nur ungenügend.»

«Es läuft harzig»

Ja, die Situation auf dem Milchmarkt sei schwierig, sagt Wegmann. «Es läuft harzig.» Jeder müsse sich fragen, ob er in diesem Geschäft bleiben wolle. Und wer keinen Ausweg sehe, dem bleibe nichts anderes übrig, als auszusteigen. Wer aber weiterhin melken wolle, der müsse nach vorne blicken.

Dabei ist für Urs Wegmann die Mitgliedschaft und das Engagement bei den EDF-Landwirten zentral: Es sind motivierte Landwirte, die sich weiterbringen wollten. «Wir klagen uns nicht gegenseitig ins Elend. Wir sind Unternehmer, die das Beste aus einer gegebenen Situation machen wollen», sagt er. Die EDF-Landwirte würden die Fakten analysieren, über den eigenen Tellerrand gucken und schauen, wie andere Probleme anpacken und nach der Devise «vergleichen hilft» handeln.

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