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Dank Migros soll Absatz für Wiesenschweine steigen

Oliver Hess, Gründer und Besitzer des Labels Wiesenschweine, im Interview zur Marktsituation. Er rechnet dank dem Einstieg des Grossverteilers mit Potenzial für interessierte Schweinehalter.

Seit letztem Jahr ist Migros, vorher war es Coop, Marktpartner für Wiesenschweine. Nun werden Einsteiger in diese Labelhaltung gesucht. Die Erfahrungen bisheriger Mäster von Wiesenschweinen sind gut.

Oliver Hess, CEO der Wiesenschwein AG, nimmt Stellung zu den Erfahrungen nach vier Jahren und dem Marktpotenzial für die Zukunft.

Das Label Wiesenschweine wurde 2019 lanciert, es machen aber erst drei Betriebe mit. Und es werden jährlich nur knapp 3000 Schweine so vermarktet, ein Bruchteil der jährlichen Schlachtungen von 2,5 Millionen Schweinen. Wieso so wenige?

Oliver Hess: Wir durften seit 2019 viele Betriebe planen. Die Wiesenschwein AG will immer zuerst den Absatz gesichert haben, bevor Landwirte umstellen. Das hat den Vorteil, dass die Wiesenschweine einen marktunabhängigen Preis halten können und der Landwirt dadurch die Sicherheit hat, dass die von ihm produzierten Mengen stets sicher abgenommen werden.

Gestartet wurde die Zusammenarbeit mit Coop, jetzt ist Migros der Partner. Geht es jetzt aufwärts?

Wir hatten zum Start mit Coop einen Dreijahresvertrag. Wobei von Anfang an klar war, dass Coop die Wiesenschweine nicht ausbauen wird und sich auch nicht mehr engagieren möchte. Trotzdem halten wir gerne fest, dass dieses Startengagement uns ermöglicht hat, erfolgreich zu starten und viele praktische Erfahrungen zu sammeln. Wir konnten allerdings diese drei Jahre lang nicht weiter ausbauen. Nach dem Beenden der Zusammenarbeit mit Coop sind wir sehr glücklich, dass unser Partner Migros in Zukunft auf das Label Wiesenschwein setzt und sich stark dafür engagiert.

Das war vor einem Jahr.

Nach erfolgreicher Markteinführung im Frühjahr 2022 bei der Migros dürfen wir nun gemeinsam die Wiesenschweinproduktion ausbauen und von den aktuell jährlich rund 3000 Wiesenschweinen nachhaltig und sinnvoll wachsen, immer mit dem Blick auf den erfolgreichen Absatz der Produkte. Dank der guten Zusammenarbeit mit Migros kann das Angebot erhöht werden.

Welche Rolle hat IP-Suisse?

Die Wiesenschwein AG erarbeitet mit der IP-Suisse aktuell die Zusammenarbeitsvereinbarung. Die Tierhaltungsrichtlinien sind heute IPS-Wiesenschweinrichtlinien. Die Basis für Wiesenschweine sind in jedem Fall die «Richtlinie Tierhaltung» sowie die «Richtlinie Gesamtbetrieb» der IP-Suisse sowie die Vertragsproduktion, die Kontrollen und die Produktezertifizierung. Die Richtlinien der Wiesenschweine werden zusätzlich darübergelegt. Welche operativen Rollen die IP-Suisse im Labelaufbau noch übernehmen möchte, wird sich in den nächsten Wochen definitiv klären.

Und dann gibt es so richtig Schub?

Aufgrund der Tatsache, dass die Migros sehr seriös geprüft hatte, wie das Wiesenschweinefleisch bei Kunden ankommt, und dass auch wir gleichzeitig vom Landwirt bis zum Konsumenten erfahren konnten, dass unser System funktioniert und der Absatz erfolgreich ist, hatte es einfach diese Zeit gebraucht. Der Ausbau war nicht schneller zu bewerkstelligen. Ebenso braucht es für die interessierten Landwirte noch Baubewilligungen und Investitionsmittel, was den Ausbau des Labels auch nicht beschleunigt.

Wiesenschweinbauern haben deutliche Mehrkosten, auch bei den Investitionen.

Die Investitionskosten sind stark von den äusserlichen Gegebenheiten abhängig. Ich kann aktuell mit ruhigem Gewissen sagen, dass ein heute bestehender durchschnittlicher IPS-Maststall mit 350 Mastplätzen für zirka 450'000 Franken auf Wiesenschweine umgestellt werden kann. Der grösste Anteil wird in die Mehrflächen fliessen, Beton, Holz, Suhle und die Aufarbeitung der Wiese. Etwa knapp ein Drittel fliesst in die «Hardware» für die Steuerung automatischer Tore und die Technik für die Automatisierung der Anlage. Die Mehrarbeit ist vor allem im Unterhalt der neuen Flächen zu suchen und stark davon abhängig, wie viel Engagement der Landwirt dabei einsetzen wird.

Wie sind grundsätzlich die Erfahrungen mit dem System nach rund vier Jahren?

Uns freut am meisten, dass alle Produzenten mit der Art und Weise unserer Wiesenschweinhaltung glücklich sind und die Freude und einen gewissen Stolz haben, dass ihre Schweine täglich zufrieden sind. Wir als Systementwickler haben mit den drei Testanlagen unheimlich viel gelernt und wissen heute, dass die automatisierten Anlagen in Kombination mit einer Flüssigfütterung super funktionieren.

Die Mastleistungen sind auch gut und die Mastdauer liegt somit absolut im Rahmen. Natürlich nicht ganz so schnell wie bei einem Top-QM-Betrieb, aber sicher vergleichbar mit einem Auslaufbetrieb. Die Futterverwertung ist ein wenig schlechter bei den Wiesenschweinen mit etwa 2,8 kg Futter/kg Zuwachs. Das ist aber durch den Mehrpreis ausreichend gedeckt, ebenso die Mehrarbeit und die Investitionen.

Welche Absatzziele hat die Wiesenschwein AG?

Das Potenzial für Wiesenschweine in den nächsten Jahrzehnten voraussagen zu können, ist schwierig. Das Ziel der Wiesenschwein AG ist und bleibt es, schnellstmöglich eine markante Marktgrösse zu erreichen. Aber es ist viel wichtiger, darauf zu achten, dass wir bei diesem Label keine Überproduktion haben.

Sie suchen weitere Einsteiger. Wer kommt in Frage?

Ja, wir suchen für den nächsten Ausbauschritt weitere interessierte, motivierte und offene Landwirte, möglichst aus der ganzen Schweiz. Wir werden diese auf Wunsch auch beraten, wie das Investitionskapital zu stemmen ist. Wir freuen uns auf alle IP-Suisse-Schweinemäster, die ihre Schweine flüssig füttern und direkt vor ihren bestehenden Ausläufen Anbaufläche und Wiese zur Verfügung haben. Wirtschaftlich interessant für Landwirte wird es sicher so ab einer Betriebsgrösse von 200 Mastschweineplätzen.

Weitere Informationen: www.wiesenschwein.ch

Dank Migros soll Absatz für Wiesenschweine steigen
Oliver Hess, Gründer und CEO der Wiesenschwein AG.