Angefangen mit der Mast von langsam wachsenden Poulets hat die heute 36-jährige Sandra Gertsch bereits 2019 auf dem Hof ihres Ex-Mannes. Sie schaffte zu Beginn einen Mobilstall für 450 Masthühner an, der nach jeder 60 Tage dauernden Mastperiode jeweils auf der Weide verstellt wird. «Als junge Bäuerin bot ich meine Qualitätspoulet dem Luxushotel Viktoria Jungfrau in Interlaken BE an. Die Qualität überzeugte und seither beliefere ich die Küche dieses Luxushotels», erzählt sie sichtlich stolz. Wohlgemerkt zu einem Preis, der mehr als doppelt so hoch ist wie der für handelsübliches Geflügel.
Hofladen gebaut
Nach ihrer Scheidung übernahm sie den Hof ihres Vaters im bernischen Einigen und schaffte sich einen zweiten mobilen Hühnerstall an. Zu den Poulets kamen nach und nach Truten, Schweine, Schottische Hochlandrinder, Zwergziegen und zwei Pensionspferde hinzu. Auf Bestellung produziert sie für das Hotel Viktoria Jungfrau auch Perlhühner und Enten in Freilandaufzucht. Den zweckmässigen Hofladen hat die 36-jährige Mutter von zwei Kindern selber geplant. Mit einem Maurer, einem Zimmermann und eigener tatkräftiger Mitarbeit stellte sie einen Hofladen mit angebautem Verarbeitungsraum auf.

Idylle und Aussicht
Die Aussicht bei Sandra Gertschs Hofladen im Ortsteil Einigen oberhalb von Spiez macht sprachlos. Die freie Sicht auf den Thunersee, über den See grüssen das Sigriswiler Rothorn und der Gantrisch, östlich erkennt man Eiger, Mönch und Jungfrau und südlich reckt sich die markante Spitze des Niesen in den Himmel. Vor dem Hofladen laden Tische und Stühle die Besucher zum Verweilen ein, gegenüber meckern Zwerggeissen in einem Gehege und Hühner die zufrieden Grashalme picken sorgen für das Ambiente. Neben dem Hofladen, auf der Seesichtseite, grasen zottelige Schottische Hochlandrinder. So wird der Besuch des Hofladens nicht nur kulinarisch ein Erlebnis und zieht besonders bei schönem Wetter Besucherinnen und Besucher aus nah und fern an.
Das Geschäft läuft
Im mit viel Liebe eingerichteten Hofladen, der mit Geflügel- und Schweinefleisch, Wurstwaren, Milchprodukten, Gebäck, Gemüse, Obst, Eiern, Teigwaren, Konfitüren und Eingemachtem die Güter der Grundversorgung bietet, betont die umtriebige Bäuerin: «Nahezu alle Produkte, welche ich hier zum Kauf oder zum hier essen anbiete, sind auf meinem Hof produziert und von mir verarbeitet». Sandra Gertsch weiss, dass die schöne Aussicht viele Kundinnen anlockt, ihre Stärke liegt jedoch beim Geflügel, vor allem beim Poulet. «Ich produziere mit einer langsam wachsenden französischen Landrasse Poulets von höchster Qualität», betont sie. Sandra Gertsch hat Erfolg mit ihrem Hofladen und sie lebt vom Direktverkauf. Das heisse auch lange Präsenzzeit und Liebe zum Detail bei der Verpackung und bei den Etiketten. «Am Wochenende mache ich am meisten Umsatz», weiss sie. Zeitsparend ist die Selbstbedienung, bezahlen können die Kunden bar, mit Twint, Bank- und Postkarte. Samstagvormittags beim Züpfenverkauf und wenn Frischfleisch verkauft wird, steht die Bäuerin selbst im Laden. Die Kasse stimme – wohl auch dank ihrer Präsenz im angebauten Koch- und Backraum und der Videoüberwachung, vermutet sie. Und Sandra Gertsch hat weitere Pläne: So hat sie Urdinkel angebaut, den sie selber vermarkten will und sie plant Obstbäume zu pflanzen.
Weitere Informationen: www.hofladen-einigen.ch

