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Die Lagerkrankheiten nicht ausser Acht lassen

An der Güttinger-Tagung 2021 ging es um die Vorbeugung von Lagerkrankheiten, Folien-Überdachungssysteme und Strategien zur Pflanzenschutzmittel-Reduktion.

Manuel Boss, seit Juni Leiter Kompetenzbereich Pflanzen bei Agroscope, betonte in der Eröffnungsrede zur Güttinger-Tagung am 21. August, wie wichtig die Begegnungen und der Austausch zwischen Forschung und Praxis sind. «Die Fragestellungen im Obstbau gleichen einem Puzzle. An diesen Puzzleteilen – Sortenwahl, Kulturführung, Pflanzenschutz, Nützlingsförderung, Unkrautbekämpfung – müssen wir arbeiten und sie zu einem Ganzen zusammenfügen.»

Viel für zukünftige Abstimmungen gelernt

Urs Schneider, stellvertretender Direktor des SBV, nutzte seine Anwesenheit, um den Bauernfamilien für das beispiellose Engagement im Kampf gegen die Pflanzenschutz-Initiativen zu danken. Mit Blick auf die zukünftige Initiativen-Flut sagte er: «Wir haben bewiesen, dass wir die Herausforderungen gemeinsam bewältigen können. Das stimmt mich zuversichtlich.»

Jede Sorte ist anfällig auf Lagerkrankheiten

Ein Posten befasste sich mit den Lagerkrankheiten. «Ein Thema, das der Obstbauer vielleicht nicht so im Fokus hat», bemerkte Werner Stuber von Tobi Seeobst. Die heute bekannten Lagerkrankheiten hat man mit einer gezielten Fungizidstrategie recht gut im Griff.

In den letzten Jahren beliefen sich die Ausfälle durch Lagerfäulen bei der Tobi Seeobst auf 2 bis 5 Prozent. In der bevorstehenden Saison dürfte dieser Anteil aufgrund des nassen Sommers deutlich höher liegen, befürchtet Stuber.

Er machte darauf aufmerksam, dass keine Sorte, auch die neuen, robusteren Sorten, nicht anfällig auf Lagerkrankheiten ist. Aufgrund des Klimawandels mit Wetterextremen dürften Lagerkrankheiten zunehmen, weil das Obst grösseren Stressphasen ausgesetzt ist. Eine weiteres Problem sind laut Stuber die wegfallenden Wirkstoffe. Und auch neue, eingeschleppte Krankheiten, spielen in Zukunft vermehrt eine Rolle.

Vorbeugende Massnahmen in der Obstanlage

«Das Heisswassertauchen ist eine gute und wirksame Methode gegen Pilzkrankheiten im Lager. Sie ist aber sehr energie- und zeitaufwendig», machte Werner Stuber klar. Tobi Seeobst wendet das Verfahren nur bei den Bioäpfeln an. «Für die gesamten 25'000 Tonnen Äpfel können wir das nicht machen.» Stuber zählte einige Präventivmassnahmen gegen Lagerkrankheiten auf:

  • Düngung: Ausgeglichene Stickstoffdüngung, genügend hohe Kalziumgaben.
  • Ernte: Zum optimalen Reifezeitpunkt hat die Frucht eine gewisse Robustheit. Von Obstkrankheiten befallene Früchte nach der Ernte zusammennehmen und entsorgen, keinesfalls am Boden liegen lassen.
  • Hygiene: Sensibilisierung der Mitarbeiter(innen) auf sorgfältiges Ernten der Früchte.

Abschliessend äusserte Stuber noch ein persönliches Anliegen. Er wünscht sich, dass bei der Sortenzüchtung auch ein Augenmerk auf die Lagerkrankheiten gelegt wird. «Das würde die Problematik mit Blick in die Zukunft etwas entschärfen.»

Erste Versuche mit Folien in Apfelanlagen

Über Versuche mit Folienüberdachungen informierten Esther Bravin und Andreas Näf, beide Agroscope. Im Tafelkirschenanbau sind solche Überdachungen bereits verbreitet, im Apfelanbau gibt es hingegen kaum Erfahrungen. Beim vorgestellten dreijährigen Versuch zeigte sich, dass die Folie eine gute Wirkung gegen Schorfkrankheiten hat, auch wenn auf Fungizide verzichtet wird. Beim Mehltau stellte Näf einen stärkeren Befall unter der Folie fest, «der mit Fungiziden aber gut unter Kontrolle war».

Vorteile der Folie sind unter anderem, dass Marssonina und Regenflecken reduziert werden. Bei den Schädlingen hatte man bis auf Milben, Läuse und Miniermotten eine gute Wirkung. Als Nachteile sind vermehrte Spritzflecken und verzögerte Ausfärbung zu erwähnen.

Mehrkosten von 14 Rappen pro Kilo

Ausserdem kostet der Witterungsschutz mit Regendach mehr als ein Hagelnetz. Die Berechnungen von Agroscope ergaben jährliche Mehrkosten von Fr. 4320.–/ha im Vergleich zum Hagelnetz. Runter gerechnet sind das 14 Rappen pro Kilo Äpfel (bei einem Ertrag von 30 t/ha).

Die Diskussionen mit den Obstbauern zeigten dann, dass diese Zahlen optimistisch gerechnet sind. Unklar ist zum Beispiel die Nutzungsdauer der Folien (Agroscope rechnete mit zwölf Jahren). Daher ist es gut möglich, dass die Mehrkosten in der Praxis, auf den Obstbaubetrieben, höher als die 14 Rappen pro Kilo sein werden.

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