Mit dem Abschluss der Kartoffelernte ist ein grosser Brocken Arbeit erledigt. Mehrheitlich eine Ernte zum Vergessen. Das Wetter hat seinen Tribut gefordert und auch deutlich gezeigt, wie schnell die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln zur Herausforderung werden kann. Immerhin wurden die Produzentenpreise für Speisekartoffeln deutlich erhöht und bei den Qualitätskontrollen manchmal ein Auge zugedrückt. Aber wäre das nicht auch in normalen Jahren möglich?
Effektiver Mehrerlös statt knappe Abgeltung
Gerade jetzt, wo mit abenteuerlichen Argumenten eine deutliche Reduktion der Tierhaltung gefordert und bei jeder Gelegenheit von weniger Food Waste fantasiert wird, müsste doch darüber nachgedacht werden, wie auch im Pflanzenbau wieder Wertschöpfung auf die Betriebe kommt. Und mit Wertschöpfung meine ich einen effektiven Mehrerlös, nicht nur die knappe Abgeltung von Mindererträgen und Mehrkosten, wie das von Label-Organisationen praktiziert wird. Der von der Mehrheit der Parteien getragene Abbau des Grenzschutzes in den vergangenen Jahrzehnten hat gerade in den Ackerbaugebieten zu einer Intensivierung der Tierhaltung geführt, um weiterhin im Haupterwerb von der Landwirtschaft leben zu können.
Bauern nicht degradieren
Weshalb ist es nicht möglich, für die Produkte aus dem Ackerbau faire Preise zu bezahlen, mit denen auch ein durchschnittlicher Familienbetrieb ein Auskommen hat? Der Konsument würde nichts davon merken. Der Rohstoffanteil bei verarbeiteten Produkten macht nur einen geringen Anteil am Endpreis aus. Vegetarisches Fleisch, Sojakäse und Erbsenwürste sind hochverarbeitete Produkte, welche das schlechte Klimagewissen beruhigen sollen. Da darf der Rohstoff dazu auch etwas kosten, vor allem wenn er auch noch aus der Schweiz kommt. Wenn der Wille zum Umbau des Nahrungsmittelsektors tatsächlich vorhanden ist, darf der Bauer nicht weiter zum Lieferanten von billigen Rohstoffen degradiert werden.

