Kurz & bündig
- Wenn mittels GPS Felder einmal vermessen sind, lassen sich Referenzspuren festlegen. Sie können im Lenksystem immer wieder aufgerufen werden. - Wenn Arbeitsbreiten aufeinander abgestimmt sind, ist nur eine Referenzspur notwendig, beispielsweise die Pflegefahrspur. - Je mehr Felder und Fahrspuren gespeichert werden, desto wichtiger ist die klare Bezeichnung und Ausrichtung der Spuren.
Lenksysteme sind bei neueren Traktoren schon recht verbreitet. Sie bilden die Grundlage für unterschiedliche Lösungen im Bereich der Präzisions-Landwirtschaft, wie automatische Teilbreitenschaltung oder die teilflächenspezifische Bewirtschaftung.
Aktuell werden Lenksysteme hauptsächlich zum automatischen Lenken verwendet. Durch die exakten Anschlussfahrten und das Vermeiden von Überlappungen können Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel eingespart werden.
Die Automatisierung des Lenkens reduziert die Arbeitsbelastung des Fahrers und er kann seine volle Aufmerksamkeit der korrekten Funktion des Anbaugerätes widmen, um so ein optimales Arbeitsergebnis zu erzielen.
Für einen möglichst einfachen Einsatz des Lenksystems gibt es ein paar Tipps und Tricks zum Erstellen der Feldgrenzen und dem sinnvollen Definieren der Referenzspuren und deren Benennung. So können einmal erstellte Fahrspuren erneut verwendet werden und müssen nicht bei jedem Arbeitsgang auf dem Feld neu angelegt werden.
Schritt 1:Erstellen von Feldgrenzen
Feldgrenzen sind dann erforderlich, wenn Maschinen mit automatischer Teilbreitenschaltung zum Einsatz kommen oder mit einem Lenksystem gearbeitet wird, das die Fahrspuren automatisch aufgrund der Feldgrenze berechnet. Bei den Feldgrenzen ist es wichtig, zwischen der Grundstücksfläche und der effektiv bearbeitbaren Fläche zu unterscheiden.
Die Grundstücksfläche ist die Fläche, die durch die Grenzsteine definiert ist und so in den Vermessungsdaten hinterlegt ist. Die bearbeitbare Fläche ist die Fläche, die effektiv bearbeitet werden kann. Die bearbeitbare Fläche ist meist etwas kleiner als die Grundstücksfläche.
So muss entlang von Wegen ein Pufferstreifen von mindestens 50 cm Breite angelegt sein, ein Abstand zu einem Gewässer muss eingehalten werden oder die Bewirtschaftung wird durch eine steile Böschung am Rand eingeschränkt. Die Unterscheidung zwischen den beiden Flächen ist je nach gewählter Grundlage für die Feldgrenzen im Lenksystem zentral.
Schritt 2: Festlegen der Referenzspuren
Die Referenzspuren sind diejenigen Spuren, die im Lenksystem abgespeichert sind. Auf Basis dieser Spuren rechnet das Lenksystem in Abhängigkeit der Arbeitsbreite des Anbaugeräts und der gewünschten Überlappung sämtliche anderen Fahrspuren.
Je nach Feldgeometrie sind unterschiedlich viele Referenzspuren erforderlich. Bei einem normalen, viereckigen Feld sind meist zwei Längsspuren und zwei Querspuren erforderlich. Ist das Feld parallel, ist eine Längsspur und die Querspuren ausreichend. Für das Festlegen der Referenzspur gibt es verschiedene Varianten, je nachdem, wie die Mechanisierung aufeinander abgestimmt ist.
Bei aufeinander abgestimmten Arbeitsbreiten
Beispielsweise bei der Bodenbearbeitung und Saat mit 3 m, Düngung und Pflanzenschutz mit 15 m (was einem Vielfachen der Saatbreite entspricht) ist es empfehlenswert, die Referenzspur auf die Pflegefahrspur zu legen.

Der grosse Vorteil liegt darin, dass die Spur für den Pflanzenschutz und die Düngung nicht mehr verschoben werden muss, sondern es muss lediglich die Arbeitsbreite des Geräts angepasst werden, da die Hauptspur am gleichen Ort bleibt.
Bei verschiedenen Arbeitsbreiten der Anbaugeräte
Dies wird erforderlich, wenn die Arbeitsbreiten der Anbaugeräte nicht aufeinander abgestimmt sind. Beispielsweise Bodenbearbeitung 1,2 m (Pflug) und 5 m (Federzinkenegge), Saat 4,5 m (Einzelkornsaat) und 3 m (Säkombination).

Eine Möglichkeit besteht darin, die Referenzspur auf die Feldgrenze zu legen und in Abhängigkeit der Arbeitsbreite des Anbaugeräts die Spur zu verschieben. Die temporäre Verschiebung entspricht dabei jeweils der halben Arbeitsbreite des Anbaugeräts. Der grosse Vorteil dieser Variante ist, dass die Arbeitsbreiten nicht aufeinander abgestimmt sein müssen. Nachteilig ist die Anforderung, die Spur jeweils temporär zu verschieben.
Eine zweite Möglichkeit besteht darin, mehrere Referenzspuren passend zur Arbeitsbreite der Geräte zu erstellen und abzuspeichern. Beispielsweise eine Spur für 3 m Arbeitsbreite und eine Spur für 5 m Arbeitsbreite. Diese Spuren werden anschliessen passend zum angehängten Anbaugerät aufgerufen.
Schritt 3: Benennen der Felder & Spurlinien
Wichtig bei Lenksystemen ist eine saubere Benennung der Felder und Spurlinien. Nur so ist es möglich, einmal angelegte Felder und Spuren zweifelsfrei wieder aufzurufen.
Die Fahrspuren möglichsteinheitlich und logisch benennen
Dazu stehen verschieden Möglichkeiten zur Verfügung. Beispielsweise durch die Verwendung der Himmelsrichtung in den Spurbezeichnungen oder mittels Einbezug von charakteristischen Merkmalen in den Spurbezeichnungen.

Wichtig ist bei allen Varianten gemeinsam, dass wenn mehrere Fahrer mit den Fahrzeugen arbeiten, gemeinsam eine Benennungsstrategie abgemacht wird, damit alle die Spurlinien finden. Die Benennung Feld 1, Feld 2, oder Spur 1, Spur 2 usw. ist wenig zielführend, da diese Daten nicht zweifelsfrei zuzuordnen sind.
Sinnvolle Namen für die Feldbenennung wählen
Für die Benennung sollen sinnvolle Namen gewählt werden, wie der Einbezug des Flurnamens oder beim Lohnunternehmereinsatz der Name des Kunden als ergänzende Info, beispielsweise «Müller-Obstgarten».
Wird die Kultur bei der Bezeichnung verwendet, beispielsweise «Winterweizen» ist dies zwar für das aktuelle Jahr eine sinnvolle Bezeichnung. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass nächstes Jahr eine andere Kultur auf dem Feld steht und dadurch die Bezeichnung nicht mehr passt.
Die Spuren nach Himmelsrichtungen benennen
Eine Variante besteht darin, die Himmelsrichtungen in die Benennung einfliessen zu lassen. So heisst dann eine Spur beispielsweise AB-Nord. Eine andere Variante ist die Ausnutzung von charakteristische Merkmale, wie Wälder, Bäche, usw. bei der Spurbenennung.
Hindernisse im Lenksystem hinterlegen
Auch Hindernisse, wie Schächte, Wassergräben oder Strommasten sollten im Lenksystem hinterlegt werden.
Vier Möglichkeiten, Feldgrenzen fürs Lenksystem zu erstellen
1. Umfahren des Feldes mit dem Traktor Dabei wird das Feld einmal mit dem Traktor umfahren und dabei die Feldgrenze abgespeichert. Der Vorteil des Umfahren des Feldes liegt in der Erfassung der effektiv bearbeitbaren Fläche, die Methode ist relativ einfach. Nachteilig ist das eigentliche Befahren des Feldes, zudem wird nur die Ist-Situation des Feldes aufgenommen. 2. Einmessen mittels GNSS-Ver-messungsstabs (GNSS steht für das globale Satellitennavigationssystem). In der Umgangssprache wird oft der Begriff GPS genutzt. (GPS ist das amerikanische Mess-system zur Positionsbestimmung.) Dabei wird anstelle des Umfahren des Feldes mit dem Traktor, der Umriss des Feldes mit einem GNSS-Empfänger auf einem Vermessungsstab eingemessen. Allgemein ist dieses Verfahren relativ kompliziert und erfordert spezialisierte Software-Kenntnisse. 3. Verwendung von VermessungsdatenHierbei wird auf die Vermessungs-daten der Kantone oder des Bundes zurückgegriffen. Der grosse Vorteil dieser Variante liegt in der Möglichkeit, die Felder zu optimieren. Nachteilig bei dieser Variante sind die erforderlichen Kenntnisse eines GIS-Programms und der Aufwand, bis die Felder und Spurlinien fertig geplant sind. 4. Einzeichnen der Feldgrenze in LuftbilderLuftbilder werden bei vielen Farm-Management-Informationssystemen als Hintergrund angezeigt. In diesen Programmen lassen sich auch Felder einzeichnen und später ins Lenksystem übertragen. Der Vorteil dieser Variante ist das Erkennen der einzelnen Felder, wenn eine Parzelle in mehrere Bewirtschaftungs-einheiten unterteilt wurde. Nachteilig ist die Ungenauigkeit bei einem normalen Luftbild oder der Aufwand fürs Erstellen eines Drohnenbildes. Egal, welche Variante für die Erfassung der Feldgrenze gewählt wird, eine einmalige seriöse Erstellung zahlt sich für den späteren Einsatz aus.

