Ein Jahrhundert Landtechnik bedeutet vor allem eines: technischen Wandel. Was 1926 als reiner Traktorenverband begann, ist heute die Kommission Landtechnik Thurgau innerhalb des Verbands Thurgauer Landwirtschaft. Geblieben ist über all die Jahre die Aufgabe, die Landwirtschaft mit technischen Entwicklungen zu unterstützen und den Betrieben die Arbeit zu erleichtern.
Zum Jubiläum wurde entsprechend gross aufgefahren. Auf dem Areal der Zuckerfabrik Frauenfeld waren historische und aktuelle Nutzfahrzeuge zu sehen. Informationsstände, Vorführungen und verschiedene Mitmachangebote machten die Entwicklung der vergangenen 100 Jahre erlebbar. Wer wollte, konnte die Maschinen nicht nur anschauen, sondern auch selbst ausprobieren. Auch Ständerat Jakob Stark und Regierungsrat Dominik Diezi versuchten sich unter Anleitung am Traktorensteuer.
Vom Traktor zu GPS
Die technischen Sprünge seit der Gründung sind beträchtlich. War der Traktor einst selbst eine revolutionäre Neuerung, bestimmen heute digitale Systeme den Alltag vieler Betriebe. Automatische Lenksysteme, GPS und Sensoren gehören zunehmend zur modernen Landwirtschaft. Teilweise sind bereits Maschinen im Einsatz, die bestimmte Arbeiten weitgehend selbstständig erledigen können.
Für Rolf Kuhn, Präsident von Landtechnik Thurgau, ist der technische Fortschritt allerdings kein Selbstzweck. Entscheidend sei, ob eine Neuerung im konkreten Betrieb einen Nutzen bringe. «Früher war der Traktor selbst die grosse Neuerung. Heute sprechen wir über GPS, automatische Lenksysteme, Sensorik und teilweise bereits über autonome Maschinen», sagte Kuhn beim Festakt.
Eine Maschine müsse zum Betrieb passen, wirtschaftlich sein und die Arbeit tatsächlich erleichtern. Ebenso wichtig sei ihre Zuverlässigkeit. Gerade in der Landwirtschaft könne man sich technische Ausfälle nur bedingt leisten. «Wenn das Wetter passt, dann muss die Arbeit gemacht werden», so Kuhn.
Neue Technik kann auch verunsichern
Dass technischer Wandel nicht immer nur Begeisterung auslöst, thematisierte auch der Thurgauer Grossratspräsident Felix Meier. Neue Entwicklungen könnten zunächst Ängste und Unsicherheit auslösen. Landtechnik Thurgau habe deshalb seit seiner Gründung auch eine Vermittlerrolle übernommen.
«Neuerungen sind immer schwierig und machen Angst», sagte Meier. Die Organisation habe aber schon vor 100 Jahren dazu beigetragen, diese Vorbehalte abzubauen und neue technische Möglichkeiten für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Damit leiste sie auch einen Beitrag zur Produktions- und Ernährungssicherheit.
Mehr als Maschinen und Traktoren
Wie breit die Arbeit der Organisation heute aufgestellt ist, zeigte die Würdigung von Roman Engeler, Direktor von Landtechnik Schweiz. Die Thurgauer Sektion gehört seinen Angaben zufolge zu den aktiveren innerhalb der schweizerischen Organisation. Neben Kursen und Fachveranstaltungen gehören etwa Spritzentests, Inventarschätzungen und die Interessenvertretung zu ihren Aufgaben.
Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, welche Maschine künftig auf dem Feld eingesetzt wird. Fragen zu Kosten, Effizienz, Arbeitsaufwand und neuen gesetzlichen Anforderungen spielen ebenso eine Rolle. Technische Lösungen müssen sich deshalb nicht nur bewähren, sondern auch wirtschaftlich in die Betriebe passen.
Das Jubiläum in Frauenfeld war damit zugleich ein Blick zurück und nach vorn: auf 100 Jahre, in denen sich die Landwirtschaft durch technische Neuerungen stark verändert hat – und auf eine Zukunft, in der Digitalisierung und Automatisierung eine noch grössere Rolle spielen dürften.


