Anstelle des physischen Austausches nach der GV gab es dieses Jahr einen Online-Informationsanlass von der Verbandsspitze. Das Co-Präsidium des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL), Maja Grunder und Daniel Vetterli, informierten am 23. April über Aktuelles aus dem Verband und der Thurgauer Landwirtschaft.

Die Co-Präsidenten des VTL: Daniel Vetterli und Maja Grunder. (Bild sgi)
Plakatierung ab dem 2. Mai
Maja Grunder stellte die nächsten Schritte der Kampagne gegen die Pflanzenschutz-Initiativen vor. Am 1. Mai findet die Verteilaktion der Abstimmungsplakate dezentral auf fünf Betrieben im Kanton statt. Und zwar bei
- Thomas Heusser, Uesslingen-Buch
- Jürg Fatzer, Neukirch (Egnach)
- Josias Meili, Eschlikon
- Harald Jöhr, Weinfelden
- Jürg Roth-Meyer, Altnau
«Bereits am 2. Mai sollen an allen Strassen Plakate stehen», fordert Grunder, «wobei die roten 2 × Nein Fahnen bis am 13. Juni hängen bleiben.»
Kantonaler Aktionstag am 8. Mai
Am 8. Mai findet ein kantonaler Aktionstag statt, mit offenen Hoftüren und Obstgärten sowie Verteilaktionen an Velowegen, öffentlichen Parkplätzen, Bahnhöfen usw. Die Organisation läuft über die Agroberatungsvereine, Obstbauringe und Landfrauenvereine. «Wir müssen an diesem 8. Mai maximale Präsenz zeigen. Es liegt an uns Bäuerinnen und Bauern, über die Folgen der extremen Initiativen aufzuklären», hielt Grunder fest.
Der Schleppschlauch bleibt umstritten
Ein Thema, das in den vergangenen Wochen hohe Wellen geworfen hat, ist der Massnahmenplan Ammoniak. Dazu äusserte sich Daniel Vetterli, der nebst VTL-Co-Präsident auch Präsident der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) ist. Vetterli hatte nichts Neues zu berichten, erläuterte aber noch einmal die strittigen Punkte und wie es dazu gekommen ist. Der Massnahmenplan Ammoniak wird vom Amt für Umwelt ausgearbeitet. Durch den Einbezug der Branche konnte das ursprüngliche Ziel von 30 Prozent weniger Ammoniakemissionen bis 2030 (Referenzjahr 2015) auf mindestens 18 Prozent gesenkt werden.
«Fakt ist, dass der tierintensive Kanton Thurgau die Ammoniakemissionen stark reduzieren muss. Und der Schleppschlauch trägt mit 6 bis 8 Prozent wesentlich dazu bei, dass dieses Ziel erreicht wird», verteidigte Vetterli die Schleppschlauchpflicht, die derzeit die Gemüter erhitzt. Vetterli betonte, dass man sich dezidiert dafür einsetze, dass die Bauern eine Frist erhalten, die es ihnen erlaubt, sich vertieft mit der Thematik, der Umsetzung auf dem Betrieb und der Anschaffung der Technik auseinanderzusetzen. Der 1. Januar 2022 ist in seinen Augen nicht realistisch.

Der Schleppschlauch ist ab dem 1. Januar 2022 im Thurgau obligatorisch. (Bild BauZ)
Rindvieh gleich mehrfach betroffen
Bei den baulichen Massnahmen müsse jede Tiergattung einen Beitrag leisten, fuhr Daniel Vetterli fort. In der Projektgruppe sind daher auch Vertreter aller Tiergattungen mit dabei. Ein strittiger Punkt ist die Senkung des Milchharnstoffwertes um 2 mg/dl Milch. Damit sollen die Ammoniakemissionen um 2,5 Prozent gesenkt werden. «Hier engagieren sich TMP und BBZ Arenenberg, dass es für die Milchbauern eine gescheite, umsetzbare Lösung gibt», informierte Vetterli.
Bei den baulichen Massnahmen im Rindviehbereich stellt er fest, dass die Bauern vor allem mit den 3 Prozent Gefälle bei den Laufflächen Mühe haben. Harnsammelrinne und erhöhte Fressplätze sind weitestgehend unbestritten. «Der TMP setzt sich für die Zulassung von Saugrobotern ein und macht Druck bei der Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT), damit dessen Wirkung wissenschaftlich geprüft wird.» Auch bei der Gülleansäuerung und der Wirkung von Güllezusatzstoffen erwartet der Vetterli richtige Untersuchungen, um zu wissen, welche Wirkung sie zur Ammoniakreduktion haben.
Kaskadensystem bei Veterinäramts-Kontrollen
Daniel Vetterli informierte des Weitern über Themen, die den VTL auf kantonaler Ebene beschäftigen. Änderungen gab es beim Amt für Veterinärwesen, personell wie auch organisatorisch. Vetterli hob hervor: «Die Blaue Kontrolle macht in Zukunft das Veterinäramt, d.h. ausgebildete Kontrolleure vom Veterinäramt besuchen die Betriebe.» 40 Prozent dieser Besuche sind unangemeldet, «daran müssen wir uns gewöhnen».
Bei Verstössen gibt es im Thurgau in Zukunft ein Kaskadensystem: Von Verwarnung bei leichten Verstösse bis zu Tierhalteverbot. Vetterli erklärte: «Wenn das Veterinäramt den Eindruck hat, es braucht einfach ein wenig Zeit, um die Tierhaltung wieder auf die Reihe zu bringen, wird eine Begleitgruppe einberufen. Darin involviert sind das Veterinäramt, die politische Gemeinde und der VTL.» Vetterli verspricht sich von all dem eine verbesserte Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt.
Gute Beteiligung an Ressourcenprojekten
Besonders stolz ist Vetterli auf die im Kanton laufenden Projekte wie Aquasan, Pflopf oder 3V. «Die Bauern machen engagiert bei den Ressourcenprojekten mit. Das zeigt, dass sich die Landwirtschaft sehr wohl bewegt.» Er könnte sich sogar vorstellen, dass man mit den betrieblichen Massnahmen, die im Rahmen des 3V-Projekts eingeleitet werden, einen Massnahmenplan Ammoniak ablösen könnte.
Beschlüsse der GV
Am Morgen des 23. Aprils fand auf der Geschäftsstelle des VTL in Weinfelden die Jahresversammlung ohne Anwesenheit der Stimmberechtigten statt. Diese hatten die Möglichkeit, wie schon im letzten Jahr, schriftlich über die Geschäften abzustimmen. Insgesamt wurden gemäss Mitteilung des VTL 436 gültige Stimmen eingereicht, welche im Beisein einer Vertreterin der gewählten Revisionsstelle ausgezählt wurden. Alle ordentlichen Traktanden wurden von einer grossen Mehrheit gutgeheissen und genehmigt. Weitere Anträge sind keine eingegangen, vermeldet die Geschäftsstelle.

