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So viel kostet das Güllen wirklich

Das Luzerner Berufsbildungszentrum ging mithilfe von 73 Praxisbetrieben den Kosten der Gülleausbringung auf die Spur. Es stellte sich heraus, dass die Verschlauchung günstiger ist als das Fass.

Wie viel kostet ein Kubikmeter Gülle auf dem Feld verteilt? Gülle ist im ersten Augenblick ein «Gratis»-Dünger, der bei der Tierhaltung anfällt. Sobald die Sammlung und anschliessende Lagerung von Kot, Harn und Einstreue beginnt, fallen Kosten an. Diese Kosten summieren sich im Laufe der Zeit mit weiteren, welche durch die Verarbeitungsschritte Homogenisieren, Transportieren und Verteilen auf dem Feld anfallen. Wie hoch die Kosten schlussendlich pro Kubikmeter sind, hängt zu einem wesentlichen Teil vom Hofdüngermanagement ab.

Ganze Kette berücksichtigt

Die Lernenden des 3. Lehrjahres des BBZN Hohenrain und der Betriebsleiterschule (BLS 1) wollten es genau wissen und haben im Rahmen des Fachs «Mechanisierungskosten berechnen und Verfahren vergleichen» die Verfahrenskosten der Gülleausbringung ihrer Heim- oder Lehrbetriebe zusammengetragen. Bei den Berechnungen wurden die Kosten für Homogenisieren, Transportieren und Verteilen berücksichtigt. Die Berechnungen basieren auf der Publikation «Maschinenkosten 2020» von Christian Gazzarin. Für den Anschaffungspreis und die jährliche Auslastung der Maschinenhaben die Lernenden betriebsspezifische Anpassungen vorgenommen.

Für bereits abgeschriebene Maschinen, welche in grosser Zahl auf den Betrieben vorhanden sind, wurden Abschreibung und Kapitalzins weggelassen. Im Gegenzug wurde aber der Reparatur- und Unterhaltsfaktor angemessen erhöht.

Mehr Menge im Tal

Damit die Lernenden die Kosten der Gülleausbringung ihrer Heim- oder Lehrbetriebe vergleichen und interpretieren konnten, wurden die eingereichten Datensätze der 73 Betriebe im Anschluss ausgewertet und es zeigten sich folgende Ergebnisse: Von den 73 Betrieben lagen 51 % in der Tal-, 19 % in der Hügel- und 30 % in der Bergzone. Die Betriebein der Tal- und Hügelzone unterschieden sich mit rund 28 ha LN, 30 % offener Ackerfläche, 9,2 % Biodiversitätsförderflächen (BFF) und 2,6 DGVE/ha nicht stark voneinander. In der Bergzone bewirtschaften die Betriebe rund 19 ha LN, davon 11,8 % BFF und 1,8 DGVE/ha und wiesen grundsätzlich keinen Ackerbau auf. Der durchschnittliche jährliche Gülleanfall beträgt in der Talzone 2570 m3, in der Hügelzone 2250 m3 und in der Bergzone 1350 m3.

Auf über 80 % aller Betriebe ist die Verschlauchung die zentrale Ausbringmethode. Bezüglich dem Verteilungssystem zeigen sich je nach Topgrafie grosse Unterschiede. So werden im Tal rund zwei Drittel, im Hügelgebiet sogar über 80 % der Gülle mittels Schleppschlauchverteiler ausgebracht. In der Bergzone fallen über 86 % auf den Breitverteiler. Dieser hohe Anteil steht im direkten Zusammenhang mit dem kupierten Gelände und den Steilflächen im Berggebiet. Solche Flächen können kaum mit einem Schleppschlauchverteiler begüllt werden. Andere emissionsarme Ausbringverfahren, wie der Schleppschuhverteiler, wurden auf keinem Betrieb eingesetzt.

Auch Arbeit kostet

Massgebend für die grossen Unterschiede der Ausbringkosten pro Kubikmeter Gülle sind die Anzahl Gülleeinsätze pro Jahr und die daraus resultierenden Vor- und Nachbereitungszeiten. Diese betragen laut Selbstdeklaration der Lernenden pro Gülleeinsatz bei der Verschlauchung 1¼ Stunden und beim Einsatz des Güllefasses eine halbe Stunde. Überraschenderweise sind die Anzahl Gülleeinsätze pro Jahr nicht wesentlich verschieden, ob durchschnittlich 2000 oder 4000 m3 Gülle ausgebracht werden, nämlich 17- bzw. 18-mal. Erst bei einer jährlichen Güllemenge von durchschnittlich 750 m3 sinkt der Wert auf 13-mal pro Jahr. Wesentliche Unterschiede zwischen der Tal-, Hügel- und Bergzonen sind bei diesen Aspekten keine ersichtlich.

Auf 55 % der Betriebe sind Bodenleitungen verbaut. Die mittlere Ausbringleistung liegt über alle Zonen bei durchschnittlich 50 m3 pro Stunde. Die mittlere Pumpdistanz liegt bei der Verschlauchung in der Talzone bei 550 m, in der Hügelzone bei 380 m und in der Bergzone bei 340 m. Bei der Gülleausbringung mittels Fass muss eine mittlere Wegstrecke von durchschnittlich 1,9 km in allen Zonen zurückgelegt werden. Dabei wird in der Tal- und Hügelzone 21 m3 pro Stunde und in der Bergzone 16 m3 pro Stunde ausgebracht. In der Tal- und Hügelzone kommt dabei ein Güllefass mit einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von 6 m3 und in der Bergzone mit 4 m3 zum Einsatz.

Verschlauchung ist günstiger

Über alle 73 ausgewerteten Betriebe gesehen kostet die Ausbringung mittels Verschlauchung Fr. 4.62/m3 und liegt somit um Fr. 1.27/m3 tiefer als beim Güllefass. Das Güllefass mit Schleppschlauchverteiler ist in der Anschaffung ähnlich teuer wie eine Ausrüstung zum Verschlauchen mit Pumpe, PVC-Schläuchen auf Dreipunkthaspel und Schleppschlauchverteiler. Die Ausbringleistung ist jedoch bei der Verschlauchung höher. Dies überträgt sich auf die Ausbringkosten pro m3. Konsequenterweise wird das Güllefass heute vielfach nur auf hoffernen Parzellen eingesetzt.

Vom Tal- über die Hügel- bis hin zur Bergzone nehmen die Verfahrenskosten pro Kubikmeter Gülle zu. Dies ist in erster Linie auf die geringere jährliche Güllemenge zurückzuführen, welche in der Hügelzone um 12,5 % und in der Bergzone um 47,5 % tiefer liegt als im Tal. Der überwiegende Anteil an Breitverteiler im Berggebiet verhindert, dass die Kosten noch höher ausfallen.

Werden pro Jahr nur durchschnittlich 770 m3 verschlaucht, liegen die Verfahrenskosten um Fr. 1.60/m3 höher als bei einer Menge von 4120 m3. Beim Güllefass sind die Tendenzen gleich, die Unterschiede gegenüber der Verschlauchung jedoch weniger gross.

Bis zu 20 000 Franken

Beim einzelbetrieblichen Vergleich in derselben Zone sind Unterschiede von bis zu Fr. 10.– pro m3 von den tiefsten zu den höchsten Verfahrenskosten auszumachen. Bei einer jährlichen Ausbringmenge von 2000 m3 ergibt dies einen Betrag von bis zu Fr. 20 000.–. Dieser Betrag liesse sich auf Betrieben im höheren Kostenbereich zumindest teilweise einsparen. Die Betriebe mit den tiefsten Verfahrenskosten beim Verfahren Verschlauchung zeichnen sich durch folgende Aspekte aus:

  • Gülletechnik zusammen mit Nachbarn in einer Maschinengemeinschaft genutzt
  • Elektroschneckenpumpe eingesetzt
  • Bodenleitungen vorhanden
  • Verteilung der Gülle im Lohn ab Güllestöckli

Abgeschriebene, gut unterhaltene Maschinen arbeiten ebenfalls sehr kostengünstig, solange sie zuverlässig sind und die Reparaturkosten nicht überborden. Zudem soll bei Ersatzinvestitionen immer auch ein Blick auf den Occasionenmarkt geworfen werden. Dies vor allem auf Betrieben, welche nicht auf ihre eigene Mechanisierung verzichten möchten, die Betriebsleiterin ein Flair für Technik hat und die eine nur unterdurchschnittliche Auslastungen der Technik erreichen.

Literatur: Christian Gazzarin, Maschinenkosten 2020. Agroscope Transfer 347, Tänikon-Ettenhausen