Dank einer historischen Einfach-Gattersäge und ihrem Säger läuft in der Gemeinde Tenna im bündnerischen Safiental ein uraltes System in der lokalen Holzverarbeitungskette wie am Schnürchen. Mit ihren modernen Transportmaschinen liefern die Bauern gefällte Stämme und Sturmholz auf den Lagerplatz. Der Bauer Lieni Joos sägt nach deren Wünschen Bretter und Balken für Haussanierungen, Stallbauten, Anbauten oder Zäune. Sind die Stämme gesägt, wird das Schnittgut umgehend abgeholt. Joos organisiert den Betrieb und führt die Betriebsrechnung.
Arbeit wird geschätzt
Diese zuverlässige Arbeit wird von den Bauern in Tenna geschätzt. Der Sägerlohn ist bescheiden, die Transportwege kurz, der Nutzen gross. Die Holzlieferanten sind teilweise Enkel und Urenkel der Gründergeneration. Beim Sonntagsspaziergang mit seiner Frau Ursulina kann Lieni Joos mit Genugtuung feststellen, wo seine Arbeit Spuren hinterlassen hat. Joos wurde vor 57 Jahren von seinem Vater in die Sägereiarbeiten eingeführt. Mit einigen kurzen und längeren Unterbrüchen bedient er die Säge bis auf den heutigen Tag. Sie ist ihm ans Herz gewachsen, ist Teil seines Lebens. Er hat die Geschichte der Anlage in einer Broschüre dokumentiert. Diese dient auch als Quelle für diesen Artikel.
Es begann mit einer Feuersbrunst
Am Anfang der Geschichte der Säge stand eine Feuersbrunst: Im Januar 1929 brannte das Heimwesen einer Bauernfamilie vollständig nieder. Das nahm der betroffene Bauer zum Anlass, nahe bei der Baustelle eine transportable Bergsäge zu installieren. Mit Hilfe von Verwandten und Nachbarn kam es zur Umsetzung dieser Idee. Die Säge leistete gute Dienste und es fand sich bald danach ein Grundstück, um das Sägereigebäude, so wie es heute noch steht, zu errichten. Dieses Projekt wurde von acht Konsortiumsmitgliedern zügig an die Hand genommen. Auf dem erworbenen Grundstück konnten der Riegelbau gebaut und die Schienen für den zweiachsigen Rollwagen verlegt werden. Auch Platz für die Anlieferung von Stämmen, geschnittenem Holz sowie Abfallholz ist vorhanden. 1933 wurde die Säge im neuen Gebäude in Betrieb genommen.
Umwandlung in einen Verein
1976 wurde die Anschaffung einer bereits recht alten, jedoch noch gut erhaltenen Säge aus dem Toggenburg beschlossen. Es handelt sich um eine historische Holz-Gattersäge mit einem Sägeblatt. Der elektrische Antrieb erfolgt durch Lederriemen über die mittlere Welle auf die Sägegatter-Schwungradwelle. Die Verbesserung bei der Wagenfräse mit dem Kauf eines 5,5-PS-Tischfräsenmotors erhöht die Arbeitsleistung. Finanzierung, Transporte, Installationen, Pflege, Unterhalt und einfachere Reparaturen sind Sache der acht Konsortiumsmitglieder. Daran hat die spätere Umwandlung in den Sägeverein Tenna nichts verändert. Der Verkauf der Sägerei an die Gemeinde für eine öffentliche Verwertung des Grundstücks kam bis heute nicht in Frage.
Ohne Handarbeit geht gar nichts
Oft schon ist der Rolli beim Beladen eines schweren, krummen Stamms einseitig aus der Gleitschiene gesprungen. Bei tiefen Temperaturen entsteht Reif an den Rädern und Schiebstoppklötzen beim Vorschubsystem. Wenn knarrende, abwürgende Geräusche zu hören sind, befinden sich Nägel oder eingewachsene Steine im Holz. Das Reissen eines Treibriemens kommt dann und wann vor. Wenn Lieni Joos unliebsame Überraschungen erlebt, sinkt seine Sägerlaune ins Minus. Die Freude ist jedoch gross, wenn das Problem behoben ist und die Säge wieder funktioniert, was das regelmässig stampfende Geräusch des Gatters anzeigt. Handarbeit mit Spitzhaken, Kehrhaken, Feile oder Schneeschaufel ist unerlässlich.

