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Mit robuster und schlagkräftiger Technik die Maschinenkosten im Griff haben

Werner Gysel führt in Wilchingen SH einen Landwirtschaftsbetrieb und ein Lohnunternehmen. Um die Maschinenkosten im Griff zu haben, achtet er auf eine hohe Schlagkraft und unkomplizierte Technik.

Kurz & bündig

  • Leistung und Einfachheit sind für Werner Gysel wichtiger als Hightech.
  • Kostendruck verlangt mehr Effizienz und Planung.
  • Gebrauchte Maschinen sind oft wirtschaftlicher.
  • Eigenreparaturen senken die Betriebskosten.

Werner Gysel aus Wilchingen im Klettgau SH arbeitet als Landwirt und Lohnunternehmer. Er hat eine klare Haltung zur Mechanisierung: «Für mich zählen bei einer Maschine die Leistung und ein möglichst einfacher und robuster Aufbau. Leistung und einfache Bedienung sind mir wichtiger als eine maximale Hightech-Ausstattung. Die Schweizer Betriebe sind im internationalen Vergleich zwar sehr klein strukturiert, dennoch müssen Maschinen leistungsfähig sein, da die Arbeitsbedingungen gerade bei uns schwierig sind und die Arbeitszeit und die Betriebskosten stetig steigen», sagt Gysel. Das zeigt sich beispielsweise während der Getreideernte, wo sich die Erntezeitpunkte der verschiedenen Kulturen heute stark überschneiden und zusätzlich die Erntefenster immer enger werden.  

Der Druck auf die Leistung wächst

Nach grossen Entwicklungsschritten vor rund 30 Jahren habe sich die Grundtechnik der Mechanisierung in den vergangenen Jahren jedoch nur noch wenig verändert. Den nächsten bedeutenden Technologiesprung erwartet Werner Gysel mit künstlicher Intelligenz und der zunehmenden Digitalisierung.

Dennoch seien die Anforderungen an die Landwirtschaft stetig gestiegen. Neben höheren Ansprüchen würden auch klimatische Extreme die Betriebe zunehmend fordern. Wer keine interessante Nische gefunden habe, müsse steigende Kosten über Wachstum, Effizienzsteigerungen und bessere Erträge auffangen.

Besonders spürbar sei der Kostendruck im Lohnunternehmergeschäft. Während ein Drescher früher deutlich häufiger ersetzt worden sei, müsse er heute rund 20 Jahre halten. Zusätzlich belasteten hohe Diesel- und Lohnkosten. Tariferhöhungen seien jedoch kaum möglich, da auch die Produzentenpreise stagnierten.

Werner Gysel arbeitet mit Sechs-Schüttler-Mähdreschern von Deutz-Fahr, die er als robuste, leistungsstarke und gut reparierbare Technik beschreibt.(Bild: Werner Gysel)

Eine weitere Herausforderung seien die kleinen Schlaggrössen in der Schweiz. Damit moderne Technik wirtschaftlich eingesetzt werden könne, brauche es eine präzise Planung. «Das gilt nicht nur beim Dreschen, sondern auch bei der Bodenbearbeitung oder bei Säarbeiten, wo die Rüstzeiten hoch sind», gibt Gysel zu bedenken.

Gebrauchte Technik und genaue Kostenrechnung

Die teure Landtechnik muss also auf kleinflächigen Strukturen und gesamthaft wenigen Hektaren rentabel sein. Deshalb setzt Werner Gysel häufig auf gebrauchte Maschinen. Im Jahr 2013 hat er das letzte Mal einen neuen Traktor gekauft. Entscheidend sei nicht die Marke, sondern das Produkt, das zum Betrieb passen muss.

Dabei rechnet er sehr direkt: Er betrachtet den Traktor oder den Mähdrescher nicht nur über die Anschaffungskosten, sondern über die gesamte Nutzungsdauer. «Für mich ist es interessanter, einen gebrauchten Traktor für 80 000 Franken zu kaufen und möglicherweise einiges in Reparaturen zu investieren, als neu 170 000 Franken zu bezahlen, um die gleiche Arbeit zu erledigen. An älteren Traktoren hat man grundsätzlich eher weniger Störungen, weil weniger Sensoren und Baugruppen verbaut sind. Gebrauchte Technik muss aber bewährt und grundsolide sein», sagt Gysel.

Reparaturen grösstenteils selber erledigen

Ein zentraler Punkt der Philosophie von Werner Gysel ist die Reparaturfähigkeit. «Ich kaufe Technik, die ich zum grössten Teil selber reparieren kann.» Damit die Wirtschaftlichkeit erhalten bleibt, werden fast alle Geräte selber gewartet und repariert. Die Werkstatt ist bei ihm ein wichtiger Teil des Betriebs, damit er seine Philosophie auch tatsächlich umsetzen kann.

Moderne Technik wie diesen Düngerstreuer mit Arbeitsbreiten- und Mengensteuerung setzt Werner Gysel dort ein, wo ein klarer Nutzen entsteht.(Bild: Beat Schmid)

Dabei muss er nicht jede Maschine bis ins Detail kennen und betont, dass Unterstützung durch Spezialisten wichtig bleibt, etwa für Ersatzteile oder komplexe Fälle.

Gysel ist sich bewusst: «Störungen kann es immer geben, egal, wie alt ein Gerät ist, damit muss man leben und es darf einen auch nicht aus der Fassung bringen.»

Mit genügend Maschinen im Betrieb kann ein Ausfall sofort ausgeglichen und später repariert werden. Werner Gysel stellt sogar fest, dass sich mit den Jahren eine gewisse Übermechanisierung eingeschlichen habe: «Bei Ausfällen, Wetterkapriolen oder besonderen Aufgaben hat das uns aber schon entscheidend weitergeholfen. Zudem bringt es auch Lebensqualität, da es viel Druck nimmt.»

Leistung auf dem Feld kommt vor Komfort

Bei der Ausstattung der Maschinen setzt Gysel, wie erwähnt, klare Prioritäten. «Beim Traktor brauche ich ein stufenloses Getriebe, eine gute Hydraulikanlage und einen starken Motor. Eine RTK-Spurführung oder umfangreiche Programmierfunktionen sehe ich aber für Spezialarbeiten. Der Fahrer muss ja sowieso da sein, und bis bei manchen Fabrikaten auf dem Monitor alles eingestellt ist, haben wir mit unserer einfachen Technik die halbe Arbeit schon erledigt.»

Wie erwähnt, setzt Gysel lieber auf Leistungsreserven als auf Maschinen, die am Anschlag laufen. Bei den Mähdreschern zeigt sich diese Haltung besonders deutlich:

Eigentlich würden drei der fünf Mähdrescher ausreichen. Einen behält Gysel bewusst auf Reserve, um bei Auftragsspitzen einzugreifen. Ein weiterer Mähdrescher macht während der Weizenernte nur Raps. Das wurde nötig, weil der Raps und der Weizen seit mehreren Jahren zeitgleich abreifen. «Dadurch hat sich die Auslastung pro Maschine deutlich reduziert. Wegen der ausdrücklich gewünschten Termintreue und der kurzen Ernte ist die Auslastung der Maschinen in den letzten 20 Jahren erheblich gesunken.»

Mähdrescher als robuste Arbeitsgeräte

Gysel arbeitet ausschliesslich mit Sechs-Schüttler-Mähdreschern von Deutz-Fahr, die er als robuste, leistungsstarke und gut reparierbare Technik beschreibt. «Ertragserfassung und Feuchtigkeitsmessung haben die Maschinen nicht. Jeder Acker ist anders und auf seine Art schwierig, wodurch die Erfahrung des Fahrers viel zählt.»

Bei den Dreschern sind alle Maschinen bis auf eine neu gekauft. «Das Dreschen ist bei uns stark umkämpft und lässt keine Kompromisse zu.» Ein grosser Vorteil ist, dass rund 90 Prozent aller Teile an den fünf Mähdreschern identisch sind. So kann ein solider Stock an Ersatzteilen gehalten werden.

Langlebigkeit statt schneller Ersatz

Maschinen werden bei Gysel bewusst lange genutzt. Wichtig seien eine gute Pflege, ein sorgfältiger Umgang und ein trockener Abstellplatz für eine lange Nutzungsdauer. Bei ihm sind die Fettpresse und die Luftlanze die am häufigsten genutzten Geräte im Betrieb. Bei der Wartung erkennt er zudem mögliche Störungen rechtzeitig.

Ein wichtiges Argument für die Langlebigkeit ist, dass die Technik aus eigener Kraft finanzierbar bleiben muss. Bankkredite sollen sich auf grosse Investitionen wie Gebäude beschränken. Standardmaschinen müsse der Betrieb selbst tragen können. Diese Denkweise ist wichtig, um bei Investitionen eine langfristige Wirtschaftlichkeit zu erreichen. Diese ist jedoch auch nur zu erreichen, wenn die Kosten klar der Arbeit zugewiesen werden und man sich nicht durch «Sowieso-Rechnungen» blenden lässt. Werner Gysel weiss: Landwirte denken oft, der Traktor ist sowieso da, das Anbaugerät auch, und ich bin ja sowieso auch da. Also kostet alles nichts ausser den variablen Kosten.

Nicht nur Arbeit, sondern auch Einkommen

Für Werner Gysel ist die Mechanisierung ein Werkzeug für Arbeit und Einkommen. Nur eine vollständige Kalkulation führe zu richtigen Entscheidungen.

Man sollte sich nicht zu stark von Emotionen leiten lassen. «Aber auch bei mir hat das Bauchgefühl bei fast allen Investitionen einen höheren Stellenwert als der Taschenrechner.» Am Ende ist für Werner Gysel aber klar: «Es ist nicht die Farbe des Traktors entscheidend, ob ein Betrieb Erfolg hat oder nicht, sondern viel mehr der Unternehmergeist, der Mut und der Einsatzwille des Betriebsleiters.»

Betriebsspiegel der Familie Gysel

Werner Gysel, Wilchingen SH

LN: 50 ha

Kulturen: Getreide, Gras und Klee als Saatgut, Mais, Zuckerrüben, Sonnenblumen, 20 ha Naturwiesen

Tierbestand: 300 Mastmuni- und Rindermastplätze

Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen

Arbeitskräfte: Werner und Partnerin Nadine, Sohn, Mitarbeiter, Lehrling, Eltern, Aushilfen

www.farmer.ch

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