Heute scheint die Sonne nur drinnen. Vor der Tür trister Vorfrühling – grauer Himmel über grau-braunen Feldern.
Immerhin, in Urs Bryners «Sonnelädeli» in Othmarsingen AG findet sich Grün. Das letzte Wintergemüse wartet auf Kundschaft: Nüsslisalat, Wirz, Sellerie, Rotkabis; dazu aber auch schon erste Radiesli, Lauch, Kopfsalat. Ausserdem Kartoffeln, Süssmost und Eier.
Bryners «Sonnelädeli» kennt keinen normalen Ladenschluss; Kässeli und Kamera ermöglichen Einkauf von morgens um sieben bis abends um 20 Uhr, ohne dass der Chef sich hinter die Theke stellen müsste. Funktioniert das? «Viel besser, als man erwarten würde», sagt Bryner.
Im Gemüsebau entpuppen sich Pick-ups als Allzweckgeräte, die allen Ladeaufgaben genügen
Gut so, denn Zeit hätte er kaum für das Kaufmannsdasein. Jetzt ist Hochzeit im Gemüseanbau; Bryners Mitarbeiter setzen heute Zwiebeln und andere Gemüse auf dem Feld gleich neben den geräumigen Scheunen.
Knochenarbeit in gebückter Haltung, auch wenn sie vom Traktor langsam über die Krume chauffiert und die Kisten mit den Setzlingen per Toyota Hilux ans Feld geliefert werden. Pick-ups sind im Gemüseanbau wahre Allzweckgeräte – von Saatgut und Jungpflanzen bis zur Kiste erntefrischen Grüns genügt die Ladepritsche mit einer Tonne Nutzlast allen Ladeaufgaben. Sollte dem mal nicht so sein, liessen sich an den Toyotas Hilux bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast kuppeln. Das elektronische Stabilitätsprogramm wacht dann per gezieltem Bremseingriff auch stabilisierend über den Anhänger.
Damit die zarten Pflänzchen unversehrt bleiben, wäre auch zahlreiches Zubehör für die Ladefläche lieferbar; vom Hardtop über eine Alu-Rollabdeckung oder eine Alu-Auskleidung bis zum verschiebbaren Ladeboden. Beim Testwagen deckt eine solide wirkende Textil-Kunstleder-Abdeckung die Pritsche ab, die sich wie eine Plane aufrollen und per Gurten sichern lässt. «Ich würde eher offen fahren», sagt Bryner. Mit leichtem Gemüse liesse sich die Tragfähigkeit sonst kaum ausnutzen.
Die Seilwinde des Toyota Hilux ist eher für Waldarbeiten, reizt aber zum Herumspielen
Auch mit der zweiten Besonderheit des Testwagens könnte er im Betrieb wenig anfangen: Im Frontgrill verbirgt sich eine optionale Seilwinde des Zulieferers Warn, die mit einem per Bordnetz gespeisten 12-Volt-Antrieb bis zu 4,5 Tonnen Zugkraft entwickelt. Per kabelloser Fernbedienung lassen sich 30 Meter Seil auf- und abrollen – praktisch zum Ernten grosser Kürbisse, oder? «Eher was für Waldarbeiter», findet Bryner, obwohl die Winde ja schon zum Herumspielen reize.
Und irgendwie steht sie dem Auto auch. Toyotas Hilux gilt als der unverwüstliche Ur-Pick-up europäischen Zuschnitts und wird seit 50 Jahren in inzwischen achter Generation angeboten.
Vor allem die günstigen Versionen des mit drei Kabinen und drei Ladeflächenformaten lieferbaren Leichtlasters sind genau das: Eher karge Arbeitstiere, wobei das geerdete Einstiegsmodell Terra nicht nur auf ein Radio, sondern auch auf den zuschaltbaren Allradantrieb mit Geländereduktion verzichten muss. Wer nicht nur aufs Feld, sondern auch mit der Familie fährt und PW-Komfort sucht, sollte schon die sonnigeren Varianten Sol und Sol Premium in Betracht ziehen. Vor allem, da ab dem Niveau Sol Toyotas aktuelles Navi verbaut wird, dass auffallend schnell agiert und sich für einmal tatsächlich intuitiv bedienen lässt.
Der Pick-up ist auffällig leise, in der Allradversion unterstützen Fahrassistenten im Gelände
Zu Spitzenzeiten wie Pflanzung und Ernte arbeiten bis zu acht Mitarbeiter für Bryner. Neben dem Bedarf des «Sonnelädelis» produziert er jährlich rund 100 Tonnen Buschbohnen für einen Grossverteiler, ausserdem Grünspargeln, Weizen, Gerste, Zuckermais und Konservenerbsen.
Rund 57 Hektar Anbaufläche umfasst der Brynerhof – genug Auslauf für einen Pick-up. Auch zu fünft kämen Bryners Mitarbeiter dabei noch entspannt zur Arbeit, denn die hintere Sitzbank ist mit etwas mehr Bodenfreiheit als üblich montiert. Weshalb man weniger die Knie anwinkeln muss.
Im PW-Programm hat die Hybridmarke Toyota den Dieselmotor nahezu ausgemustert, aber im Hilux kommt auch sie nicht um ihn herum. Der 2,4-Liter-Vierzylinder wird in zwei Leistungsstufen von 150 und 170 PS angeboten. Der stärkere überzeugt vor allem im Zusammenspiel mit der Sechsstufen-Automatik mit seiner nahtlosen Kraftentfaltung. In den Allradversionen – also nahezu in allen – hilft ein Bergabfahrassistent im Gelände und hält das Auto ohne Zutun des Fahrers per Bremseingriff auf konstantem Tempo.
Wirklich überraschend ist aber das auffällig niedrige Geräuschniveau – so leise ist kaum ein anderer Pick-up unterwegs.
Weiterer Pluspunkt: das vertikal und in der Tiefe verstellbare Lenkrad – letzteres ist längst nicht selbstverständlich im Segment, ermöglicht aber eine optimale Sitzposition. Mit fast 2,2 Tonnen leer kann der Hilux allerdings nicht gerade als das Leichtgewicht in der Klasse der Eintönner-Pick-ups gelten. Dennoch liegt er im Verbrauch auf dem Papier auf einem Niveau mit leistungsmässig vergleichbarer Konkurrenz. Wohl auch der Stopp-Start-Automatik wegen, die leider nur in der Topversion am Rotlicht den Motor abstellt.
Die Zwiebeln sind gesetzt; daneben spriessen unter schützenden Folien schon kleine Salatköpfe. Bryner hat Zeitdruck; eigentlich muss um diese Jahreszeit alles gleichzeitig erledigt werden. Schliesslich sollen sich die leeren Gemüsekisten in den Schuppen in wenigen Wochen wieder füllen. Und damit auch die Regale im «Sonne-lädeli».
Pick-up Serie
Auf vielen Höfen ist ein Pick-up als «Zweit-Traktor» im Einsatz. «die grüne» testet die besten Pick-ups in der Praxis. Heft 02/2018: Renault Alaskan Heft 03/2018: GMC Sierra 1500 SLE Heft 04/2018: Isuzu D-Max Heft 08/2018: Fiat Fullback Heft 09/2018: SsangYong Musso Heft 10/2018: VW Amarok Heft 11/2018: Mercedes X Heft 12/2018: Nissan Navara Heft 01/2019: Ford Ranger Wildtrak Die letzte Folge: Heft 02/2019: Mitsubishi L200
Toyota Hilux 2,4 Sol Premium D-4D Double Cab Masse
5,33 m × 1,86 m × 1,82 m Ladefläche: 2,3 m2 Ladehöhe: 0,49 m Leergewicht: ab 2180 kg Antrieb R4-Turbodiesel, 2,4 Liter, 110 kW/150 PS oder 125 kW/170 PS, zuschaltbarer Allradantrieb, manuelles Sechsgang-Getriebe oder Sechsstufen-Automat. Ausstattung u.a. LED-Tagfahrlicht, Touchscreen- Navigation mit Smartphone-Einbindung, Klimaautomatik, Anhänger-Stabilisierung, Tempomat, Spurverlassens-Warner, Verkehrsschild-Erkennung, Ledersitze, 7 Airbags. Kosten und Verbrauch Basismodell Luna: ab 29 898 Fr. Topversion Sol Premium: ab 39 461 Fr. (beide exkl. MwSt.)Verbrauch 7,0 bis 7,7 l/100 km, CO2-Emissionen ab 185 bis 202 g/km www.dgrn.ch/toyota_hilux
Sicherheit: Die Elektronik passt auf
Noch vor zehn Jahren galten Pick-ups in puncto Sicherheit als Sorgenkinder: Crashtests ergaben damals, dass vor allem Kinder, aber auch die Frontpassagiere bei Unfällen deutlich höherem Verletzungsrisiko ausgesetzt waren als in Personenwagen. Aktuelle Pick-ups erzielen inzwischen bei Versuchen der Euro NCAP vier Sterne oder gar die Höchstnote von fünf Sternen – und das unter in den letzten zehn Jahren deutlich verschärften Anforderungen. Das elektronische Stabilitätsprogramm gehört längst zur Pflichausrüstung. Und neue, weicher gestaltete Fronten verbessern gleichzeitig den Fussgängerschutz. Ausserdem helfen Assistenzsysteme bei der Unfallvermeidung: Systeme wie der auch im Toyota Hilux angebotene Kollisionswarner überwachen per Radar und Kamera das Feld vor dem Fahrzeug, erkennen Fussgänger und warnen den Fahrer. Erfolgt keine Reaktion, veranlasst das System eine Vollbremsung.

