Pius Krummenacher aus Dietwil AG tüftelte an einer Dosierwalze, um damit Grassamen zu säen. Darüber baute er einen kleinen Saatgutkasten und schraubte das Ganze auf eine Ackerwalze. Damit wollte er auf einfache Weise Gras säen. Die Dosierwalze wurde elektrisch angetrieben und um die eingestellte Saatmenge einzuhalten, musste die Fahrgeschwindigkeit exakt eingehalten werden.
Ein kleines Gebläse, welches elektrisch angetrieben wird, bringt die Saat mit dem Luftstrom über acht Ausgänge durch Schläuche auf kleine Prallteller. Diese verteilen die Saat über die gesamte Arbeitsbreite.
Das funktionierte von Anfang an gut und Pius Krummenacher setzte diese einfache Sämaschine mit der raffinierten Dosierung und Verteilung 1986 im eigenen Lohnunternehmerbetrieb erfolgreich ein.
Im Jahr darauf mussten nach einem Jahrhundert-Unwetter im Urner Reusstal viele Flächen neu angesät werden. Pius Krummenacher half mit seiner neuen Maschine mit. Dabei bewährte sie sich besonders gut und durch Medienberichte wurden Landwirte in der ganzen Schweiz auf die neue Saattechnik aufmerksam. Er erhielt viele Bestellungen und baute kurzfristig eine Serienproduktion auf.
Eine neue Art der Dosierung
Eine Saatgutdosierung, wie sie Pius Krummenacher entwickelte, gab es zu jener Zeit noch nicht, das war etwas Neues. Heute ist das Krummenacher-Sägerät jedem Landwirt in der Schweiz ein Begriff und viele Betriebe haben Maschinen, die damit ausgerüstet sind.

Heute sind die Krummenacher-Sägeräte auf der ganzen Welt im Einsatz. Ein Händler in Neuseeland wird direkt beliefert, welcher damit Aufbauten an verschiedene Geräte macht. Nach Kanada und andere ferne Länder wird ebenfalls geliefert. Zudem beziehen namhafte Hersteller Säeinheiten bei Krummenacher und bauen sie auf ihre Maschinen, die weltweit vertrieben werden.
Marco Ruf ist zuständig für Konstruktion und Verkauf bei der Krummenacher Saattechnik AG. Er sagt, dass man die produzierte Gesamtzahl von Sägeräten nicht mehr vollständig nachvollziehen könne. Man gehe jedoch davon aus, dass weltweit jährlich rund eine Million Hektar damit gesät würden.

Beim Grassäen ist es nicht geblieben. «Heute können wir alles dosieren, was irgendwie rieselfähig ist», sagt Marco Ruf. Die jüngste Herausforderung war, eine Dosiereinheit für Tagetes zu entwickeln. Die sperrigen länglichen Blumensamen stellten eine besondere Herausforderung dar. Aber mit einem Spezialrührwerk und einer Dosierwalze wurde auch dies möglich. Insgesamt gibt es rund 15 verschiedene Säwalzen, die am Gerät eingesetzt werden können. Dabei sind Saatmengen zwischen 0,5 und 500 kg pro Hektare möglich.
Einsatz beim Futter- und Ackerbaubetrieb
Die Sägeräte sind bei Futterbau- wie auch bei Ackerbaubetrieben im Einsatz. Walzen, Eggen, Grubber usw. werden damit aufgerüstet. Zum Teil auch auf Mähdreschern für die Saat während dem Drusch. Regelmässig werden individuelle Sonderlösungen auf Kundenwunsch realisiert, wie beispielsweise ein Sägerät für Zwischenreihen im Obstbau.

Mit den Sägeräten können auch Dünger und Granulat dosiert werden, weshalb man die Geräte auch auf Säkombinationen nachrüsten kann. Hier gibt es seit 2018 auch Varianten mit dem Dosiertank am Frontanbau und Varianten, die mit einer Chromstahldosierung und einem Tankvolumen von bis zu 1500 Litern ausgerüstet sind.
Säkombination mit neu entwickeltem Scharbalken
Beim Dosieren allein ist es bei Krummenacher jedoch nicht geblieben. Es wurde auch ein Scharbalken entwickelt. Dieser kann mit Doppelscheiben- oder Messerscharen ausgestattet werden. Mit dem Scharbalken kann jede Kreiselegge zu einer Säkombination nachgerüstet werden. Als komplette Lösung bietet die Krummenacher Saattechnik AG das System mit einer Brevi-Kreiselegge an, welche sie selbst importiert. Mit einer solchen Maschine können sämtliche Saaten auf einem Betrieb gesät werden. Reihenkulturen wie Mais oder Sonnenblumen lassen sich mit Abständen von 75 und 50 Zentimeter einstellen. Bei Mais oder Raps sind auch Doppelreihen möglich.
Für die Dosierwalze, die ursprünglich mit einem einfachen Elektromotor betrieben wurde und bei der die Fahrgeschwindigkeit exakt eingehalten werden musste, wurden auch mechanische Antriebe mit einem Bodenrad entwickelt. Da passte sich die Drehzahl der Dosierwalze automatisch der Fahrgeschwindigkeit an. Als weitere Antriebslösung wurde ein vollelektronischer Sämaschinenantrieb mit dem Traktorfahrsignal angeboten. Mit der aktuell neusten Steuerung namens «Seed-Profi» lässt sich alles mit einem Terminal regeln, wie beispielsweise Fahrgassenschaltungen. Eine Steuerung über Isobus ist auch möglich. So kann beispielsweise auch mit einer Ausbringkarte gezielt dosiert werden.
«Bei der Elektronik gab es sehr grosse Entwicklungen», bestätigt Marco Ruf. Obschon Krummenacher-Sägeräte weltweit eingesetzt werden, bleibt das Unternehmen regional verankert, produziert alles selber und arbeitet mit Zulieferern aus der Region zusammen.
40-Jahr-Jubiläum
Am 15. und 16. August 2026 feiert die Krummenacher Saattechnik AG ihr 40-Jahr-Jubiläum. Unter anderem kann man eine Maschinenausstellung besichtigen und an einem Firmenrundgang teilnehmen.

