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«High Noon» in der Werkstatt: Wählen Sie Ihren Akkuschrauber

Im Wilden Westen galt der Revolver als Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung. Heute übernehmen Akkuschrauber diese Rolle auf dem Hof. Doch welcher Schrauber wird zum Revolver der Werkstatt, sobald eine hartnäckige Schraube zum Duell herausfordert?

Kurz & bündig

- Unterschiedliche Akkuschrauber für verschiedene Aufgaben: Bohrschrauber für leichte Arbeiten, Bohr-Schlag-Schrauber als Allrounder, Dreh-Schlag-Schrauber für festsitzende Schrauben, Bohrhammer für Beton und Stein. - Moderne Lithium-Ionen-Akkus bieten hohe Leistung, lange Laufzeit und universelle Nutzung für mehrere Geräte, 12 V für kompakte Geräte, 18 V für stärkere Maschinen. - Markenwahl weniger entscheidend als Einsatzzweck: Ergonomie, Drehmoment und passende Bauform bestimmen, welcher Akkuschrauber zum persönlichen «Revolver» der Werkstatt wird.

Im Wilden Westen war der Revolver mehr als eine Waffe – er spiegelte Charakter und Stil. John Wayne setzte auf den ruhigen, präzisen Colt Single Action, Clint Eastwood auf den mächtigen, einschüchternden Peacemaker, Billy the Kid auf Geschwindigkeit und Wendigkeit. Jeder Held hatte seinen Revolver – und genauso sollten jeder Landwirt und jede Landwirtin das Werkzeug wählen.

Ein Revolver ist nicht das Gleiche wie eine Pistole, obwohl beide schiessen können. Dasselbe gilt für den Akkuschrauber oder Akkubohrer. Umgangssprachlich auch gerne mal einfach «Akku» genannt. Es ist ein Überbegriff verschiedener Funktionstypen von Akkuschraubern. Martin Zumstein, Geschäftsführer der Bärtschi Werkzeuge & Maschinen AG in Herzogenbuchsee BE, erklärt die Unterschiede.

Der Einfache – der Bohrschrauber

Der Bohrschrauber ist der einfachste Typ und vor allem im Hobbybereich verbreitet. Er kann im Wesentlichen nur drehen, manche Modelle besitzen einen Drehmomentbegrenzer, damit Schrauben nicht zu tief ins Material gehen.

Der Bohrschrauber ist für leichte Arbeiten gedacht, meist kompakt gebaut und oft im 12-V-Bereich angesiedelt. «Typischerweise liegt das Drehmoment bei 10 bis 25 Nm, ausreichend für Möbelmontage, kleine Schrauben und leichte Heimwerkerarbeiten», erklärt Martin Zumstein.

Der Allrounder – der Bohr-Schlag-Schrauber

Der Bohr-Schlag-Schrauber (auch Schlag-Bohr-Schrauber genannt) ist der gängigste Schraubertyp und ist bei den meisten schon einmal in der Hand gewesen. Er kann drehen und schlagen, sodass auch Löcher in härtere Materialien wie Stein oder Beton gebohrt werden können.

Die axial wirkenden Schläge werden über eine gezahnte Kupplung im Inneren auf den Bohrer übertragen – also entlang der Bohrachse. «Da das Schlagwerk keine grosse Eigenkraft erzeugt, muss der Anwender das Gerät mit Körpergewicht gegenhalten, damit die volle Wirkung entfaltet wird», sagt Martin Zumstein. Die Schlagfunktion lässt sich bei Bedarf zuschalten (Symbol: kleiner Hammer), während die normale Bohrfunktion (Symbol: Bohrer) ungebremstes Drehmoment liefert. Ausserhalb dieser Funktion ist das Drehmoment begrenzt und die Kupplung «dreht durch». Viele Modelle verfügen über mehrere Gänge, ähnlich wie ein Auto:

  • Erster Gang: hohe Kraft, wenige Umdrehungen pro Minute
  • Zweiter Gang: geringere Kraft, höhere Drehzahl

Der mittlere Leistungsbereich liegt typischerweise bei 25 bis 60 Nm, was den Bohr-Schlag-Schrauber zu einem Allrounder für Holz, Metall und gelegentliche Stein- oder Betonarbeiten macht. Für ständiges Bohren in Beton ist er nicht geeignet. Dafür ist ein Bohrhammer die bessere Wahl.

«High Noon» in der Werkstatt: Wählen Sie Ihren Akkuschrauber

Der Brachiale – der Bohrhammer

Der Bohrhammer dringt durch Stahlbeton wie ein heisses Messer durch Butter. Er arbeitet mit axialen Schlägen, die den Bohrer in das Material treiben. «Bei elektropneumatischen Bohrhämmern wird der Schlag erzeugt, indem ein Schläger durch Unterdruck angesaugt und anschliessend per Überdruck auf den Bohrer geschleudert wird», weiss Martin Zumstein.

Die Drehbewegung dient hier nur dazu, den entstehenden Staub aus dem Bohrloch zu entfernen. Dieser Schraubertyp ist ideal für Stahlbeton, hartes Gestein und grosse Bohrlöcher, jedoch ungeeignet für dicke oder lange Schrauben in Holz oder Dachstühlen – dafür braucht es einen anderen Schraubertyp.

Der Löser – Dreh-Schlag-Schrauber

Der Dreh-Schlag-Schrauber funktioniert, wie der Name schon vermuten lässt, ebenfalls mit Schlägen. Allerdings sind diese nicht axial, sondern radial gerichtet – das heisst, die Schläge erfolgen in dieselbe Richtung, in die die Schraube dreht. «Ähnlich wie bei einer eingerosteten Schraubenmutter, auf die man mit einem Hammer auf den Gabelschlüssel schlägt», führt Martin Zumstein aus. Dadurch lassen sich höhere, kurzzeitige Drehmomente erreichen, ohne dass die Bedienperson die Kräfte ausgleichen muss.

Wer schon einmal den Griff eines Akkuschraubers im Gesicht hatte, weiss, dass, wenn die Schraube plötzlich «anhängt», das Drehmoment auf das Handgelenk übertragen wird (Kickback-Effekt). Dann dreht sich nicht mehr die Schraube, sondern das ganze Gerät. Gerade bei Arbeiten an unzugänglichen Stellen oder in der Höhe kann dies auch einen Sicherheitsaspekt darstellen.

Typischerweise liegen Dreh-Schlag-Schrauber im unteren bis oberen Leistungsbereich, je nach Einsatz:

  • Unterer Bereich: für viele Holzschrauben, kleinere Montagearbeiten
  • Oberer Bereich (>100 Nm): für schwere Schraubarbeiten oder Maschinenwartung
  • Sehr hoher Bereich (>1000 Nm): Spezialgeräte für grosse Muttern und industrielle Anwendungen

Die Power liefert der Akku

Wie Cowboys im Wilden Westen unterschiedliche Revolverkaliber nutzten – der legendäre 45er-Colt war besonders beliebt –, haben sich auch bei Akkuschraubern zwei «Kaliber» etabliert: 12 V für leichte, kompakte Geräte und 18 V für leistungsstarke Maschinen. Wobei sich die 18-V-Geräte für die Landwirtschaft am besten eignen.

Heute dominieren Lithium-Ionen-Akkus, weil sie leicht, leistungsstark und langlebig sind. Moderne Zelltechnologien wie Dewalt Powerstack oder Bosch Pro Core+ nutzen geschichtete Zellen oder optimierten Stromfluss, um mehr Energie auf kleinerem Raum zu speichern, schneller zu laden und höhere Ströme bereitzustellen, ohne stark zu erwärmen.

Ladestation mit Akku: Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind in 30 bis 60 Minuten wieder einsatzbereit, je nach Kapazität und Ladegerät.
Ladestation mit Akku: Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind in 30 bis 60 Minuten wieder einsatzbereit, je nach Kapazität und Ladegerät.

Die Kapazität in Amperestunden (Ah) bestimmt die Laufzeit: Je höher die Ah-Zahl, desto länger die Einsatzdauer – allerdings steigt auch das Gewicht. Viele Akkus verfügen mittlerweile über Schnellladefunktionen und Ladezustandsanzeigen. Ein grosser Vorteil moderner Akkusysteme: Ein Akku kann viele Geräte versorgen – vom Akkuschrauber über Winkelschleifer, Fettpressen und Baustellenradios bis hin zu Freischneidern oder Rasenmähern.

Um nicht für jedes Gerät ein eigenes System anschaffen zu müssen, sollte man sich für ein passendes Akkusystem entscheiden. Doch welches ist das beste?

Profi-Power in allen gängigen Farben

Laut Martin Zumstein gibt es im Profi-Segment heute kaum noch Unterschiede zwischen den Herstellern. Leistung und Qualität der Maschinen sind vergleichbar, Preisunterschiede gering. Viele entscheiden sich daher nach persönlichen Vorlieben.

Martin Zumstein, Geschäftsführer der Bärtschi Werkzeuge & Maschinen AG, kennt jeden Akkuschrauber-Typ und dessen Einsatzbereich wie seine Westentasche.
Martin Zumstein, Geschäftsführer der Bärtschi Werkzeuge & Maschinen AG, kennt jeden Akkuschrauber-Typ und dessen Einsatzbereich wie seine Westentasche.

«Wir vertreiben Marken wie Bosch, Dewalt, Makita, Festool und Milwaukee. Wer in der Lehre mit Dewalt gearbeitet hat, greift privat oft auch zu Gelb. Andere schwören auf Bosch-Blau, wieder andere auf Makita-Türkis», erklärt Zumstein.

Der wirkliche Unterschied liegt also oft in der Vorliebe der Käufer – nicht in der Leistung. «Wichtiger ist, innerhalb des Produktkatalogs das passende Gerät zu finden, nicht, ob Gelb oder Blau besser ist», betont Zumstein.

  • Bosch (Blau) und Dewalt (Gelb) gelten als etabliert und zuverlässig.
  • Makita (Türkis) überzeugt durch gute Leistung und ergonomisches Design.
  • Festool (Grün) richtet sich an Profis, die höchste Präzision brauchen.
  • Milwaukee (Rot) ist ein Trendsetter mit robusten Profi-Geräten und besonders breitem Sortiment.

Ein weiterer Vorteil moderner Akkusysteme: Ein Akku versorgt viele Geräte – vom Akkuschrauber über Winkelschleifer bis hin zu Baustellenradios oder Freischneidern. Wer clever wählt, muss nicht für jedes Gerät ein eigenes System anschaffen.

Das richtige Werkzeug für den eigenen Stil

Beim Kauf eines Akkugeräts entscheidet weniger die Marke als der Einsatzzweck. Für Montagearbeiten reicht ein Bohrschrauber, der Bohr-Schlag-Schrauber deckt als Allrounder die meisten Werkstattaufgaben ab. Festsitzende Schrauben, Radmuttern oder harte Wartungsarbeiten verlangen nach der Kraft eines Dreh-Schlag-Schraubers und für Beton oder Stein ist der Bohrhammer unverzichtbar. Wichtig sind ausreichendes Drehmoment, gute Ergonomie und eine Bauform, die auch in engen Bereichen Kontrolle und Sicherheit bietet. Wer weiss, welche Schrauben gelöst, welche Löcher gebohrt und welche Materialien bearbeitet werden müssen, findet schnell das Werkzeug, das wirklich zum eigenen Arbeitsstil passt – den persönlichen «Revolver» der Werkstatt.

Weitere Akkugeräte auf dem Hof

Neben Akkuschraubern gibt es auf dem Hof noch viele weitere Akkugeräte, die mobil und flexibel einsetzbar sind. Ein Klassiker ist der Winkelschleifer: Für die meisten Hofarbeiten reicht ein 125-mm-Gerät völlig aus, grössere Varianten sind eher für den Metallbau oder Profis gedacht. Moderne Modelle bieten Funktionen wie Drehzahlregelung, Softstart oder bürstenlose Motoren, was präzises Arbeiten erleichtert und die Lebensdauer erhöht. Praktisch für Werkstatt und Maschinenwartung ist die Akkufettpresse. Sie ersetzt die klassische Handpresse, ist kabellos und dosiert Schmiermittel sauber und effizient. Auch im Gartenbereich sind Akkugeräte sehr beliebt: Rasentrimmer, Heckenscheren oder Laubbläser sind kabellos und flexibel einsetzbar. Hersteller wie Bosch, Dewalt, Makita oder Milwaukee richten sich hier vor allem an den Hobbygärtner, wobei die Geräte die gleichen Akkus wie Werkzeuge nutzen können. Für den Profieinsatz, etwa bei Motorsägen oder Freischneidern, reichen diese Akkus oft nicht aus. Spezialisten wie Stihl setzen auf leistungsstarke, austauschbare Akkusysteme. Die Leistung ist inzwischen kein Problem mehr, entscheidend ist die Laufzeit, ein klassisches Thema bei der Elektrifizierung von Maschinen.