Viele Wege führen auf das Feld. Dies gilt auch für die Gülle, die in verschiedenen Verfahren und in unterschiedlichen Zusammenarbeitsformen auf das Feld transportiert und verteilt wird. Über die technischen Möglichkeiten bei der Gülleausbringung sind die meisten Bauern bestens informiert. Wissen sie jedoch auch, wie viel ein Kubikmeter Gülle kostet, der mit ihrer eigenen Technik, mit dem Mietfass selber oder durch den Lohnunternehmer ausgebracht wird? In einem Verfahrenskostenvergleich ging das BBZN Hohenrain in Luzern dieser Frage nach und ermittelte auch die Grösseneffekte. Den Berechnungen wurden zwei Betriebe zu Grunde gelegt.
| Betrieb 20 ha | Betrieb 40 ha | |
| Landwirtschaftliche Nutzfläche | 20 ha | 40 ha |
| Düngbare Fläche | 19 ha | 37,8 ha |
| Total DGVE | 56,6 | 113,3 |
| jährlicher Gülleanfall | 1960 m3 | 4000 m3 |
| Gülleeinsätze pro Jahr (Anzahl) | 17 | 18 |
| Preis Mietfass mit Schleppschlauch 8 m3 (pro Fass) | Fr. 17.50 | Fr. 17.00 |
| Mietpreis Transportfass 10 m3 (pro Fass) | Fr. 16.00 | Fr. 15.50 |
Tabelle 1: Verglichen wurde ein typischer 20-ha-Betrieb mit einem 40-ha-Betrieb.(Quelle BBZN)
Umfrage auf 73 Betrieben
Für die Gülleausbringung wurden unter anderem folgende Annahmen getroffen:
- Basis Mechanisierung: Traktor 70 kW, Schneckenpumpe elektr. mit Funkfernsteuerung, Schlauchhaspel 600 m, Arbeit Fr. 28.–/h
- Ausbringleistung Verschlauchung 50 m3/h
- Ausbringleistung 3,25 Fass/h
- Vor- und Nachbereitungszeit 1 1/4 h pro Einsatz bei Verschlauchung
- Vor- und Nachbereitungszeit 1 h pro Einsatz beim Fass inkl. holen am Mietstandort
- Vor- und Nachbereitungszeit 0,5 h pro Einsatz beim eigenen Fass und Traktoren an Transportfässern
- Schleppschuh- gegenüber Schleppschlauchverteiler 25 % teurer in der Anschaffung und Erhöhung Reparatur- und Unterhaltsfaktor um 25 %.
Die Berechnungen beruhen auf der Publikation «Maschinenkosten 2020» (Gazzarin 2020) mit individuellen Anpassungen der jährlichen Auslastung. Die Annahmen zu Ausbringleistung pro Stunde, Gülleeinsätzen pro Jahr, Mietpreisen sowie Vor- und Nachbereitungszeiten pro Gülleeinsatz basieren auf Ergebnissen einer Umfrage bei 73 Betrieben. Die Umfrage wurde im Winter 2020 am BBZN bei Lernenden vom 3. Lehrjahr und der Betriebsleiterschule durchgeführt.
Das Fass will ausgelastet sein
Die Verfahrenskosten für den 20 ha Betrieb betragen für die gängigen Verfahren Verschlauchung und Güllefass zwischen Fr. 4.91/m3 und Fr. 6.29/m3. Beim 40-ha-Betrieb liegen die Kosten bei Fr. 3.68/m3 bis 4.87/m3. Der Transport der Gülle zum Feldrand und die anschliessende Verschlauchung ist arbeitsintensiv und setzt eine entsprechende Mechanisierung voraus. Deshalb resultieren mit diesem Verfahren die höchsten Kosten (Tabelle 2).
Die Berechnungen am Bespiel 20-ha-Betrieb zeigen, dass sich für eine jährliche Güllemenge von 1960 m3 eine eigene Ausbringtechnik vor allem beim Güllefass nicht lohnt. Wird die Technik für die Verschlauchung zugemietet, können pro Kubikmeter Fr. 0.11 und pro Jahr Fr. 216.– eingespart werden. Beim Fass sind es sogar Fr. 1.38/m3 und jährlich Fr. 2705.–.
Fixkosten verteilen
Dank dem Grösseneffekt ist beim 40-ha-Betrieb die eigene Mechanisierung mit Verschlauchung um Fr. 1.01/m3 und jährlich um Fr. 4040.– günstiger als die Miete. Beim Güllefass mit Schleppschlauchverteiler ist die zugrunde gelegte Auslastung in der Publikation «Maschinenkosten 2020» (Gazzarin 2020) so hoch angesetzt, dass diese auch bei jährlich 4000 m3 Gülle nicht erreicht wird. Kann somit das Fass für sämtliche Gülle zugemietet werden, würden Fr. 0.15/m3 und jährlich Fr. 600.– eingespart. Neben der Miete könnte sich hier auch der Kauf der Technik als Maschinengemeinschaft lohnen. Gemeinsam angeschaffte Maschinen sind leichter zu finanzieren und die Fixkosten verteilen sich auf mehr Arbeitseinheiten. Wie bei allen überbetrieblichen Zusammenarbeitsformen braucht es auch hier Weitsicht und Flexibilität bei der Einsatzplanung.
Hof-Feld-Entfernung relevant
Die Hof-Feld-Entfernung steht in direktem Zusammenhang mit der Ausbringleistung beim Güllefass und diese wiederum mit den Verfahrenskosten pro Kubikmeter Gülle. Liegt beispielsweise die Leistung aufgrund einer grossen Hof-Feld-Entfernung bei nur zwei Fässern pro Stunde, betragen die Verfahrenskosten beim 20-ha-Betrieb Fr. 7.82/m3 und beim 40-ha-Betrieb Fr. 6.35/m3. Kann die Ausbringleistung aufgrund kürzerer Wege auf vier Fässer pro Stunde gesteigert werden, reduzieren sich die Verfahrenskosten beim 20-ha-Betrieb um 25 % auf Fr. 5.83/m3 und beim 40-ha-Betrieb um 31 % auf Fr. 4.35/m3. Könnten gleich neben dem Betrieb sogar fünf Fässer pro Stunde ausgebracht werden, kann nahezu eine Kostengleichheit mit dem Verfahren Verschlauchung erreicht werden.
Jedoch gilt es immer auch weitere Aspekte zu berücksichtigen, wie zum Bespiel die Gefahr der Bodenverdichtung durch schwere Radlasten und das Gülleausbringen in kupiertem Gelände, wo die Verschlauchung klar im Vorteil ist.
| Betrieb 20 ha | Differenz | Betrieb 40 ha | Differenz | |
| Verschlauchung mit eigenem Schleppschlauch, 9 m | Fr. 5.11/m3 | −0,11 | Fr. 3.68/m3 | +1,01 |
| Verschlauchung mit gemietetem Schleppschlauch, 9 m (Tarif Maschinenkosten 2020) | Fr. 5.00/m3 | Fr. 4.69/m3 | ||
| Verschlauchung mit eigenem Schleppschuh, 9 m | Fr. 5.39/m3 | Fr. 3.92/m3 | ||
| Eigenes Güllefass, 8 m3, mit Schleppschlauch, 12 m | Fr. 6.29/m3 | −1,38 | Fr. 4.81/m3 | −0,15 |
| Gemietetes Güllefass, 8 m3, mit Schleppschlauch, 12 m (Tarif 2020) | Fr. 4.91/m3 | Fr. 4.66/m3 | ||
| Mietfass, 8 m3,mit Schleppschlauch, 9 m | Fr. 5.19/m3 | Fr. 4.87/m3 | ||
| Feldrandverschlauchung mit eigenem Schleppschlauch, 9 m, und zwei gemieteten Transportfässern | Fr. 8.86/m3 | Fr. 7.50/m3 |
Tabelle 2: Zusammenstellung der Kosten in Bezug auf einen 20-ha- und einen 40-ha-Betrieb.(Quelle BBZN)

