Kurz & bündig
- Jährlich werden mehrere Millionen Tonnen landwirtschaftliche Güter transportiert.
- Landwirte verzichten immer öfter auf eine eigene Transportkapazität.
- Professionelle Transportunternehmer und Lohnunternehmer übernehmen Transportarbeiten.
Eine landwirtschaftliche Transportlösung mit zeitgemässer Bremstechnik ist nicht mehr für jeden Betrieb rentabel. Die Ansprüche an die Transportsicherheit sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Es braucht Zweileiter-Bremssysteme, um die heutigen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Einfache hydraulische Bremsen sind nicht mehr zeitgemäss. Der Technologiesprung lohnt sich für viele Betriebe nicht: Mit einem technisch neuen Anhänger muss allenfalls auch der bestehende Traktor aufgerüstet oder gar ersetzt werden.
In solchen Fällen kommen Lohnunternehmer zum Einsatz, welche Getreide nicht nur dreschen, sondern auch abtransportieren. Auch professionelle Transportunternehmen, wie beispielsweise jenes von Beat Häusermann, bieten Erntetransporte direkt ab Feld an.
«Wir haben auf unserem Betrieb elf Mulden allein für landwirtschaftliche Transporte zur Verfügung. Damit transportieren wir vor allem Getreide und Kartoffeln», sagt Beat Häusermann. Im bernischen Affoltern begann er im Jahr 2012 Transportarbeiten für Dritte durchzuführen. Er hatte einen Traktor mit einem Hakengerät für Wechselmulden mit weissem Nummernschild für gewerbliche Transporte eingelöst. Damit erledigte er Baustellentransporte und fuhr für die Egli-Mühlen Getreide von einem Aussenlager zu deren Standort in Nebikon LU.
Die Logistik ist anspruchsvoll und wetterabhängig
Die Transporte für die Mühle ab dem Aussenlager waren gut planbar. Das war eine gute Ergänzung zu den Transporten für das Baugewerbe. Mit der Zeit wurden grössere Getreideposten jedoch nicht mehr ans Zwischenlager, sondern direkt vom Feld in die Mühle gefahren. «Da begann ich, Transportmulden an den Feldrand zu stellen und den Transport zwischen Feld und Mühle zu organisieren. Die Planung wurde anspruchsvoller und die Witterung beeinflusste die Logistik.»
Dies führte dazu, dass Beat Häusermann in weitere Transportmulden investierte. Das wurde notwendig, weil immer mehr Landwirte ihre Transporte auslagerten und weitere Abladestellen bei Landis oder bei anderen Abnehmern hinzukamen. Die Mulden haben eine Abdeckung, damit das Getreide wettergeschützt ist.
LKW ergänzt die Transportkapazität
Im Jahr 2018 erhöhte Beat Häusermann die Transportkapazität und ergänzte sein Traktorgespann mit einem fünfachsigen Lastwagen mit einem Hakengerät. Den LKW fährt meistens seine Frau Michaela. Heute umfasst die Transportflotte zwei Lastwagen mit Hakengerät und zwei Sattelschlepper mit Kippmulden-Aufliegern, die von fest angestellten Mitarbeitern gefahren werden. Die Fahrzeuge sind für Baustellentransporte unterwegs. Die beiden Hakengerätfahrzeuge kommen bei Bedarf zusätzlich im landwirtschaftlichen Transport zum Einsatz.
«Wir transportieren die landwirtschaftlichen Aufträge etwa je zur Hälfte mit dem LKW und dem Traktorgespann. Die Kosten sind für die Kunden gleich. Diese belaufen sich pro Mulde pauschal auf rund 215 Franken für eine Region mit einer Transportdistanz bis zehn Kilometer», sagt Beat Häusermann. Wenn immer möglich, nutzt er das Traktorgespann. Der Traktor kostet eine pauschale Schwerverkehrsabgabe (PSVA) von 4400 Franken für 40 Tonnen pro Jahr. Für den Euro-6-LKW liefert Häusermann pro gefahrenen Kilometer einen Franken an den Bund ab.
Der Vorteil des LKW gegenüber des Traktors ist der geringere Treibstoffverbrauch. Der LKW benötigt für die gleiche Arbeit nur die Hälfte dessen, was der Traktor verbraucht. Dies, obschon der Traktor im Sommer und Herbst mit einer Strassenbereifung ausgerüstet ist und leichter als mit einem Ackerschlepperreifen rollt. «Vom Gefühl her ist mir der LKW für den Transport lieber, das ist professionelle Technik, die allein zu diesem Zweck gebaut wurde. Der Traktor muss verschiedene Anforderungsprofile erfüllen, und dies ist oft mit einem Kompromiss verbunden.»
Das zeigt sich bei Häusermanns Unternehmen deutlich. So kommt der Transporttraktor mit Ackerschlepperreifen ausgerüstet auch am Silierladewagen zum Einsatz. Silierarbeiten sind Dienstleistungen, die Beat Häusermann ebenfalls anbietet. Zudem führt er einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb.
Unkompliziert organisieren und flexibel bleiben
«Wer direkt vom Feld abtransportiert, ist vom Wetter abhängig. Da muss man Leidenschaft für die Sache haben, damit man mit den verschiedenen Situationen umgehen kann. Sonst kann das schnell sehr stressig werden», sagt Beat Häusermann.
Bei einem Auftrag gibt es einiges zu koordinieren, da der Landwirt, der Mähdrescherunternehmer sowie die Abladestelle involviert sind.
«Wenn mich ein Landwirt anruft und seinen Druschtermin durchgibt, kann ich schon mal grob planen. Am Vorabend nehme ich dann noch Kontakt mit dem Druschunternehmer auf, damit ich die einigermassen genaue Druschzeit kenne und die Mulde entsprechend platzieren kann. Manchmal bestellt auch der Druschunternehmer die Mulde für den Landwirt. Oft mache ich dann auch gleich die Abladetermine ab. Ich bin eigentlich immer mit allen in Kontakt und habe so den Überblick, wo was läuft. Es ist wichtig, dass man die Koordination so einfach wie möglich hält.»
Gute Planung ermöglicht hohe Transportleistung
In der Praxis sieht es dann so aus, dass die meisten Mulden noch am gleichen Tag abgeladen werden. In der Landi in Huttwil BE kann Beat Häusermann am Abend noch Mulden kippen, damit diese am nächsten Tag wieder verfügbar sind. Wenn es hoch kommt, werden pro Tag bis zu 20 Mulden umgesetzt. Dazu stehen 11 Mulden zur Verfügung.
Das ist möglich, wenn früh mit Dreschen begonnen werden kann und eine Mulde bereits am frühen Nachmittag entladen wird und Mitte Nachmittag bereits am nächsten Feld platziert ist. In solchen Fällen reicht dann das Traktorgespann nicht mehr aus und die beiden LKW mit dem Hakengerät kommen als Unterstützung zum Einsatz. Das Einsatzmuster ergänzt sich gut. Auf der Baustelle ist um 17 Uhr Feierabend und um diese Zeit gehen die Getreidetransporte erst richtig los.
Mulde direkt wieder an den Feldrand
Für den Unternehmer ist es am wirtschaftlichsten, wenn er eine Mulde nach dem Ablad direkt am Feldrand für den nächsten Auftrag platzieren kann. Das reduziert den Aufwand enorm. Sonst muss Häusermann die Mulde zuerst auf seinem Betrieb abstellen und beim nächsten Auftrag wieder aufziehen.
«Ich weiss ja ungefähr, wo noch Getreide steht und dass da noch eine Mulde benötigt wird. Wenn kein anschliessender Auftrag da ist, beispielsweise wenn die Ernte langsam zu Ende geht, gehe ich auch aktiv auf die Kunden zu und kläre ab, ob ich schon mal eine Mulde hinstellen kann», sagt Beat Häusermann.
Die Feldzufahrten sind trotz schlagkräftiger Gefährte meistens kein grosses Problem. Es kann vorkommen, dass der Mähdrescher einige Meter vom Feld zur Mulde fahren muss. Das stellt in der Praxis keine Hürde dar und hat sich eingespielt.
Meistens reicht eine Mulde pro Parzelle
In den allermeisten Fällen reicht eine Mulde pro Parzelle aus. Die Ladekapazität beträgt 22,5 Tonnen. Das wird auf nur einen Schlag selten erreicht, und im Zweifelsfall stellt Häusermann eine zweite Mulde hin. Sein Einsatzgebiet erstreckt sich grob gesehen von Langenthal bis Sumiswald. Dadurch ergibt sich auch eine natürliche Erntestaffelung mit früheren und späteren Standorten. Die Saison beginnt auch nicht immer auf einen Schlag. Bei der Gerstenernte nutzen die Landwirte oft noch eigene Anhänger. Bei einigen Betrieben beginnt danach die Kartoffelernte, was ihre Anhänger blockiert. Dann lagern diese den Abtransport der weiteren Getreidekulturen ebenfalls aus.
Das Unternehmen transportiert auch Kartoffeln. Dafür werden die Mulden mit Fallsegel für den schonenden Verlad ausgerüstet.
«Ein Landwirt braucht Vertrauen in den Unternehmer, der ihm die Ernte transportiert», sagt Beat Häusermann. Die Preise seien manchmal ein Thema. Aber da geht Häusermann keine Kompromisse ein und will Qualität liefern. Das zeigt sich beispielsweise bei den Mulden, die allein für den Agrarbereich genutzt werden. Diese sind sauber, dicht und kommen nicht auf Baustellen mit anderen Materialien in Kontakt. Bei den Fahrern ist Beat Häusermann froh, kann er auf Mitarbeiter mit einem landwirtschaftlichen Hintergrund zählen. «Für landwirtschaftliche Güter braucht es Gspüri und Herzblut. Mit konventionellen Transporten sind diese Transporte nicht zu vergleichen.»
Der Abtransport der Ernte direkt ab dem Feldrand erfolgt immer öfter durch professionelle Transportunternehmer. Bild: zVg
Millionenschwere Transporte
Kartoffeln: In der Schweiz werden jährlich rund 3 Millionen Tonnen pflanzliche Produkte produziert, geerntet und transportiert. Die Erntemengen der wichtigsten Kulturen hierzulande betragen rund 2,9 bis 3,4 Mio Tonnen: 400'000 Tonnen
Getreide/Eiweisspflanzen: 1 000 000 Tonnen
Zuckerrüben: 1 bis 1,5 Mio Tonnen
Gemüse: 360'000 Tonnen Für diese Mengen sind 115'000 bis 135'000 Transportfahrten ab dem Feld notwendig, wenn die Zuladung 25 Tonnen beträgt. In der Praxis besteht durchschnittlich eine geringere Zuladung, wodurch deutlich mehr Transportfahrten zwischen Feld und Abladeort entstehen. Hinzu kommen unzählige weitere Fahrten, beispielsweise mit Hofdüngern.
Quelle: Agristat SBV / Agrarbericht
Betriebsspiegel der Familie Häusermann
LN: Beat und Michaela Häusermann, Affoltern im Emmental BE 23,5 ha
Kulturen: Gerste, Weizen, Dinkel, Mais
Tierbestand: 51 Mastrinder
Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmerarbeiten, Transportunternehmen
Arbeitskräfte: Michaela und Beat Häusermann, 5 Mitarbeiter
Transporte mit dem Traktor
Bei Traktoren müssen auf den Antriebsachsen bei Fahrzeugkombinationen mit einer Höchstgeschwindigkeit über 25 km/h bis 40 km/h gesetzlich mindestens 22 Prozent des aktuellen Betriebsgewichts (Traktor und Anhänger) lasten. Bei einem Gewicht von 20 Tonnen sind dies beispielsweise mindestens 4,4 Tonnen. Bei Allradtraktoren zählt das Gewicht des ganzen Traktors, bei 2-Rad-Antrieb zählt das Gewicht, das auf der Hinterachse lastet. Das Gewicht lässt sich mit einem Starrdeichselanhänger erhöhen, wenn dieser im Rahmen der erlaubten zulässigen Achslasten zusätzliches Gewicht auf den Traktor überträgt. Dazu müssen natürlich auch die erlaubte Stützlast und die Reifentragkraft eingehalten werden. Gleichzeitig ist die Vorderachslast zu berücksichtigen. Das Gewicht auf der Lenkachse darf 20 Prozent des jeweiligen Betriebsgewichts des Traktors nicht unterschreiten.
Quelle: BUL

