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Düngerstreuer richtig einstellen, um Kosten zu sparen, Ertrag und Qualität zu sichern

Die Maschinen sind preiswert, schleudern aber buchstäblich Geld aufs Feld. Damit es dort seine volle Wirkung entfaltet, müssen Streuer richtig eingestellt und Dünger gute Qualität haben. Ulrich Lossie erklärt das Vorgehen in der Praxis.

«Ich bin immer froh, Dinge, die nicht funktionieren, selbst zu erleben. In der Praxis läuft nämlich nicht immer alles so, wie die Industrie sagt», hielt Ulrich Lossie fest und unterstrich damit seine Praxisnähe. Der Landwirt bewirtschaftet in Deutschland einen 87 ha grossen, reinen Ackerbaubetrieb und ist Fachmann für Düngerstreuer an der Deutschen Lehranstalt für Landtechnik (Deula) in Nienburg. In dieser Funktion erklärte er an einem Agridea-Kurs in Düdingen FR, worauf es beim Streuen von Mineraldünger ankommt. Ein unterschätztes Thema, wie Lossie darlegte. «Düngerstreuer sind preiswerte Maschinen», gab er zu bedenken. «Aber sie schleudern buchstäblich Geld hinter sich.» Angesichts steigender Düngerpreise ist das umso mehr ein Fakt.

Die richtige Menge pro Pflanze statt pro Fläche

Die richtige Gesamtmenge pro ha auszubringen, gelingt in der Regel problemlos. «Das ist aber nicht relevant», betonte Ulrich Lossie. Den vollen Ertrag und hohe Qualität liefere Getreide schliesslich nur, wenn jede Pflanze die von ihr benötigte Menge Dünger erhält. Es gehe also nicht um 65 kg/ha, sondern vielmehr 0,025 g/Pflanze. «Das ist das Ziel und so weit müssen wir denken.»

Düngerstreuer richtig einstellen, um Kosten zu sparen, Ertrag und Qualität zu sichern
Bei der Durchfahrt fliegen die Körner in die ausgelegten Schalen oder auf Matten.

Im schlimmsten Fall lagert das Getreide

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Streuer richtig eingestellt werden. Gelingt das nicht, werden Fehler laut dem Fachmann schnell ertragsrelevant – noch bevor man sie von blossem Auge sieht. Sind Streifen im Feld sichtbar, z. B. Hell-Dunkel-Farbwechsel, ist der Fall klar. Das tritt bei Stickstoffdünger ab +/- 20 Prozent in der Querverteilung auf. Bei +/- 30 Prozent droht streifenweise lagerndes Getreide. Das ist schlecht fürs Portemonnaie und für die Umwelt, wenn überflüssige Nährstoffe stellenweise ausgewaschen werden. Im Randbereich kommen mögliche Imageschäden hinzu. «Kali fällt ja nicht so auf, aber farbiger Dünger sieht aus wie Gift», gab Ulrich Lossie ein Beispiel.

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Mit dem Winkelmessgerät lässt sich überprüfen, ob der Streuer gerade am Traktor hängt.

Gerade in der kleinstrukturierten Schweiz mit üblichen Feldgrössen zwischen 1–3 ha ist das exakte Streuen an Grenzen und Rändern wichtig. Dabei sind diese Begriffe zu unterscheiden:

Randstreuen: In der letzten Fahrgasse zur Feldgrenze wird die volle Menge bei reduzierter Wurfweite bis zum Rand gestreut, wenn an den Acker ein weiteres Feld grenzt. Ein wenig Streuen zum Nachbarn wird toleriert. «Das darf man nie an Feldwegen oder neben Gewässern tun», sagte Ulrich Lossie.

Grenzstreuen: Die Wurfweite wird so weit reduziert, dass gar keine Düngerkörner auf einen Weg oder in die Nähe eines Wasserlaufs fliegen. «Dabei immer auch den Mengenschieber auf weniger einstellen, sonst drohen auf dem Randstreifen des Felds Überdüngung und Lager.»

Der Fachmann empfiehlt, sich einen Mittelschirm zuzulegen. Den bieten ihm zufolge alle Düngerstreuerhersteller an. Der Schirm lässt sich zum Grenzstreuen herunterklappen und fängt Düngerkörner ab, die zu weit fliegen würden.

Maschinencheck Schritt für Schritt

In einer Lagerhalle der Saatzucht Düdingen demonstrierte Ulrich Lossie anhand verschiedener Düngerstreuermodelle, wie die Maschinen geprüft werden können. Auf Platz waren Streuer von Bogballe, Rauch und Amazone, die die Kursteilnehmer mitgebracht hatten. «Verabschiedet euch von gut oder schlecht je nach Hersteller», kommentierte der Fachmann. Namhafte Landtechnik-Firmen würden keine schlechten Streuer verkaufen, so eine Beobachtung. Er und seine Kollegen an der Deula hätten explizit Maschinen verschiedener Hersteller im Einsatz auf ihren eigenen Betrieben. Diese arbeiten mit leicht unterschiedlichen Systemen, erreichen aber alle das Ziel.

Als erstes rüttelte Lossie kräftig am ersten Streuer – er sollte fest am Traktor sitzen und nicht wackeln. Anschliessend ging er für den Maschinencheck Schritt für Schritt vor:

Streuerhöhe: Je nach Hersteller wird die empfohlene Höhe an unterschiedlichen Stellen gemessen. «Im Grunde ist die Höhe nebensächlich, da sie die Flugbahn des Düngers nur verschiebt», bemerkte Ulrich Lossie. Allerdings verändere sich die Höhe, wenn der Tank nach und nach leerer und damit leichter wird – mit dem Nebeneffekt, dass sich der Streuer hinten anhebt. Und die Neigung beeinflusst die Wurfweite stark. Die Querverteilung stimmt noch, aber die Körner fliegen bei wenigen Grad mehr Neigung bereits 2–3 m weiter. Daher müsse die Höhe kontinuierlich dem leerer werdenden Tank angepasst werden. Zur Kontrolle während der Fahrt empfiehlt Lossie, an einer durch die Heckscheibe gut einsehbaren Stelle am Düngerstreuer eine Kette oder ein Schlauchstück in passender Länge zu befestigen. Das sollte dann «gelegentlich» den Boden berühren. «Nach einer Weile regelt man die Höhe dann ganz selbstverständlich nach.»

Streuer gerade halten: Einige Modelle mit Wiegefunktion haben eine eingebaute Wasserwaage mit Visualisierung, um eine Schieflage zu vermeiden. Alternativ lässt sich die horizontale Neigung mit einem Winkelmesser auf beiden Streben oder Streuscheiben bestimmen. Die Abweichung sollte auf ebenem Untergrund nicht mehr als ein paar Grad betragen. Auf ungleichmässigem Boden kann man den Winkelmesser zuerst an einer geraden Strebe des Traktors eichen. Ulrich Lossie warnt davor, den vollen Streuer – z. B. für eine Pause – auf den Boden abzusenken. «Dafür ist er nicht gedacht, das Gewicht sollte am Dreipunkt hängen.» Auf unebenem Untergrund drohe so, der Rahmen verbogen zu werden.

Streuwerk: Die Teller sollten sich gut drehen lassen (evtl. zuvor das Getriebe auf neutral stellen) und dabei nicht taumeln. Mit einem Finger unter der Scheibe fallen derartige Schäden beim Drehen eher auf. Getriebe und Lager (rauf/runter) sollten wenig Spiel haben und der Auslauf, wo die Düngerkörner aus dem Tank rieseln, unbeschädigt sein.

Alte Schaufeln austauschen: Modelle mit Hartmetall-Belag halten länger. Ist der Belag allerdings einmal weg, entsteht quasi sofort ein Loch. Ein leichter Farbumschlag des Materials zeigt, wann das Metall ungeschützt ist und damit den richtigen Zeitpunkt zum Wechseln. Normale Schaufeln (ohne Belag) sollten ausgewechselt werden, sobald sich Wellen zwischen Fang- und Abwurfbereich zeigen. Dies, weil die veränderte Oberfläche das Flugverhalten der Düngerkörner beeinflusst. «In der Regel werden die Schaufeln zu spät ersetzt», stellte Ulrich Lossie fest.

Düngerstreuer richtig einstellen, um Kosten zu sparen, Ertrag und Qualität zu sichern
Die Schüttelbox zeigt die Aufteilung des Düngers nach Körnergrössen. Hier wurden zwei Proben vom selben Dünger, aber aus unterschiedlichen Bereichen des Schüttkegels genommen. So zeigt sich, wie stark sich die Ware beim Umlagern entmischen kann.

Nach dem Maschinencheck ging es aufs Feld (siehe Kasten unten). Das Fazit der Teilnehmenden zum Ende des Kurstages war positiv. Man zeigte sich zufrieden mit dem Gelernten und wolle es in Zukunft umsetzen. «Es ist schön, mal wieder einen Kurs zu haben, bei dem es um Produzieren und nicht um die Einhaltung von Umweltauflagen geht», bemerkte ein Landwirt. Bei Interesse bietet Ulrich Lossie weitere Seminare in der Schweiz an.

Messen im Feld

Die Einstellung des Düngerstreuers muss für ein optimales Resultat an den Dünger angepasst sein. Das lässt sich im Feld mit unterschiedlichen Systemen überprüfen. So gibt es Matten mit Noppen, Schalen mit Raster oder eine faltbare Variante aus Stoff. Sie werden in regelmässigen Abständen im Feld platziert und zeigen nach einer Durchfahrt mit der Einstellung «Grenzstreuen», welche Menge Düngerkörner jeweils wo landet. Daraus lassen sich Diagramme erstellen, die die Querverteilung an der (theoretischen) Feldgrenze und zwischen zwei Fahrgassen zeigen. Das System «Easy Check» von Amazone arbeitet mit einer App, die die Düngerkörner auf den Matten selbst erkennt. Alternativ kann man den Inhalt der Schalen der Reihe nach in die Kammern einer Art Messbecher füllen. Das ergibt ebenfalls ein Säulendiagramm.

Worauf achten bei der Düngerqualität?

[IMG 10-11] Für genaues Streuen ist neben einer korrekt eingestellten und gut gewarteten Maschine der Dünger selbst ein wichtiger Faktor. Denn wenn die Körner aus dem Tank auf die Schaufeln der Streuscheibe treffen und weggeschleudert werden, beeinflussen ihre Eigenschaften die Flugbahn. Guter Dünger zeichnet sich laut Ulrich Lossie durch Folgendes aus: Homogene Ware: Big Bags und gesackter Dünger sind da ein Vorteil gegenüber losem Schüttgut. Grössenverteilung und Staubanteil lassen sich mit einer Schüttelbox überprüfen. Bei Mischdüngern auf möglichst ähnliche Körner der verschiedenen Produkte achten, da sie sich sonst entmischen. Stabile, harte Körner: Kornhärtetester sind wie umgedrehte Federwaagen aufgebaut. Trockener Dünger ist härter und knackt beim Zerdrücken. Es gibt verschiedene Zielwerte je nach Produkt. Wichtig ist die luftdichte Lagerung, da Dünger Wasser aus der Luft anzieht (hygroskopisch). Windsicher: Durch ausreichend schwere Körner. Möglichst staubarm: Staubfrei geht nicht, ab 5 Prozent Staubanteil wird es kritisch. Denn Staub geht als Wolke hinter dem Streuer verloren und gelangt gar nicht aufs Feld. Keine Klumpen: Sie verstopfen das Sieb und die Auslauföffnung und führen zu ungleichmässiger Längsverteilung. «Kauft Dünger so, wie ihr Traktoren kauft» Lossies Rat: «Kauft Dünger so, wie ihr Traktoren kauft.» Es gelte also, nicht das billigste Produkt zu kaufen, sondern auf Qualität und Herkunft zu achten – Eigenschaften vor Preis. «Wir Landwirte müssen uns angewöhnen, selbst Analysen zu machen», meinte er. So wie man es beim Abgeben von Getreide bei der Sammelstelle oder beim Kauf von Pflanzkartoffeln kennt. So entstehe überhaupt erst eine Diskussion über Qualität beim Mineraldünger und die Anbieter würden sich anpassen. Die schlechteste Ware lande naturgemäss dort, wo niemand hinschaue. Und die Qualität könne sich nicht nur je nach Hersteller, sondern auch je nach Werk und den Bedingungen während des langen Wegs bis in den Sack stark unterscheiden. Die Düngerlogistik bei Landor Marcel Schenk, Leiter Beratungsdienste Mittelland-Zentralschweiz bei Landor, nahm am Agridea-Kurs teil und erläuterte, wie die hiesige Düngerbeschaffung und -Logistik funktioniert. «Wir haben in der Schweiz keine eigene Mineraldüngerherstellung mehr», stellte er klar. Die Ware wird vorwiegend lose per Schiff eingekauft, dann abgesackt, gelagert und weiterspediert. Ammonsalpeter 27% sei mengenmässig das wichtigste Produkt, weshalb Landor zwar einen Hauptlieferant habe, aber bei Bedarf auf mehrere Hersteller zurückgreifen müsse, um die Nachfrage decken zu können. Zur Qualitätssicherung gebe es jeweils ein Rückstellmuster von jedem Schiff, das gelöscht wird. Eingangskontrollen lohnen sich Das System der Eingangskontrollen bei Landor hat sich indes bewährt. Marcel Schenk erinnerte an den Fall, als von einem Hersteller dank Rückstellmusters für fehlerhaften Dünger eine Entschädigung für die Kundschaft erwirkt werden konnte. Danach habe man diese Zusammenarbeit mit dem Lieferanten eingestellt. «Es ist wichtig für uns, dass wir Qualitätsprobleme von der Praxis mitbekommen und Massnahmen treffen können», so Schenk.

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