Plus

Den Betrieb besser absichern

Familie Marti aus dem aargauischen Abtwil hat den Betrieb umstrukturiert und so besser gegen personelle und äussere Krisen geschützt.

Landwirtschaftsbetriebe sind vielen Risiken ausgesetzt. Neben persönlichen Notfällen, wie ein plötzlicher Ausfall des Betriebsleiters oder der Betriebsleiterin, sind in den letzten Jahren vor allem Risiken wie Strommangellagen, Futtermittelengpässe oder auch Teuerung vermehrt wichtig geworden. Im Gespräch erklärt Nicolas Marti, wie er als angehender Betriebsleiter gemeinsam mit seinem Vater Hanspeter und seiner Partnerin Rebecca einen Weg gefunden hat, auf ihrem Betrieb gewisse Risiken auszuschalten oder abzufedern.

Hohe Arbeitsbelastung

Auf dem Betrieb der Familie Marti wurde eine High-Input-Strategie gefahren: 10'000 kg Milchleistung, 1800 kg Kraftfutter, minimale Weideanteile und Zuchtschweinehaltung. Der Betrieb wurde über viele Jahre in diesem energie-, ressourcen- und arbeitsintensiven System bewirtschaftet. Als 2021 jedoch die Suche nach Angestellten zunehmend schwieriger und die Gesamtarbeitsbelastung für die Betriebsleiterfamilie zu hoch wurde, haben sie sich gemeinsam dazu entschieden, den Betrieb umzustrukturieren.

Neue Strategie

Die Zuchtsauen wurden aufgegeben, und die Hochleistungsherde wurde zunehmend mit Weidegenetik eingekreuzt. Die Tiere sollten von nun an im Vollweidesystem gefüttert, der Kraftfuttereinsatz reduziert werden.

«Unser Ziel ist eine möglichst hohe Flächenleistung pro ha Hauptfutterfläche mit Einzeltierleistungen von rund 6000 kg Milch», erläutert Nicolas Marti. «Dafür brauchen wir aber noch Zeit. Nicht nur die Herdengenetik muss noch mehr angepasst werden, die grosse Herausforderung liegt vor allem im Futterbau. Wir müssen unsere Schnittwiesenbestände auf Weidebestände umstellen.»

Diese radikale Umstellung macht den Betrieb der Familie Marti resilienter, also krisenbeständiger. Zwar wurde mit der Umstellung vor allem das Ziel verfolgt, die Arbeitsbelastung zu senken, zusätzlich ist der Betrieb aber nun mit der Vollweidestrategie deutlich weniger abhängig von externen Ressourcen wie Kraftfutter. «Wir konnten durch die Umstellung auf das Vollweidesystem viele äussere Einflussfaktoren reduzieren: Da die Tiere ihr Futter während der Vegetationszeit zu 100 % auf der Weide holen, sind wir weniger abhängig von Konservierungsfenstern und teuren Maschinen.»

Durch verschiedene Anpassungen im Betriebsmanagement können die täglichen Arbeiten, wenn es sein muss – etwa bei einem Ausfall einer Arbeitskraft –, von einer «halben» Person geleistet werden.

Gegenseitig aushelfen

«Wir sind zu dritt, mein Vater, meine Freundin und ich, die jedes Detail der Betriebsabläufe kennen, wir sind ersetzbar. Ausserdem haben wir die Möglichkeit, innerhalb der Familie noch zusätzliche Arbeitskräfte hinzuzuholen. Bei einem persönlichen Notfall oder einem Unfall können wir uns also jederzeit auch über einen längeren Zeitraum aushelfen», erklärt Nicolas Marti. Ausserdem kann der Melkroboter auf dem Betrieb der Familie Marti mit einem Notstromaggregat betrieben werden. «In einer Stromkrise sind wir relativ autark. Mit unserem Dieselvorrat können wir das Notstromaggregat betreiben und den Hoflader, den wir im Winter für die Fütterung brauchen.»

«Den Sinn hinter der Arbeit zu sehen, das motiviert», sagt Nicolas Marti zum Systemwechsel. «Für mich wurden die täglichen Arbeiten wieder sinnvoller, wir sind kein Durchlauferhitzer mehr, auch wenn unser System nach wie vor intensiv ist, aber halt mit weniger Input. Dies macht sich auch in unserer Zufriedenheit bemerkbar, und zufriedene Leute sind definitiv resistenter gegen persönliche Krisen als unzufriedene.»

Lösung individuell

Im Gespräch hat Nicolas Marti immer wieder betont, dass es keine einheitliche Lösung gibt, aber die radikale Umstellung von Hochleistung auf Vollweide für seine Familie definitiv die richtige Entscheidung war: «Dass unser Betrieb im Zuge dieser Umstellung nun auch resilienter geworden ist, war zwar nicht von Anfang an oberste Priorität, bestätigt unseren Weg aber.»

Betriebsspiegel Lärchenhof

Betriebsleiter: Nicolas und Hanspeter Marti Ort: Lärchenhof, Abtwil AG Fläche: 24,5 ha LN, Talzone Tiere: 50 Kühe, Aufzuchttiere bis 4 Monate, 10 Mastochsen, 10 Zuchtenten, 2 Erpel, 120 Mastenten