Kurz & bündig
- Auf vielen Betrieben gibt es ältere Kipper, die nicht mehr ganz fit sind.
- Solche Hofkipper werden für diverse Arbeiten immer noch eingesetzt.
- Verbeulte Aufbauten oder verrostete Verschlüsse lassen sich reparieren.
«Vor einigen Jahren begann ich, ältere Kipper zu reparieren. Dabei hat sich rasch gezeigt, dass für solche Arbeiten eine grosse Nachfrage besteht», sagt Roman Honauer.
Der Unternehmer hat Ausbildungen als Landwirt und als Schlosser. Er weiss, was ein alter Hofkipper auf einem Landwirtschaftsbetrieb leisten muss.
«Diese Anhänger müssen heute nicht mehr die grossen Transportaufgaben übernehmen. Der landwirtschaftliche Transport hat sich mit der Einführung der Zweileiterbremse professionalisiert und viele Landwirte haben diese Arbeiten ausgelagert.»

Als Hofkipper sind sie unverzichtbar
Ganz verschwunden sind die alten Kipper allerdings noch lange nicht. Auf vielen Betrieben werden sie weiterhin benötigt. Auch wenn sie nicht mehr ganz in Schuss sind, transportieren sie dieses und jenes und sind als «Hofkipper» praktisch unverzichtbar.
Ein Neukauf lohnt sich für diese Aufgabe allerdings kaum. Also fährt man mit dem alten Anhänger weiter, bis nichts mehr geht.
«Dann muss man sich überlegen, wie viel man noch in einen solchen Kipper investieren will. Meistens sind die Heckladen ramponiert und müssen ersetzt werden», sagt Honauer.
Die Kipper, die bei ihm eine Auffrischung erhalten, sind meistens zwischen 20 und 40 Jahre alt. Es sind Anhänger, die auf dem Betrieb nicht mehr für den überbetrieblichen Transport gebraucht werden, für viele Arbeiten auf dem Hof aber weiterhin sehr praktisch sind.

Erst der Unterbau, dann der Aufbau
Mit einer neuen Heckwand ist es allerdings meistens nicht getan. «Wenn man einmal anfängt, an einem Kipper zu arbeiten, kommt schnell dieses und jenes zum Vorschein, das ebenfalls in Ordnung gebracht werden muss», sagt Roman Honauer.
Er geht deshalb systematisch vor. Als Erstes kontrolliert er den Zustand des Fahrwerks und der Brücke. Bei alten Kippern ist der Unterbau nicht selten verzogen. Dann muss dieser zuerst möglichst exakt ausgerichtet und wieder in Form gebracht werden. Erst wenn der Unterbau stimmt, kommt der Aufbau an die Reihe.
«Der Unterbau muss passen, wenn ich neue Bordwände korndicht aufbauen will.» Kipper sind oft während Jahrzehnten im Einsatz. Entsprechend gross können die Belastungen sein. Bei Dreiseitenkippern passiert es früher oder später, dass die Bolzen auf der falschen Seite gesteckt werden. Der Kippzylinder drückt dann gegen die Brücke und kann den Boden verbiegen.
Alter Kipper wird wieder fit
Landwirt Pascal Nägele aus Frick AG holt seinen frisch überholten Kipper bei Roman Honauer ab. Auch dieser Anhänger ist ein typischer «Hofkipper». Für die grossen Transporte wird er nicht mehr eingesetzt. Auf dem Betrieb möchte man ihn aber trotzdem nicht missen.
Getreide, Strohballen, Paletten und vieles mehr werden damit transportiert. Vor der Reparatur konnte der Kipper allerdings nur noch nach hinten entleert werden. Die Seitenwände liessen sich nicht mehr öffnen. Zudem war der Heckladen stark verrostet und nicht mehr stabil.
Honauer nahm den Kipper deshalb zuerst beim Unterbau unter die Lupe. Der war noch gut und wird voraussichtlich noch lange halten. «Mit dieser Voraussetzung lohnt es sich rasch, in den Aufbau zu investieren.»
Neue Heckwand und neue Rungen
Beim Aufbau ersetzte Honauer die komplette Rückwand und montierte neue Heckrungen. An diesen werden die Rückwand und die Seitenwände mit den Verschlüssen verriegelt. Auch die Hülsen, in welche die Rungen eingesteckt werden, mussten ersetzt werden.
Die verrostete Zentralverriegelung wurde entrostet und wieder sauber ausgerichtet. Damit lässt sie sich nun wieder leicht bedienen. Auch an der Stirnwand gab es Arbeit. Sie hatte sich nach vorne geneigt und verspannte dadurch die Seitenwände. Diese liessen sich deshalb nicht mehr richtig öffnen.
Honauer richtete die Stirnwand neu aus und ersetzte bei dieser Gelegenheit auch die untere Bordwand.

Jetzt klappt es wieder
Nachdem alles ausgerichtet worden war, konnten auch die seitlichen Bordwände wieder gängig gemacht werden. Dazu ersetzte Honauer einen Grossteil der Verschlüsse.
Auch die Verbindungen zwischen den oberen und den unteren seitlichen Bordwänden wurden erneuert. Nun lässt sich der obere Ring an den Seiten und hinten wieder abklappen. Mit den aufgefrischten seitlichen Zentralverschlüssen können zudem die unteren Bordwände geöffnet werden. Das ist beispielsweise beim Getreideabladen wichtig.
Für Pascal Nägele war die Reparatur auch wegen des Bremssystems ein Vorteil. Auf seinem Betrieb wird noch nicht mit Zweileiterbremstechnik gearbeitet. Bei einem neuen Kipper hätte deshalb auch der Traktor ersetzt oder auf Zweileiterbremse umgerüstet werden müssen.

Weiterfahren statt wegwerfen
Für Roman Honauer ist es eine grosse Motivation, wenn ein alter Kipper nach der Reparatur wieder auf den Hof zurückkehrt und dort weiterarbeitet.
Er sieht darin auch einen Beitrag zur Ressourcenschonung. Denn bei vielen alten Kippern sind längst nicht alle Teile am Ende, wenn der Aufbau defekt ist. Was noch gut ist, kann weiterverwendet werden.
Damit die neuen Teile möglichst lange halten, setzt Honauer auf verzinkten Stahl. Die von ihm angefertigten Teile gehen nach der Fertigung zur Verzinkerei. Vom Verzinken kommen sie zurück und werden anschliessend am Kipper montiert. So wird aus einem alten, krummen und rostigen Hofkipper wieder ein brauchbarer Anhänger.

Lohnt sich eine Reparatur?
Eine rundum neue Bordwand für einen Kipperaufbau ist eine grössere Investition. Deshalb nimmt Roman Honauer zuerst nur die beschädigten Bereiche unter die Lupe. Das kann die Seitenwand, die Heckwand oder auch die Stirnwand sein. Gerade bei älteren Kippern ist der Bereich rund um den Kornschieber eine Schwachstelle. Durch die Belastung kann sich die Bordwand dort mit der Zeit verziehen.
Wie aufwendig eine Reparatur wird, lässt sich deshalb nicht pauschal sagen. Bei einem Kipper kann beispielsweise nur ein Laden beschädigt sein, während bei einem anderen zuerst die ganze Brücke gerichtet werden muss. Auch die Zentralverriegelung oder andere Bauteile können zusätzlichen Aufwand verursachen.
Eine konkrete Vorstellung vom Materialaufwand gibt der Preis für die Stahlbordwände. Ein Rohling kostet rund 70 Franken pro Meter. Daraus entsteht mit Endleisten und Verschlüssen ein fertiger Aufbauteil. Bei Roman Honauer kann auch nur das Rohmaterial bestellt werden. Die Reparaturarbeiten führt der Kunde dann selbst aus.
Die Herausforderung bei solchen Reparaturen liegt darin, dass eine neue, gerade Bordwand auf einen Kipper trifft, der während Jahrzehnten gearbeitet hat. Da ist nicht mehr alles gerade. Bevor neue Teile montiert werden können, muss deshalb manchmal zuerst gerichtet und ausgebeult werden.
Wie hoch die Kosten am Ende ausfallen, hängt entsprechend stark vom Zustand und vom Umfang der Arbeiten ab. Eine pauschale Preisangabe ist deshalb wenig aussagekräftig.
Ob sich eine Reparatur lohnt, hängt aber nicht nur vom Zustand des Aufbaus ab. Auch Fahrwerk und Bremsen müssen noch in Ordnung sein. Schliesslich soll der Kipper nach der Reparatur noch einige Jahre sinnvoll eingesetzt werden können.

