Beim Planen und Bauen eines Stalles sind Landwirtinnen und Landwirte mit vielen Zielkonflikten konfrontiert. Gerade die steigenden Baukosten und die gleichzeitige Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sind Themen, welche stark beschäftigen.
Es wird in erster Linie für die Kuh gebaut
«Wir planen so viel ringsum, aber das, was wir planen, ist für die Kuh», sagt Martina Schmid, Kuhsignale- und Stallbauberaterin.
Martina Schmid weist auf die Bedürfnisse der Kuh hin: Futter, Wasser, Licht, Luft, Ruhe und Raum. Sie werden auch «die sechs Freiheitsgrade der Weide» genannt und sollten im Stall bestmöglich geboten werden. Ist nur eines dieser Bedürfnisse nicht gegeben, geht ein grosser Teil des Stallwertes verloren.
Deswegen sollte man sich bei der Planung bewusst sein, für wen gebaut wird, was die Kuh wirklich braucht und was auch für die Zukunft passt. Die Beraterin empfiehlt, nicht auf Kosten der Kuh Geld einzusparen. «Gerade natürliche Luft und natürliches Licht sind nachträglich teuer nachzurüsten», so Schmid.

Kuh möchte 14 Stunden liegen
Ein besonders wichtiger Bereich im Stall sind die Liegeboxen. Eine Kuh sollte idealerweise 14 Stunden pro Tag liegen. Kann sie dieses hohe Liegebedürfnis nicht erfüllen, kann das gravierende Folgen auf die Tiergesundheit, die Leistung und daher auf die Wirtschaftlichkeit haben. «Wer im Liegebereich spart, zahlt später», betont Schmid und weist auf die Wichtigkeit der Liegeboxen hin.
Ein weiterer wichtiger Punkt liegt bei der Fütterung. Mit gutem Futter allein ist die Kuh noch nicht gefüttert. Die Fressachse sollte wie eine Autobahn funktionieren, die Kühe sollten sich flüssig bewegen können. Dabei sollten sich Überlegungen zu den folgenden Fragen gemacht werden: Hat jede Kuh einen Fressplatz? Wie häufig wird gefüttert? Wer stösst das Futter zu? Benötige ich einen Futtertisch? Ist Wasser in der Nähe?
«Nicht maximal, sondern passend automatisieren»
Patrick Burren vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg geht auf die Kosten verschiedener Systeme ein und gibt Tipps, in welchen Bereichen Kosten bei der Planung und beim Bau eingespart werden können.

«Nicht maximal automatisieren, sondern passend automatisieren», rät Burren. Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sollen sich gut überlegen, in welchen Bereichen es Sinn macht, auf mehr Technik zu setzen: Setzt man auf einen Mistroboter oder doch auf einen Mistschieber? Braucht es bei der Fütterung ein vollautomatisches System oder reicht auch eine Teilautomatisierung? Gerade die Servicekosten können sich bei den verschiedenen Systemen stark unterscheiden.
Detailplanung erst zum Schluss ausarbeiten
Weitere Ansätze liegen bei der Hofdüngerlagerung, bei der die Investition oftmals mit hohen Kosten verbunden ist. Wichtige Punkte für Patrick Burren sind: Volumen richtig berechnen, volles Volumen ausnutzen (keine tieferen Fundamente oder Niveaus), Hofdüngerlager richtig positionieren (Anfall und Terrain berücksichtigen), Position des Rührwerks beachten.
Kosten können auch bei der Planung selbst eingespart werden. Nicht selten kommt es vor, dass viel Geld für fixfertige Baupläne ausgegeben wird und das Projekt gar nicht umsetzbar ist. Die Detailplanung sollte deswegen erst zum Schluss angegangen werden.
Ein mögliches Vorgehen könnte zum Beispiel so aussehen:
1. Idee und Strategie festlegen
2. Frühzeitig aktuellen Vollzug überprüfen
· Machbarkeit überprüfen: Emissionsabstände, TS-Berechnung usw. sowie Finanzier- und Tragbarkeitsprüfung
3. Konzept, Vorprojekt erstellen
· Grundriss entwerfen
· Tieranzahl festlegen
· Platz und Raumbedarf festlegen
4. Erst zum Schluss die Detailplanung angehen!
Unter anderem hatten die Teilnehmenden auch die Möglichkeit, zwei Milchviehställe in der Region zu besichtigen (siehe Bilder).



