Meine Schwiegermutter ist eine Perle. Stimmt, dieser Satz irritiert etwas. Aussagen wie «schwierige Schwiegermutter» hört man da öfter. Eine repräsentative Umfrage aus Deutschland zeigt, dass ein Drittel aller Frauen in einer Beziehung das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter als Belastung empfinden. Im Vergleich dazu: 50 Prozent der Männer beschreiben ihre Schwiegermutter als «eine liebenswerte Person». Erklärt wird dies unter anderem damit, dass Frauen viel mehr vergleichen und alles auf die Goldwaage legen.
Ich schätze an meiner Schwiegermutter ihre Hilfsbereitschaft und ihre Lebenserfahrung. Sie ist die Frau, die meinen Mann geboren und erzogen hat – und dieser ist meines Erachtens echt gut geraten.
So gelingt das Zusammenleben
Nachfolgend 10 Tipps, damit das Zusammenleben mit den Schwiegereltern auf dem
Bauernhof gelingt:
- Klare Regeln und Absprachen. Zuständigkeiten von Anfang an klären.
- Gegenseitiger Respekt.
- Toleranz, d. h. nicht jede Aussage auf die Goldwaage legen.
- Verletzende Aussagen oder gefühlte Angriffe ansprechen. Oft war es nicht so gemeint und hat dennoch getroffen.
- Akzeptanz: Schwiegermutter und Schwiegertochter müssen nicht alles gleich angehen und anschauen.
- Ratschläge als solche annehmen und sich nicht über die Belehrung ärgern.
- Unterstützung annehmen und dankbar sein dafür.
- Probleme frühzeitig ansprechen.
- Nähe-Distanz: Abstand halten (nicht nur in Zeiten von Corona). Als Familie bewusst auch Aktivitäten ohne Schwiegereltern planen.
- Abschied nehmen von den festgefahrenen Vorstellungen, wie etwas sein soll.
Grosser Erfahrungsschatz der Älteren
Wie auf vielen Betrieben leben meine Schwiegereltern im Stöckli neben dem Bauernhaus. Klare Abmachungen und Zuständigkeiten waren uns von Anfang an wichtig. Mit der Hofübernahme wurde geregelt, wer z. B. den Schopf wischt oder wer für die Heizung zuständig ist. Absprachen sorgen für einen sicheren Rahmen, darin gibt es immer noch Platz, einander gegenseitig auszuhelfen.
Meine Schwiegermutter hat grosse Erfahrung auf dem Betrieb, mit der Familie, beim Kochen, im Garten. Viele ihrer Tipps erleichtern auch meinen Alltag. Oft war und ist es praktisch, dass sie direkt nebenan wohnt und ich Hefe, Salz, Abwaschpulver, usw. ausleihen kann.
Meine Schwiegermutter ist immer für andere da. Sie unterstützt ihren eigenen Vater, ihre Kinder, Grosskinder und pflegt Kontakte. Sie managt den eigenen Haushalt und arbeitet draussen. Die Grosskinder finden bei ihr immer ein offenes Ohr, Trost, jemanden zum Spielen, zum Basteln und zum Vorlesen. Sie kocht unter anderem die besten Knöpfli der Welt und hat die Fähigkeit, aus wenigen Naturmaterialien wunderschöne Dekorationen zu zaubern. Sie ist sich der Generationen-Problematik bewusst und spricht daher heikle Themen direkt an.
Als Junge will man etwas zurückgeben wollen
Manchmal stellt sich bei mir die Frage nach der Gerechtigkeit. Zurzeit profitiert meine Familie viel stärker von der Hilfe der Schwiegereltern als umgekehrt. Irgendwann kommt aber vielleicht der Punkt, wo sich die Situation ändert, da auch die Schwiegereltern älter werden. Ich hoffe, dann etwas zurückgeben zu können. Aktuell schätzt meine Schwiegermutter meine Hilfe bei Computerproblemen, beim Einrichten von Whatsapp oder wenn der Drucker nicht macht, was er soll. Ab und zu gibt es etwas Schweres zum Tragen oder mein Schwiegervater isst bei uns, wenn seine Frau ausnahmsweise nicht zu Hause ist.
Nein, auch bei uns läuft nicht immer alles reibungslos. Manchmal gibt es Missverständnisse oder eine Aussage kann verletzend sein. Oft scheitert es an mangelnder Kommunikation oder wir sprechen scheinbar vom Selben, verstehen aber dennoch nicht das Gleiche.
Ab und zu ein Auge zudrücken
Meine Schwiegermutter findet sicher nicht alles gut, was ich tue und umgekehrt. Das ist ganz normal. Wir sind gefordert, immer wieder tolerant zu sein, mit gegenseitigem Verständnis zu reagieren und hier und da ein Auge zuzudrücken. Unklarheiten und Schwierigkeiten müssen jedoch angesprochen werden.
Spannend finde ich die Vorstellung, dass ich vielleicht selber irgendwann Schwiegermutter sein werde. Doch allein der Titel «Schwiegermutter» sollte nicht die Ursache sein, der Probleme mit der jüngeren Generation verursacht. Ich bin dankbar, können meine Schwiegermutter und ich uns gegenseitig akzeptieren und unterstützen. Mein Fazit ist klar: Meine Schwiegermutter ist eine Perle!
Wenn das Verhältnis schwierig ist
Für den Fall, dass das Zusammenleben nicht so harmonisch ist wie im Text, hat Ernst
Flückiger, Leiter Fachbereich Beratung und Coach am Inforama, folgende Tipps:
- Oft scheitert es an Details wie dem Garten, der Platz vor dem Eingang, ... Sprechen Sie an, was Sie stört und wie es Ihnen dabei geht.
- Schaffen Sie zum Ansprechen von Reibungsflächen Raum und Zeit. Dies kann zum Beispiel eine gemeinsame Kaffeepause sein, wenn die Kinder in der Schule sind und ungestört miteinander gesprochen werden kann.
- Lassen Sie das Vergleichen. Wer wirklich den schöneren Garten hat, ist Ansichts-
sache. - Und die Rolle der Männer? Der junge Bauer ist gefordert, klar und eindeutig zu seiner Frau zu stehen. Besonders in Konflikten ist von entscheidender Bedeutung, dass die junge Frau, die in der Regel von aussen auf den Betrieb gekommen ist, spürt: «Mein Mann hält
zu mir.» - Fordern Sie rechtzeitig Hilfe an und fressen Sie den Frust nicht in sich hinein. Ein Coaching kann helfen.

