Es wird überall viel geredet. Unsere Kompetenzen werden laufend erweitert, geprüft und bewertet. Leitbilder formuliert, To-do-Listen geschrieben. Aber Theorie ohne Handeln hat keine Stärke, keinen Sinn. Wer nicht losmarschiert, kommt nie an. Eine banale Weisheit, die trotzdem oft vergessen wird.
Innert 72 Stunden
Die 72-Stunden-Regel besagt, dass man innerhalb von 72 Stunden nach einem Entschluss einen ersten Schritt zur Umsetzung des Ziels machen sollte. Verplempert man diese Zeit, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung rapide.
Aber was, wenn der Einstieg ins Tun nicht klappt? Auch hier hilft aktiv sein. Im Wald spazieren gehen oder ein Bullet Journal führen – etwas tun und in Bewegung sein hilft oft, die Gedanken zu sortieren. Grundsätzliche wertvolle Arbeiten werden durch Technologien wie den Thermomix und Co. wegrationalisiert. Sie sollen uns die lästige Schnipselarbeit in der Küche ersparen, doch genau bei solchen Tätigkeiten hat man Zeit, neue Ideen zu entwickeln, Probleme zu überdenken und Lösungen zu finden.
Was ist ein Bullet Journal?
[IMG 2] Ein Bullet Journal ist ein selbst gestaltetes Kalender-Tagebuch mit thematisch strukturierten Einträgen – den Bullets. To-do-Listen, Skizzen oder kurze Tagebucheinträge – das alles passt hinein. Das sorgt für einen Überblick und eine strukturierte Organisation. Die Grundlage für ein Bullet Journal ist ein Notizbuch. Grundsätzlich kann man jedes Heft verwenden. Besonders vielseitig lassen sich aber zart gepunktete Hefte einteilen. Fürs Beschreiben eignen sich wasserbasierte Stifte. Der Erfinder des Bullet Journals ist Ryder Carroll, ein Designer für digitale Produkte aus New York. Als er ein Kind war, wurden bei ihm Lernschwierigkeiten diagnostiziert. Er suchte daher nach alternativen Wegen, um fokussiert und produktiv zu bleiben.
Steuer in die Hand nehmen
Bäuerinnen und Landwirtinnen leben mit und von der Natur und wissen, dass sie unser wichtigstes Gut ist. Wir können die Klimaprobleme verdrängen oder Verantwortung übernehmen. Auch kleine Schritte geben uns dabei das Gefühl, zu handeln. Warum zum Beispiel nicht das Auto einmal stehen lassen? Statt zwei billiger T-Shirts ein hochwertigeres kaufen oder ein neues Linsengericht ausprobieren?
Oder kommen wir zum Thema Gesundheit: Noch nie haben wir so viel gewusst über Ernährung und Bewegung, und trotzdem gelingt es uns oft nicht, gesund zu leben. Vielleicht wollen wir zu viel? Kleine Schritte können helfen: Jedes Mal dreimal tief durchzuatmen, wenn ich die Hände wasche, geben mir das Gefühl, etwas für mich zu tun.
Buchtipp: Den Frosch essen
[IMG 3] Ein amerikanisches Sprichwort sagt: «Wenn du jeden Morgen einen lebendigen Frosch isst, hast du das Schlimmste, das dich an diesem Tag erwartet, bereits hinter dir.» Für Autor Brian Tracy ist «Eat that Frog!» (übersetzt «Iss den Frosch») daher eine ideale Metapher für die Bewältigung schwieriger Aufgaben. Brian Tracy schlägt folgende sieben Schritte vor: 1. Schritt: Entscheiden Sie, was Sie genau wollen. 2. Schritt: Schreiben Sie Ihr Ziel auf. 3. Schritt: Setzen Sie sich für Ihr Ziel eine Frist – und bei Bedarf auch Zwischenfristen. 4. Schritt: Erstellen Sie eine To-do-Liste von allem, was anzupacken ist, um Ihr Ziel zu erreichen. 5. Schritt: Machen Sie aus der Liste einen Plan. 6. Schritt: Setzen Sie Ihren Plan sofort in die Tat um! Tun Sie etwas – irgendetwas. 7. Schritt: Nehmen Sie sich fest vor, jeden Tag etwas zu tun, das Sie Ihrem Hauptziel näher bringt, auch wenn es nur ein winziger Schritt ist. Buch: Eat that Frog: 21 Wege, wie Sie in weniger Zeit mehr erreichen, Brian Tracy, Gabal-Verlag, 144 Seiten.
Festhalten oder loslassen?
Wie sieht es mit Aufgaben aus, die wir übernommen haben? Wollen wir sie wirklich noch? Passen sie noch? Als Bäuerin kann ich mich fragen, ob ich weiter jede Woche Brot für den Direktverkauf backen soll, auch wenn ich vor lauter Arbeit immer müde bin. Schwierige Entscheidungen mit grosser Tragweite können uns lähmen.
Eine Antwort zu finden, braucht Geduld. Doch man kann diese Zeit nutzen, um in Ruhe die Vor- und Nachteile abzuwägen. Vielleicht entscheidet man sich dann fürs Loslassen. Vielleicht aber auch fürs «Bleiben». Doch dann ist es ein bewusster Entscheid – bereits das kann helfen. Dann lässt man es nicht einfach nur geschehen.
Die Vierung
Ein Lösungsansatz ist die sogenannte Vierung von Burkhard Bensmann, Buchautor und Experte für Veränderungsprozesse. Sie ist ein bewusstes Innehalten vor dem Start:
- Was will ich weitermachen?
- Was will ich anders machen?
- Was will ich neu machen?
- Was will ich nicht mehr machen?
Notieren Sie die vier Fragen auf grosse Blättern, die Sie aufhängen. Auf Post-it-Zetteln schreiben Sie die wichtigsten Punkte. Klebezettel haben den Vorteil, dass Sie sich nach längerem Überlegen auch umentscheiden können: Wenn man sich getraut, Zettel von «Anders machen» dann doch eher unter «Nicht mehr machen» aufzukleben, führt man gleichzeitig seine persönliche Müllabfuhr durch.
Von Hand schreiben
Die Fragen können auch digital bearbeitet werden. Beim Schreiben von Hand wird hingegen die Feinmotorik aktiviert. Ich muss genau überlegen, was ich festhalten will, kann nicht einfach löschen und austauschen. Das Schreiben von Hand ist deshalb durchdachter und effizienter.

