Dank des Zebu-Stiers hat Joachim Krebs weniger Probleme mit Kälberkrankheiten

Der Betriebsleiter Joachim Krebs entschied sich für einen Zebu-Stier. Nicht nur wegen der besseren Hitzeverträglichkeit. Mit seiner Wahl ist der Betriebsleiter sehr zufrieden.

Bereits die dritte Kälberserie haben Joachim Krebs und sein Vater Lorenz Krebs von ihrem brasilianischen Zebu-Stier. Beim Betriebsbesuch geht es vor allem um den Grund für den Einsatz dieses Stieres, die Eigenschaften des südländischen Zebu-Rindes und die Vermarktung des Fleisches.

Dank des Zebu-Stiers hat Joachim Krebs weniger Probleme mit Kälberkrankheiten
Trotz scheuem Charakter hat der Betriebsleiter Joachim Krebs das Vertrauen seiner Zebu-Rinder gewonnen.

Probleme mit den Kälbern

«Wir hatten immer wieder Probleme mit der Gesundheit unserer Kälber. Ständig litten sie an Durchfall und Lungenentzündungen, die wir nur schwer behandeln konnten», erzählt Joachim Krebs.

Als er auf der Agrimesse in Thun war, wurde ihm von Hansruedi Lobsiger erzählt, dass der Einsatz eines Zebu-Stieres diese Problematik massiv senke. Damals war Joachim Krebs noch skeptisch: «Ich glaubte zuerst nicht wirklich daran, aber was hatten wir schon zu verlieren?»

Sie mieteten erst einen Stier von Hansruedi Lobsiger, Zebu-Experte von Mutterkuh Schweiz. «Als dann die ersten Kälber dieses Zebu-Stiers zur Welt kamen, merkten wir schnell, dass das keine leeren Worte waren an der Messe in Thun», sagt Krebs und betont dabei, wie zufrieden er mit Lobsigers Engagement für diese exotische Rasse ist.

Viele Rassen in einem Stall

So wurde der vorerst gemietete Stier kurz darauf gekauft. Etwa die Hälfte der gemischten Sim­mental-Hinterwäldler Kühe belegt Joachim Krebs mit einem anderen Stier. Damals war es ein Stier der Rasse Hinterwäldler, am Tag des Betriebsbesuches traf die BauernZeitung auf einen stämmigen Salers-Muni.

Mit dem Aufteilen der beiden Stiere auf die Herde können sie das Inzuchtrisiko minimieren. «Ausserdem ist uns wichtig, den Heterosiseffekt, der entsteht, wenn Eigenschaften von zwei verschiedenen Rassen kombiniert werden, nicht zu verlieren», ergänzt Joachim Krebs. «Der Salers- und der Zebu-Stier verstehen sich super. So hat der Salers-Stier Paco kürzlich den Zebu-Buckel von Pedro ausgiebig abgeleckt», sagt Joachims Vater Lorenz Krebs mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Zebu-Haltung hat wesentliche Vorteile

Doch eigentlich sind die genannten Vorteile der Buckelrinderrasse eher wenig bekannt. Meist wird sie wegen ihrer besseren Hitzeverträglichkeit gehalten. «Durch die grössere Hautoberfläche, die dementsprechend mehr Schweissdrüsen enthält, kommen Zebus besser mit der Hitze klar», so Joachim Krebs. Die grösseren Ohren dienen zudem der Hitzeregulierung.

Dank des Zebu-Stiers hat Joachim Krebs weniger Probleme mit Kälberkrankheiten
Ein grosser Teil des Stalles ist der sommerlichen Hitze ausgesetzt. Der exotischen Rasse macht dies nicht viel aus.

«Unsere Zebus haben einen starken Herdentrieb, da hätte es ein Beverin-Rudel schwerer, Schaden anzurichten», sagt Lorenz Krebs mit Blick auf das mittlerweile ziemlich bekannte Bündner Wolfsrudel. Der Mutterinstinkt sei sehr stark, die Kälber suchen den nahen Kontakt zum Muttertier intensiver als Kälber anderer Rassen.

«Einzig dem Umgang mit den Tieren kommt der starke Mutterinstinkt nicht entgegen», so Joachim Krebs, «doch wenn man lernt, wie man mit ihnen umgehen soll, und ihren Charakter berücksichtigt, kommt man gut mit der eher schüchternen Rasse klar.» Generell müsse bei den Kälbern selten eingegriffen werden – sei es wegen Krankheiten oder mit dem Helfen beim Saufen nach der Geburt. «Diese Kälber haben einen solch starken Lebenswillen, in fast allen Fällen finden sie die Zitzen, um schnellstmöglich an frisches Kolostrum zu gelangen», meint ­Joachim Krebs, dessen Aussage sogleich von seinem Vater ergänzt wird: «Wenn die Kälber in der Natur nicht sofort durchs Kolostrum gestärkt werden, leben sie nicht lange; dieses Bewusstsein liegt stark in den Genen der Zebus.»

Unter keinem Label

Der Betriebsleiter Joachim Krebs hat sich dazu entschieden, die abgetränkten Kälber selbst auszumästen. Heisst also, die Masttiere, die in einem Alter von 12 bis 14 Monaten geschlachtet werden, befinden sich zwar auf dem selben Betrieb, jedoch in einem anderen Stall. «Damit wir die Simmentaler-Mastkälber etwa in dem Masse wie ihre Zebu-Mastkälber-Kollegen mästen können, brauchen wir etwa 50 % mehr Energie», meint Joachim Krebs und ist daher sehr zufrieden mit der Fettabdeckung seiner eingekreuzten Zebu-Kälber. Einzig der Magerfleischanteil sei eher dürftig.

Dank des Zebu-Stiers hat Joachim Krebs weniger Probleme mit Kälberkrankheiten
Mit der Mastleistung der Ausmasttiere ist Familie Krebs sehr zufrieden.

Betriebsspiegel Familie Krebs

Name: Joachim Krebs Ort: Bühl BE Ackerfläche: Mais, Weizen, Triticale, Gerste, Sorghum Viehbestand: 60 Tiere

Das Fleisch der Tiere der Familie Krebs gelangt praktisch vollumfänglich an diverse Metzgereien, geschlachtet werden die Tiere in Avenches VD. Dabei sei die Nachfrage deutlich grösser als das Angebot. Dies jedoch unter keinem Label: Schon lange hätten sich Vater und Sohn dafür entschieden, aus der Labelproduktion auszusteigen. «Als das Label-Programm forderte, dass die Tiere noch mehr Grundfutter via Weidegang aufnehmen sollten, konnten wir nicht anders», erklärt Joachim Krebs. Sie hätten viel zu wenig Futter wegen der steigenden Trockenheit. Doch auch wegen dieser Trockenheit oder vor allem der immer heisser werdenden Sommertage haben sich Joachim und Lorenz Krebs für den Zebu-Stier entschieden – und sie bereuen es sichtlich nicht!