Seit über einem Monat schon hat die Erde den Frühlingspunkt überschritten und damit die «Jahreszeit des Erwachens» eingeläutet. In rasendem Tempo scheint es nun auf den Sommer zuzugehen – die Welt um uns wird heller und lebendiger. Und genau so, wie sich die Natur immer farbenfroher kleidet, so bunt verhält sich auch das Wetter.
«Wechselhaft» wird zum Standardbegriff in den Wetterprognosen; der Schirm, die Badehose und die Winterjacke zum Alltagsoutfit. Morgendliche Nebelfelder übergeben das Zepter dem mittäglichen Blau, das nach und nach von quellenden Wolken verziert wird. Kurz darauf platzen Regentropfen oder gar Hagelkörner auf den Asphalt. Und die Temperatur macht Sprünge: Von frostigen Tiefen schiesst sie tagsüber in beinahe schon heisse Höhen. Ungefähr so zeigt sich der April und ungefähr darum erhielt das «Aprilwetter» auch seinen Namen. Den Grund für die frühjährlichen Launen der Natur haben wir bereits im letzten Artikel genauer studiert.
Sture Kaltluftmassen über Europa
Kaum hat das Sommerhalbjahr auf der Nordhalbkugel begonnen, bilden sich über Europa vermehrt starke Temperaturgradienten aus. In den hohen Breiten hat sich in den Wintermonaten eine ziemlich sture Kaltluftmasse gebildet. Diese und das nordatlantische Meerwasser mögen sich mit der im Frühling zunehmenden Sonneneinstrahlung nur widerwillig erwärmen.
Anders verhalten sich die Luft und das Meer südseits der Alpen. Hier scheinen die Sonnenstrahlen weitaus beliebter zu sein, die Erwärmung der Luft und des Meeres schreitet schneller voran.
Typisches Aprilwetter
In der Schweiz bepudert derweil winterliches Weiss die Gipfel, während spriessende Blumen die Wiesen der Tieflagen beschmücken. In einer solchen Szenerie findet das Schauspiel «Aprilwetter» besonders gerne statt: ein Schwall kalter, nordatlantischer Meeresluft, der in die verschneiten Alpen vorstösst, und gleichzeitig der Sonnenschein, der tagsüber die schneefreien Tieflagen aufheizt. Diese warmen, feuchten Luftblasen heben sich vom Erdboden ab und steigen in die eisige Höhenluft auf. Rasch kommt es zur Kondensation, die Wassertropfen bilden sich zu grossen Quellwolken aus und schon grollen die ersten Donner in der labilen Atmosphäre.
Ein weiteres beliebtes Gesicht des Frühlings ist dicht, bauschig und teilweise noch ziemlich hartnäckig. Eine Hochnebeldecke, die sich über dem Mittelland weitet, eine zügige Bise (Nordostwind), die das Grau gar bis in die Alpentäler drängt und erst wieder verstummt, wenn sich der eisige Nachthimmel auftut. Klare Hochdrucklagen wiederum können die Temperatur tagsüber in schwindelerregende Höhen locken. Und genauso können es die Zuströme warmer Südluft am Rande der Tiefdruckgebiete, die den Schnee der Berge verscheuchen, kurz bevor ihn eine Kaltfront wieder ins Tiefland holt.
Bei all diesen Szenarien ist es also kein Wunder, dass sich die Bauernregel «April, April, der macht, was er will» bis zum heutigen Tage bewährt.
Nasses Wetter könnte zugute kommen
Der Frühling scheint die Zeit des Jahres zu sein, in der Winter und Sommer um die Oberhand über das Wetter ringen. Mit Festen und Bräuchen haben die Menschen in Nord- und Mitteleuropa seit jeher dem Ringen mitgefiebert. So wurde beispielsweise die Walpurgisnacht, die letzte Aprilnacht, bereits im Mittelalter von festlichem Gebimmel und feurigen Riten begleitet. Und noch immer wird mit Glocken geläutet («Chalandamarz» in Graubünden) oder Feuer entfacht («Sechseläuten» in Zürich), um Wintergeister auszutreiben oder die jungen, bald fruchtbaren Böden zu feiern.
Ein Blick in die Bauernregeln offenbart: Auch in die traditionellen Reime des «Feldvolkes» haben es die launischen Frühlingsgesichter geschafft. So sollen «Gewitter, die der Mai gebracht, [...] stets ein gutes Jahr gemacht», zudem bringe «Viel Nebel im Frühjahr, viel Gewitter im Sommer» und schliesslich breche «Langer Schnee im März [...] dem Korn das Herz».
Bestätigt sich Bauernregel?
Wie sieht es nun mit dem Aprilende, genauer dem «Fest der Hexen» aus? Laut den bäuerlichen Wetterweisheiten hat «Regen in der Walpurgisnacht [...] stets ein gutes Jahr gebracht», gar «Sturm und Wind in der Walpurgisnacht [...] Scheune und Keller vollgemacht». Umso gespannter wird also der diesjährige Übergang in den Maimonat erwartet und ein Blick auf die aktuellste Prognose geworfen. Diese deutet darauf hin, dass sich tiefer Druck über Grossbritannien und dem Mittelmeer gegenüber dem hohen Druck über der Biskaya und Skandinavien durchsetzen wird. Nasses und mildes Wetter scheint die Bauernregeln der Walpurgisnacht bestätigen zu wollen.
Ob sich der April einen letzten Spass erlauben wird oder sich die reiche Ernte entschuldigen lässt, bleibt vorerst offen. Wir sind gespannt und lassen uns in der Zwischenzeit von Hochnebel, Platzregen und Sonnenschein unterhalten.

