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Wirtschaftliche Unabhängigkeit bleibt für die meisten ein Traum

Unsere Gastautorin blickt zurück auf die historischen Anfänge der Landwirtschaft. Dabei kommt sie zum Schluss, dass es den fleissigen Bauern in 10'000 Jahren nie gelang, ihren Traum von wirtschaftlicher Sicherheit und Unabhängigkeit durch harte Arbeit wahr zu machen.

Zweieinhalb Millionen Jahre lebten die Menschen als Jäger und Sammler. Das änderte sich vor etwa 10'000 Jahren, als der Homo sapiens begann, Landwirtschaft zu betreiben. In der fruchtbaren Gegend des Jordantals liessen sich die Bauern nieder, pflanzten Weizen, Erbsen und Linsen an und domestizierten als erstes die Ziegen.

Die Forschung ist sich heute aber einig, dass nicht nur im Jordantal die Landwirtschaft zu dieser Zeit begann. Man glaubt, dass zur selben Zeit auch in Mittelamerika Maiskolben und Bohnen angepflanzt und vermutlich Lamas gezüchtet wurden. Auch in China sollen Reis und Hirse gepflanzt und Schweine gehalten worden sein. In Neuguinea begann eine süsse Revolution mit Zuckerrohr und Bananen, in Westafrika pflanzten die Bauern Hirse, Reis, Sorghum und Weizen.

Mit dem Zusammenleben von Mensch und Tier kamen die Krankheiten

Nebst den Vorteilen, die dieses System brachte, brachte es auch Nachteile. Mit dem Zusammenwohnen von Menschen und Tieren begannen die Schwierigkeiten mit den Krankheiten und Seuchen. Virale wie auch bakterielle Erkrankungen waren an der Tagesordnung. Zu dieser Zeit war man überrascht und hatte keine Ideen, wie man dies verhindern und heilen konnte. Es gab viele Verluste und manche Hungersnot zu bewältigen. Auch heute ist das noch eine grosse Herausforderung mit den riesigen Herden in grossen Ställen. Es gilt immer wieder andere Seuchen zu bekämpfen.

Bis heute vom Staat abhängig

Auch läutete die landwirtschaftliche Revolution kein angenehmes Leben ein, im Gegenteil. Es musste viel mehr gearbeitet werden als in der Zeit als Jäger und Sammler. Es gab eine Bevölkerungsexplosion. Und bei Dürren, Heuschreckenschwärmen, Pilzbefall der Pflanzen usw. starben Tausende oder Millionen Menschen.

Den fleissigen Bauern gelang es nie, ihren Traum von wirtschaftlicher Sicherheit und Unabhängigkeit durch harte Arbeit wahr zu machen. Die damaligen Herrscher und Eliten nahmen den Bauern die Überschüsse weg und überliessen ihnen gerade so viel, dass sie überleben und weiterarbeiten konnten. Auch heute sind wir völlig vom Staat abhängig. Er gibt uns Direktzahlungen und bestimmt dafür, wie wir die Arbeit zu verrichten haben.

Globalisierung veränderte Vieles

Mit der Intensivierung des Handels und dem Aufbau der Imperien begann die Globalisierung vor einigen Jahrhunderten. In der Zwischenzeit sind alle Staaten voneinander abhängig. Die Industrialisierung hat sich durch die wissenschaftliche Revolution unglaublich schnell entwickelt. Sie brachte uns Erleichterung durch Technologien, aber veränderte die Gesellschaft extrem. Die Familie wurde abgelöst und die Leute vom Staat abhängig gemacht.

Als neustes Beispiel können ab 2023 Eltern für externe Kinder-Betreuungskosten bis zu 25'000 Franken pro Kind von der direkten Bundessteuer abziehen. Ich hätte keines meiner Kinder in den Hort gegeben. Die Lebensschule, welche die Kinder auf einem Bauernhof mitbekommen, ist schlicht unbezahlbar.

So hat auch die wissenschaftliche Revolution nicht nur Gutes gebracht. Seit 1974, der Erfindung des Computers, sind wir in der digitalen Revolution. Dies ist eine neue Herausforderung für die Menschheit und betrifft ganz stark auch die Landwirtschaft. Die Digitalisierung erleichtert vieles in Bezug auf die Handarbeit. Auch ich bin jedes Mal froh, wenn ich auf dem Handy die Animation auf Meteo anschauen kann und weiss, ob wir uns beim Heuen beeilen müssen oder nicht. Das Angebot erstreckt sich mittlerweile von Melk- und Traktorenroboter, bis hin zu Drohnen und Überwachungssystemen und vielem mehr, das den Landwirten die Arbeit erleichtern soll.

Jede Revolution bringt Vor- und Nachteile

Jede Revolution – sei es die landwirtschaftliche, die wissenschaftliche oder aktuell die digitale – verändert das Leben der Menschheit extrem und birgt viele Gefahren. Ob in dieser Zeit weiter von der Landwirtschaft gesprochen werden kann oder ob eine Unterscheidung zwischen dem digitalen und dem natürlichen Bauern gemacht werden muss, wird wahrscheinlich politisch entschieden.

Die einen Bauern werden den Traum von wirtschaftlicher Sicherheit und Unabhängigkeit leben können. Die anderen werden fleissig weiterarbeiten und so viel verdienen, dass sie überleben. Dies hat sich in den letzten 10'000 Jahren nicht verändert.