Bis anhin verlief der Herbst durchzogen und wechselhaft. Nebst Phasen mit grauem, nassem und windigem Wetter zeigte sich der Herbst wochenweise auch von seiner goldenen Seite – dem klassischen Altweibersommer. Dabei ist der Begriff «Sommer» genau betrachtet in diesem Zusammenhang nicht ganz korrekt, denn nach meteorologischer Definition spricht man erst bei Tageshöchstwerten von über 25 Grad von einem Sommertag. Wären wir im Sommerhalbjahr, so hätte die Wetterlage, die sich für die Oktobermitte abzeichnet, durchaus Potenzial für eine kleinere Hitzewelle. Hintergrund ist ein mächtiges Tiefdruckgebiet, das sich über dem Atlantik befindet und langsam in Richtung Portugal wandert. Wie immer dreht sich die Windströmung um das Tief im Gegenuhrzeigersinn. Das bedeutet, dass auf der Ostseite des Tiefs Wind aus Richtung Südwesten weht. Dieser Südwestwind wirkt wie ein Förderband, welches milde Luft aus Nordafrika nach Nordosten in Richtung Europa schaufelt. Im Hochsommer wären bei dieser Ausgangslage Hitzetage praktisch garantiert.
Ein Grad pro 100 Meter
Nun ist jedoch der Sonnenstand und die Tageslänge Mitte Oktober deutlich anders als im Hochsommer, was das Verhalten der Temperatur entscheidend beeinflusst. Damit die Warmluft überall zu spüren ist, müssen einige Faktoren zusammenspielen: Das Warmluft-Förderband aus Südwesten ist nämlich nicht in allen Höhen gleich stark ausgeprägt. Der Warmluft-Transport findet meist in etwas höheren Luftschichten statt – häufig in Höhen zwischen 1500 und 4000 m ü. M. In der Höhe ist jedoch der Luftdruck tiefer, wodurch auch die absoluten Temperaturen etwas tiefer sind. Selbst im Hochsommer gibt es auf 1500 Metern nur während Hitzewellen Werte von über 20 Grad.
Damit die Temperatur nun die Marke für einen Sommer- oder Hitzetag überschreiten kann, muss die Luft aus der Höhe also zuerst noch in tiefere Lagen transportiert werden, denn pro 100 Höhenmeter, die ein Luftpaket von oben nach unten gedrückt wird, erwärmt es sich um ein Grad. Dieser Transport von Luft aus höheren Luftschichten in tiefere Lagen und umgekehrt nennen wir «Durchmischung». Damit die Temperatur beispielsweise im Mittelland auf rund 500 m ü. M die Sommer-Marke von 25 Grad erreicht, muss einerseits die Temperatur auf 1500 Metern 15 Grad oder mehr betragen und anderseits die Atmosphäre durchmischt sein. Für den Beginn der Kalenderwoche 42 werden nun in den aktuellen Modellläufen auf 1500 Metern Temperaturen von 11 bis 18 Grad prognostiziert – somit wäre ein Sommertag im Mittelland auf 500 Metern also rein rechnerisch möglich, falls die Atmosphäre dann durchmischt wird.
Wir sind im Winterhalbjahr
Im Winterhalbjahr, also auch im Oktober, wird genau diese Durchmischung der Atmosphäre immer schwieriger. Es gibt grundsätzlich zwei Prozesse, die zur Durchmischung beitragen.
Thermik: Im Sommer hat die Sonne bei klarem Himmel genügend Kraft, um zuverlässig den Boden so stark zu erwärmen, dass Thermik entsteht und damit die Durchmischung in Gang setzt. Durch die langen Nächte im Herbst sammelt sich am Boden mehr kalte Luft an und durch den flachen Sonnenstand gibt es auch weniger Energie, um den Boden zu erwärmen. Damit wird es schwieriger, genügend starke Thermik zu entwickeln, die zu einer Durchmischung führt. Alleine die Kraft der Sonne reicht um diese Jahreszeit nicht mehr, um eine komplette Durchmischung zu erreichen.
Wind: Je stärker der Wind, desto stärkere Turbulenzen gibt es. Diese transportieren warme Luft. Für eine komplette Durchmischung alleine durch den Wind sind jedoch meist starke bis stürmische Windgeschwindigkeiten erforderlich.

