Er ist ein «Hagstüd»-Macher aus Leidenschaft. Seit 15 Jahren stellt der 75-jährige Walter Gwerder jeweils im Winter 1000 bis 1500 Zaunpfähle her. Seine Kundschaft stammt vor allem aus den Kantonen Schwyz und Luzern. Im Volksmund wird er «ds Wichlers Walter» genannt.
Jahrzehntelang hat der pensionierte Bauer mit seinem ebenfalls ledigen, 81-jährigen Bruder Josef das kleine Heimet Föllmis in Ried bewirtschaftet. Während Walter das Vieh zuhause und im Sommer auf der Alp Riggis betreute, ging Josef auswärts einer Arbeit nach, half aber immer beim Heuen und im Haushalt mit.
Jahrelang als Holzer
Im Winter war Walter Gwerder jahrzehntelang als Holzer tätig. Schon länger konzentriert er sich nun auf die «Kleinarbeit». Im Normalfall sind die Hagstüd von «ds Wichlers Walter» 1,6 Meter lang. «Auf Wunsch mache ich auch kürzere oder längere Hagstüd», erzählt Gwerder. Hergestellt werden die Zaunpfähle mit der Motorsäge. Das Fichtenholz stammt mehrheitlich von der Alp Riggis. Jeweils im Herbst wird das 1,6 Meter lange Rundholz von Walter Gwerder per Auto zum Föllmis in Ried transportiert, wo die zwei Brüder noch immer wohnhaft sind.
Lager auf dem Heugaden
In der Regel arbeitet der Rentner werktags einen halben Tag lang als Hagstüd-Macher. Flink schneidet er die Trämel mit der Motorsäge längsseitig auf, teilt die Hälften erneut entzwei, bis sie das gewünschte Format haben. Nach dem Zuspitzen werden die robusten Zaunpfähle auf dem gut durchlüfteten Heugaden gelagert.
1100 Stück aufs Mal
Und wie gelangen die Pfähle an die Kundschaft? «Die Hagstüd werden zum Teil vorbestellt und zum Teil spontan vor Ort verkauft», erklärt Walter Gwerder. Die Kundschaft stammt vor allem aus den Kantonen Schwyz und Luzern, die meisten sind Bauern und Älpler. Aber auch Bauunternehmer schätzen die robusten Zaunpfähle aus Ried. Gut in Erinnerung geblieben ist dem Hagstüd-Macher ein Bauer und Älpler aus dem Fürstentum Liechtenstein, der auf einen Hieb 1100 Hagstüd gekauft hat.
Walter Gwerder macht seine Hagstüd vor allem aus Freude an der Arbeit. Den Stundenlohn rechnet er nicht aus, er sei ja Rentner. Wer den Preis pro Hagstud wissen möchte, könne sich direkt bei ihm melden.
Zeitlebens auf der Alp
Und wie geht es weiter? «So lange ich gesund bleibe, mache ich gerne weiterhin Hagstüd», erklärt Walter Gwerder. Aber für heuer sei diese Arbeit erledigt. Nun freut sich der bescheidene Muotathaler auf die nahende Alpzeit auf dem Riggis. Denn auch nach dem Verkauf der Alp im Jahr 2017 darf er jeweils während der Alpsaison dort oben wohnen, wo er jeden Sommer seines Lebens verbracht hat.
Die Verantwortung fürs Vieh hat Walter Gwerder nicht mehr. Aber er hilft gerne beim Hagen, schaut, dass alles Vieh genügend Wasser in den Trögen hat und bringt die Alpmilch in die Alpkäserei Lipplisbüel.
CD vom talentierten Örgeler
Falls dann jeweils die Zeit noch reicht, liest er gerne Zeitung oder macht einen Jass. Bis vor wenigen Jahren spielte er öfter Schwyzerörgeli. Von seinem musikalischen Talent zeugt die CD «Urchig und virtuos», die anlässlich seines 65. Geburtstages 2011 erschienen ist.
«Ds Wichlers Walter» ist und bleibt ein Naturmensch. Die Arbeit in der Natur macht ihn glücklich und zufrieden. Und wenn es einmal regnet und regnet, pflegt der urchige Muotathaler zu sagen: «Äs hed nu allämal gkehrt.» Was auf Schriftdeutsch etwa Folgendes heisst: Das Wetter hat sich noch immer wieder geändert.

