Von der lieben Technik und unverhofften Heldentaten

Auch mit Ü50 kann Frau im Umgang mit dem Handy eine Heldin sein. Es braucht dazu nur die richtigen Fragen.

Ich höre ein mir sehr bekanntes «Pling» aus meiner Handtasche. Mein Handy hat mir eine Nachricht angekündigt. Ja, ich schaue nach. Und ja, ich warte meist nicht zwei Stunden. Denn es könnte eine wichtige Nachricht sein, hoffentlich etwas Erfreuliches, im besten Fall aber einfach ein Zeichen, dass in diesem Moment irgendjemand an mich denkt. Ein schönes Gefühl. Ich gebe gerne zu, dass ich diese Art von Kommunikation heute sehr schätze, auch wenn es niemals das direkte, persönliche Gespräch ersetzen darf. Ich kann als Abendmensch jederzeit Termine organisieren, der Tochter einen Einkauf in Auftrag geben, oder eben einem lieben Menschen zeigen, dass ich an ihn denke, auch dann, wenn die Zeit gerade nicht für ein Telefongespräch reicht.

Die Daumen- oder Zeigefinger-Technik

Diesmal ist die erwähnte Nachricht von unserer Tochter. Sie schickt mir zuerst ein Zwinker-Smiley, dann ein Bild von einem Handy mit einem über der Tastatur schwebenden Zeigefinger. Darunter steht geschrieben: «Hast du auch noch solche Eltern?» Ich muss laut lachen und denke: «Ja, meine Liebe, du hast noch solche Eltern.» Trotz nun doch schon langer Nutzung dieser Geräte schreibe ich immer noch mit nur diesem einen Zeigefinger und staune, wie flink die jüngere Generation mithilfe der beiden Daumen ihre Nachrichten eintippt. Kaum gedacht, schon versendet.

Die Kinder müssen aus der Patsche helfen

Ich bin eine klassische «Nur-Anwenderin» dieser für mich halt immer noch neueren Technik und bin einfach froh, wenn die Geräte funktionieren. Wenn nicht, werde ich ziemlich ungeduldig. Dies darum, weil ich mir nur in den wenigsten Fällen selbst helfen kann. Dann muss ich unsere Kinder fragen und diese lösen das Problem in solch horrendem Tempo - eben mit beiden Daumen –, so dass ich keine Chance habe, es ein nächstes Mal selbst zu können. Gäbig, wenn man nur die Kinder fragen kann und sich nicht bei fremden Leuten blamieren muss – denn oft wäre die Problemlösung peinlich einfach, «säge ömu aube die Junge».

Es kommt auf die Perspektive an

Ob man eine Sache gut kann oder nicht, ist, wie vieles im Leben, auch immer eine Frage der Perspektive. Denn ob Sie es glauben oder nicht, es gibt «im Fau» Menschen, die sind von meinen Handykenntnissen beeindruckt. Ich gebe zu, diese sind immer deutlich älter als ich. Eine Frau klagte mir, dass sie mit ihrem neuen Handy keine Fotos mehr machen könne. «Geng, weni wott fötele, de gsehni nume mi Gring.» Das war mein Auftritt. Nun konnte ich ebenso schnell helfen, wie es jeweils meine Kinder bei mir tun. Das Erklären der Selfie-­Kamera kriege ich nämlich hin.

Es funktioniert auch mit dem Zeigefinger

Ein anderes Mal konnte ich einen Herrn ü80 doch noch davon überzeugen, dass das Mobiltelefon nicht zwingend kaputt ist, wenn kein Klingelton zu hören ist, und auch ich die Stummschaltung rausnehmen kann, nicht nur das Personal des Swisscom-Shops. Da vollbrachte ich – eben aus ihrer Perspektive – wahre Wunder. Hey, ihr Jungen, auch mit ü50 und Zeigefingertechnik kann man noch eine Handy-Heldin sein. Es braucht nur die richtigen Fragen.