Die letzten Tage waren vor allem eins: heiss. Am 19. Juli 2022 erreichte das Thermometer praktisch in der ganzen Schweiz den bislang höchsten Wert in diesem Jahr. Dabei war dies nicht die erste Hitzewelle dieses Jahres und es wird mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht die letzte gewesen sein. Doch was sind eigentlich die Bestandteile einer solchen Hitzewelle?
Eine Frage der Definition?
Bereits bei der Definition, ab wann von einer Hitzewelle gesprochen wird, gibt es einige Unsicherheiten, denn in der Umgangssprache wird oft von einer Hitzewelle gesprochen, auch wenn die meteorologische Definition (noch) gar nicht erfüllt ist. Doch eine solch klare, einheitliche meteorologische Definition gibt es eigentlich gar nicht.
Je nach Wetterdienst werden unterschiedliche Kriterien verwendet, ab wann von einer Hitzewelle die Rede ist. Die Weltorganisation für Meteorologie, die WMO, hat die Definition sehr vage gehalten und bezeichnet Perioden von mindestens 5 Tagen, an denen die Tageshöchstwerte mindestens 5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt liegen, als Hitzewellen.
In der Schweiz existiert eine offizielle Definition durch die Meteo Schweiz; diese Definition ist auch massgebend für die Herausgabe von Wetterwarnungen vor Hitze. Dabei orientiert sich die Definition primär an der Belastung, die die Hitze auf den Menschen auswirkt. Bis letztes Jahr basierte die Definition auf einer Kombination von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit.
Belastung für den Menschen
Durch diese zwei Faktoren wurde ein Hitzeindex berechnet, der angibt, wie stark die Hitze den Menschen belastet. Anhand von Dauer und Intensität dieses Hitzeindexes wurden dann Hitzewellen definiert und entsprechend bewarnt. Seit letztem Jahr hat das Bundesamt für Meteorologie und Klima die Definition jedoch angepasst.
Neu ist die Tagesdurchschnittstemperatur das massgebende Kriterium für eine Hitzewelle. Überschreitet die Tagesdurchschnittstemperatur 25 Grad für mehr als drei Tage, wird dies als Hitzewelle bezeichnet und mindestens eine Warnung der Stufe 3 (erhebliche Gefahr) herausgegeben. Auch mit der Tagesdurchschnittstemperatur liegt der Fokus auf der Hitzebelastung des menschlichen Körpers. Die Luftfeuchtigkeit wird hier indirekt berücksichtigt, da man bei höherer Luftfeuchtigkeit in der Regel auch einen höheren Tagesdurchschnitt beobachtet: Bei hoher Luftfeuchtigkeit kühlt es in der Nacht weniger stark ab und der Tagesdurchschnitt steigt an.
Warnung am Dienstag
Unter diesem Blickwinkel erstaunt es nicht, dass bei der aktuellen «Hitzewelle» erst für Dienstag eine offizielle Warnung vor Hitze herausgegeben wurde. Denn vorher war die Luft zu trocken, wodurch es kühle Nächte und entsprechend tiefere Tagesdurchschnittstemperaturen gab. Für den Menschen wurde die aktuelle Hitzephase also erst vor Kurzem zu einem Problem, für die Natur hingegen war die Witterung schon vorher problematisch.
Hier sind es nicht ein Hitzeindex oder ein paar zehntel Grad mehr oder weniger, die belastend sind, sondern die andauernde Kombination von Trockenheit, starker Sonnen-einstrahlung und überdurchschnittlichen Temperaturen. Besonders problematisch ist dabei, dass sich diese Faktoren gegenseitig beeinflussen und verstärken können. So zum Beispiel, wenn durch zunehmende Trockenheit die Sonneneinstrahlung zunimmt, da sich weniger Quellwolken bilden und die Temperatur schneller ansteigt, weil keine Energie in die Verdunstung gesteckt werden kann.
Gewitter helfen wenig
Dass eine Hitzewelle häufig durch kräftige Gewitter beendet wird, bringt ebenfalls gerade mal im besten Fall eine Erleichterung für die Belastung auf den menschlichen Körper. Für die Natur sind die intensiven Gewitterregen auf stark ausgetrocknete Böden oftmals sogar noch ein zusätzliches Problem, da das Regenwasser dann nicht einsickern kann und zum grössten Teil oberflächlich abfliesst, was oft zu einer Bodenerosion führt.
Entlastung würde hingegen ein langsames, aber nachhaltiges Einsickern von kühlerer Luft mit entsprechend flächigem, eher schwachem Landregen bringen. Leider ist ein solches Szenario auch für den Rest des Monats eher unwahrscheinlich.

