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Tina Matzinger: Natur und Tiere als Inspiration

In ihrem Umfeld und rund um den Bauernhof findet Grafikerin Tina Matzinger Motive für Etiketten, Plakate und Logos.

Es wächst und spriesst und überwuchert rund um die «Walk-in-Wohngemeinschaft», in der Tina Matzinger lebt. Unweit der ehemaligen Mühle im thurgauischen Matzingen, die heute Wohnraum und ein Restaurant beherbergt, wohnt sie seit drei Jahren wieder auf dem kleinen Bauernbetrieb ihres Vaters Konrad Matzinger.

Er betreibt Milchwirtschaft, Munimast und Ackerbau. Auf dem Hof, auf dem sie bereits aufgewachsen ist, lebt zudem ihr Onkel Peter. Er ist für die Schweinezucht und mehrere Waldstücke zuständig. Der 89-jährige Grossvater, der ebenfalls Konrad heisst, vertritt die älteste Generation und hilft noch gern etwas bei der Stallarbeit mit.

«Wir haben in unserer WG nur eine Regel: Jeder kann im Laufe des Tages sein Geschirr in die Spüle stellen. Aber bis spätestens um Mitternacht muss sämtliches Geschirr abgewaschen sein», sagt Tina Matzinger. Neben der Pergola, die der Grafikerin auch als Arbeitsplatz dient, scharrt und gackert es munter von einer Hühnerschar. Die Türe zum Hühnerstall ziert ein Schild mit einem Hahn und der «Warnung»: «Betreten auf eigene Gefahr, hier wache ich.»

Die Inspiration für ihre Zeichnungen und Werbegrafiken holt sich Tina Matzinger aus der Natur rund um den Hof.
Die Inspiration für ihre Zeichnungen und Werbegrafiken holt sich Tina Matzinger aus der Natur rund um den Hof.

Hühner als Haustiere

Tina Matzingers liebste Haustiere sind die Hühner der Rassen Seidenhühner, Araucana und Easter Egger. «Ich denke, dass Hühner stark unterschätzte Tiere sind, denn sie sind intelligent und sozial eingestellt.» Manche ihrer Hühner folgen ihr auf Schritt und Tritt. Sie räumt ein, dass ihre Mitarbeit in Feld und Stall nur sporadisch möglich ist, dies besonders dann, wenn jede zusätzliche helfende Hand nötig ist. Als Kind übernahm sie gern den «Kälbli-Dienst»: Sie fütterte und betreute die Jungtiere.

Seit 2018 hat Tina Matzinger eine Teilzeitanstellung als Grafikerin bei der Agro Marketing Thurgau AG am Arenenberg (AMT). Inzwischen tragen einige Kampagnen der AMT ihre Handschrift, wie etwa ein Spatz, eingehüllt in Mütze und Schal, der daran erinnert, «langsam könnte man mal wieder über Glühwein nachdenken».

Gewitzte Tiere

Bei Tina Matzingers grafischen Arbeiten bevölkern bevorzugt Tiere die Etiketten, Logos und Websites für Hofläden. Sie gestaltete auch Plakate, Poster und T-Shirts. Manche ihrer Grafiken sind auch zum Schmunzeln, wie etwa ein sich gemütlich mit einem Glas Wein räkelnder Frosch als Werbung für einen Schaumwein. Solche Motive würden bei den Kunden im Gedächtnis haften bleiben, weiss Tina Matzinger aus Rückmeldungen.

Bei der AMT kann sie ihre kreativen Ideen einbringen, die dann die Etiketten und Logos von Winzern, Käsern und Hofläden zieren. «Ich schätze das.» Bereits als Kind habe sie viel gezeichnet. Die Comics von Asterix und Obelix und Papa Moll fand sie besonders inspirierend. Sie hat zwei jüngere Schwestern. Die ältere Schwester, die heute als Landwirtin arbeitet, zeichnet nach wie vor ebenfalls begeistert, ihre Comics sind jedoch nur Hobby.

Die Mühle Matzingen (links) gilt als Wahrzeichen der Gemeinde. Ganz in der Nähe ist der Landwirtschaftsbetrieb, auf dem Tina Matzinger aufgewachsen ist und wo sie heute wieder wohnt.
Die Mühle Matzingen (links) gilt als Wahrzeichen der Gemeinde. Ganz in der Nähe ist der Landwirtschaftsbetrieb, auf dem Tina Matzinger aufgewachsen ist und wo sie heute wieder wohnt.

Ein wenig «Bullerbü»

Als Kind machte Tina Matzinger an Malwettbewerben mit und gewann bei Volg kleine Preise, etwa Stofftiere. «Darauf war ich stolz und wusste deshalb bald, dass ich eine kreative Ader habe, die sich zu einem konkreten Beruf eignet.» Neben ihrem Kreativ-Job arbeitet die Grafikerin in einem kleinen Pensum als Pflegehelferin in einem Pflegeheim.

Sie schätzt diese Arbeit, obwohl diese oft auch körperlich anstrengend ist. «Unter den Betagten hat es viele ehemalige Landwirte. Von diesen erfahre ich in Gesprächen spannende Geschichten darüber, wie sich das Dorf Matzingen im Laufe der Jahrzehnte veränderte und wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde.»

An so manches, was früher als völlig normal galt, heute jedoch überreglementiert sei, erinnern sie die Schilderungen ihres Grossvaters. Bei einem Rundgang mit Tina Matzinger wähnt man sich als Besucher ein wenig in Szenen der Kinderbuch- und- Filmserie «Wir Kinder aus Bullerbü» von Astrid Lindgren. «Hier am Wasser mit der Sandbucht habe ich mit meinen Geschwistern gespielt. Und noch heute gehe ich gelegentlich am Morgen auf die grosse Wiese am Bach, wo für kurze Zeit Nebelschwaden aufziehen und man sich wirklich wie an einem mystischen Ort fühlt.»

Refugium für Mensch und Tier

Tina Matzinger streift gerne durch das Biotop entlang des Bachs, das direkt an den Hof angrenzt. Hier kann sie ihren Kopf von der Schreibtischarbeit wieder freibekommen. Obwohl sie glaubte, die Umgebung bestens zu kennen, machte sie kürzlich eine Entdeckung: Sie stiess auf eine Menge winziger, gelber Früchte am Boden unter einem Baum, der etwas abseits stand.

«Anfangs traute ich mich nicht, die Früchte zu versuchen. Als ich sie doch probierte, stellte sich heraus, dass es sich um eine alte und sehr schmackhafte Mirabellensorte handelt.» Tina Matzinger ist froh, dass rund um den Bauernhof das kleine Refugium, wie sie es bereits als Kind kannte, erhalten blieb. So habe sie hier unter anderem einen Eisvogel gesichtet. «Meinem Vater sind die gleichen Dinge wie mir wichtig. So dürfen etwa die Schwalben in seinen Stallungen Nester bauen und unter einer Metallwanne hinter dem Haus hat sich eine Igelfamilie angesiedelt.»

In der «Walk-in-Wohngemeinschaft» teilt sie ihren Lebensraum nicht nur mit den Bauernhoftieren, sondern auch mit zahlreichen Tier- und Vogelarten, die in modernen Siedlungen mit oft überpflegten Gärten keine Nahrung und Rückzugsorte mehr finden. Tina Matzinger gefällt das. Denn ein Leben in einer modernen Überbauung, wie es sie auch in Matzingen gibt, kann sich die Grafikerin nicht vorstellen.

Weitere Informationen: www.tina-matzinger.com

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