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Sonnengrüsse vom Genfersee: Niels Rodin züchtet Zitrusfrüchte in der Schweiz

Ob Zitrone, Mandarine, Orange oder Grapefruit – sie bringen Farben, wertvolle Nährstoffe und kulinarische Vielfalt auf den Esstisch. Der ehemalige Privatbanker Niels Rodin züchtet die Exoten mit Erfolg in der Waadt.

Zitrusfrüchte wecken Erinnerungen an warme Länder. Mit ihren leuchtenden Farben bringen sie Sonne in den Schweizer Winter.

30 Liter graues Wasser

Alle Zitrusfrüchte stammen von vier Arten ab, der Pampelmuse, Zedrat, Orange und Mandarine. Durch Kreuzungen und Züchtungen sind über 6000 Sorten bekannt. Alleine von Orangen soll es 400 geben. Sie wachsen an immergrünen, Dornen tragenden Bäumen, die bis zu 15 Meter hoch werden. Bereits vor über 2000 Jahren wurden sie in China, Indien und Südostasien kultiviert.

Yuzu wird seit Tausenden von Jahren im mittleren Yangtze-Becken in China angebaut. Im reifen Zustand sind die Früchte gelb.
Yuzu wird seit Tausenden von Jahren im mittleren Yangtze-Becken in China angebaut. Im reifen Zustand sind die Früchte gelb.

Die bei uns erhältlichen Früchte stammen aus Spanien, Italien, Marokko, Israel, der Türkei, im Sommer aus den USA, Israel oder Südafrika. Gewisse Sorten kommen fast nur in äquatorialen Ländern Asiens, Mittelamerikas oder Mexiko vor, wie etwa Limetten.

Die Arbeitsbedingungen auf Monoplantagen, der hohe Pestizideinsatz und Wasserbedarf (in einer Orange stecken bis zu 30 Liter graues Wasser) sind weniger schöne Seiten der beliebten Früchte. Sie kommen vorwiegend auf dem Land- oder Seeweg zu uns, schnell verderbliche mit dem Flugzeug.

Vielfältig nutzbar

Rund 400 verschiedene Stoffe sind in einer Zitrusfrucht enthalten. Herausragend ist der hohe Vitamingehalt. Bereits etwa eine Grapefruit oder zwei Orangen decken den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen. Dazu liefern sie u. a. Fruchtzucker, Kalium, Kalzium, Spurenelemente und Antioxidanzien.

Ausgepresster Fruchtsaft enthält keine Nahrungsfasern, dafür konzentrierten Fruchtzucker. Aus diesen Gründen empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung pro Tag höchstens 2 dl Saft, dazu ein bis zwei Portionen Früchte. Natürlich darf es etwas mehr sein, sofern man die Säure gut verträgt und keine Allergie auf Zitrusschalen hat. Da Orangen auch harntreibend wirken, sollen Personen mit Nierenproblemen die Menge beachten.

Die Bergamotte wird hauptsächlich wegen der ätherischen Öle angebaut, die in der Schale enthalten sind.
Die Bergamotte wird hauptsächlich wegen der ätherischen Öle angebaut, die in der Schale enthalten sind.

Bei Schlaflosigkeit, Nervosität und Verstimmungen

Auch die intensiven Duftstoffe in den Blättern und in den Schalen werden von der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie geschätzt. Die Aromen bilden die Basis für Liköre und Erfrischungsgetränke. Das Pektinaus der Gewebeschicht wird als Verdickungsmittel verwendet. Die Naturheilkunde setzt z. B. Neroliöl aus der Blüte von Bitterorangen gegen Nervosität oder Verstimmungen ein. Orangenblütentee kann gegen Schlaflosigkeit und bei Verkrampfungen helfen.

Zitronenkaviar aus Nyon

In humusreicher Erde und mit reichlich Wasser können Zitrusbäume auch selber gezogen werden. Allerdings nicht direkt aus den Samen, denn so tragen sie keine Früchte. Das musste auch Niels Rodin in Borex bei Nyon VD erfahren. Einst Banker, begann er in der Freizeit zu tüfteln, las viel und vernetzte sich mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt. Schliesslich fand er einen Wurzelstock, der auch im nass-kalten Winter und im Kalkboden in Borex gedeiht. Auf ihn pfropfte er die gewünschte Sorte auf; eine Veredelungsart, die auch im Rebbau bekannt ist.

Exemplare aus aller Welt

Die Zitrusfrüchte liessen Niels Rodin nicht mehr los. Er gab seinen gut bezahlten Job auf, um sich ganz der Züchtung und dem biologisch-dynamischen Anbau vor allem von Zitrusfrüchten zu widmen. Inzwischen bewirtschaftet er mehrere Gewächshäuser mit einer Gesamtfläche von 3400 m2. Bei Frostgefahr kann er sie mit eigenem Strom aus Fotovoltaik und Biomasse beheizen. Aus aller Welt werden ihm Exemplare zugesandt, wie etwa die Fingerlimette aus dem australischen Busch. Bricht man die Frucht entzwei, quellen saftig-saure Perlen heraus, die im Mund einen «crunchigen» Genuss bereiten.

Fingerlimette aus dem australischen Busch: Das perlenartige Fruchtfleisch erinnert nicht nur in der Form, sondern auch in der Konsistenz an Kaviar.
Fingerlimette aus dem australischen Busch: Das perlenartige Fruchtfleisch erinnert nicht nur in der Form, sondern auch in der Konsistenz an Kaviar.

«Meine Babys»

Rodin kennt jede einzelne seiner Pflanzen: «Es sind meine Babys.» Herkömmliche Orangen oder Mandarinen findet man unter den 150 verschiedenen Zitrusfrüchten keine. «Die Schweizer Landwirtschaft wird nie konkurrenzfähig sein zu den Billigimporten aus warmen Ländern.» Stattdessen züchtet er Spezialitäten wie Combawa, Konatsu oder Buddhafinger; meist nur je ein, zwei Bäume.

Buddhas Hand: Ihr blumiger, parfumähnlicher Duft macht die Früchte zu einem Raum- oder Schrankduft.
Buddhas Hand: Ihr blumiger, parfumähnlicher Duft macht die Früchte zu einem Raum- oder Schrankduft.

Gedeihen auch im Freiland

Seine Kundschaft ist auserlesen, etwa Sterneköche. Während Schweizer Konsumenten kernlose, farbintensive Früchte wichtig sind, setzt Niels Rodin auf den Geschmack. Eine seiner Visionen ist, dass Zitrusfrüchte, wie auch Granatapfel, Avocados oder Ingwer, in Zukunft aus heimischer Landwirtschaft stammen. Er hat bereits zwei Sorten entwickelt, die auch im Freiland bei Nyon gedeihen.

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