Hanspeter Müller übernahm den Betrieb von seinen Eltern mit 21 Jahren, 25 Kühen und einem Milchpreis von über einem Franken. "Wir haben damals gemeint, es sei eher zu wenig", sagt er heute. 30 Jahre später bekommt er noch rund 57 Rappen, in seinem Stall stehen 80 Kühe. Vor 15 Jahren war die BauernZeitung schon einmal zu Besuch auf dem Wilihof in Muri. Am 1. August 2004 luden Susanne und Hanspeter Müller zum Brunch und zeigten am Tag der offenen Türe ihren neuen Laufstall. "Hanspeter Müller setzt nach wie vor auf Milch", war die Schlagzeile. Würde er heute nochmals so viel Geld und Energie in die Milchwirtschaft investieren?
Klein angefangen
"Eine gute Frage", findet der Meisterlandwirt und denkt einen Moment nach. Das Telefon läutet, der Praktikant draussen auf dem Feld hat ein Problem. Der Chef kann es klären, dann wendet er sich wieder der Frage zu: «Ich bin mir nicht sicher - aber wir haben viele Ziele erreicht», sagt er. Mit zwei uralten Gebäuden und einer kleinen Herde hatte er den Wilihof übernommen, einen Familienbetrieb in fünfter Generation. Als junger Bursche frisch von der Lehre schien ihm das nicht gerade grandios im Vergleich zu den grösseren und moderneren Höfen in der Region. Er machte sich daran, seinen Betrieb zu entwickeln und ist zu einem Spezialisten für Milchwirtschaft geworden. Im Stall steht heute eine Braunviehherde mit 80 langlebigen und leistungsstarken Tieren. Vier 100 000er-Kühe sind momentan dabei und drei Kühe mit Zuchtfamilien.
Mit 60 Rappen kalkuliert
"Ja, ich bin zufrieden damit, wo ich heute stehe", bestätigt Hanspeter Müller. Aber er verschweigt nicht, dass er auf seinem Weg Lehrgeld bezahlt hat. Die Entwicklung des Milchmarkts hatte er sich beim Stallneubau anders erhofft. Er kalkulierte mit 60 Rappen Milchpreis, als er vor 15 Jahren den neuen Stall mit 45 Kühen in Betrieb nahm, und glaubte sich damit auf der absolut sicheren Seite. Jährlich stockte er um einige Kühe auf. Er kaufte Lieferrecht, das nach einiger Zeit fast nichts mehr Wert war. «Das Wachsen war teuer», kommentiert der Landwirt. Zwischenzeitlich baute er den Bestand auf 100 Kühe aus, kam dann aber zur Erkenntnis, dass er mit weniger Tieren mehr verdient und reduzierte wieder auf 80 Kühe.
Fütterung war Herausforderung
Eine Herausforderung war auch die Umstellung auf ganzjährige Silagefütterung. Aus Kostengründen wurden beim Neubau keine Silos erstellt. Zuerst konservierte der Landwirt das Futter in Ballen, dann in einer Wurst, aber die Qualität war nie befriedigend. Hochsilos kamen wegen des Ortsbildschutzes nicht in Frage, schliesslich wurden 2009 zwei 800-Kubikmeter-Fahrsilos gebaut. Mit denen ist Müller bis heute zufrieden: "Hätte ich gleich am Anfang gebaut, wären die Fahrsilos zu klein geworden." Die grossen Silos bringen Kontinuität in der Fütterung und beim Einbringen der Silage Effizienz und genügend Platz, damit zwei Fahrzeuge kreuzen können und das Häckselgut ausreichend gewalzt werden kann.
Fütterungsberatung nimmt Hanspeter Müller nur noch selten in Anspruch. Er hat sich intensiv mit dem Thema befasst und beurteilt es aus der ganzheitlichen Sicht des Betriebsleiters. Die Herdenleistung von rund 8000 Kilogramm Milch mit 3,7 Prozent Eiweiss und 4,4 Prozent Fett will er möglichst aus dem Grundfutter holen. Die Kühe erhalten heute deutlich weniger Kraftfutter als früher. Seine Buchhaltung zeigt, dass diese Strategie rentabler ist.
Andere wollen mehr
«Wir verdienen Geld beim Melken», sagt Hanspeter Müller, das schon – aber im Verhältnis zum Einsatz sei es viel zu wenig. Er findet, die Landwirtschaft müsse sich mit der übrigen Wirtschaft vergleichen. "Die wollen nicht fünf Prozent Marge, sondern hundert." "Und fünf Wochen Ferien, nicht zwei", ergänzt seine Frau Susanne. Die Ferien hat sie eingeführt. Ausser ein paar Tage Skifahren im Winter gab es die ersten zehn Jahre keine Ferien. Der Mann kam am Anfang widerstrebend mit, die Bäuerin selber hätte jeweils kurz vor Ferienantritt das Ganze am liebsten wieder abgeblasen – so vieles war vor der Abwesenheit des Betriebsleiterpaars zu organisieren, so vieles konnte zuhause schief gehen, während sie sich erholen wollten. Und einiges ging dann jeweils tatsächlich schief. Dennoch lassen sie sich die Ferien nicht mehr nehmen. "Es ist sehr wichtig, manchmal Abstand zu nehmen", ist Hanspeter Müller überzeugt. Aus der Vogelperspektive auf den eigenen Betrieb schauen und sich darüber Gedanken zu machen, statt nur immer chrampfen und abends todmüde ins Bett fallen. Er ist einer, der seine Abläufe und Zahlen kennt, analysiert und für Verbesserungen nutzt. Zusätzlich zur Ausbildung als Meisterlandwirt hat er die Handelsschule gemacht, er hat in verschiedenen Organisationen gewirkt wie beispielsweise im Vorstand der Milchproduzenten Mittelland. Das hat Zeit und Energie gekostet, war für den vielseitig interessierten Landwirt aber eine grosse Bereicherung.
"Der Einsatz, den man in der Milchproduktion leisten muss, ist extrem hoch", sagt Hanspeter Müller. Und doch ist er in all den Jahren ein leidenschaftlicher Milchproduzent geblieben. Er betont aber auch: "Ohne eine gute und tolerante Frau würde es nicht gehen." Susanne Müller führt den Familienhaushalt mit den fünf Kindern und den Mitarbeitenden und macht die Buchhaltung, daneben arbeitet sie einen Tag pro Woche am Spital Muri als Ernährungsberaterin. Von der Betriebsarbeit hat sie sich bewusst zurückgenommen. "Würde ich melken, würde mein Mann noch mehr anderes machen", ahnt sie. Er hat immer viele Ideen, sie bremst und erinnert daran, zuerst das Angefangene fertigzumachen.
Die nächste Generation
Die Chancen sind intakt, dass der Wilihof auch in sechster Generation in der Familie bleibt: Zwei Söhne sind interessiert. "Wenn wir den Hof übergeben, ziehen wir aus", wissen die Eltern jetzt schon. Mithelfen würden sie bei Bedarf gerne, aber es brauche auch etwas Distanz, wenn das Lebenswerk in andere Hände übergehe. Und wenn der Nachfolger den Betrieb neu ausrichtet, vielleicht sogar ohne Kühe? "Das würde mir wehtun, aber uns ist es wichtig, dass der neue Betriebsleiter seine eigenen Wünsche verwirklichen kann", sagt Hanspeter Müller.
Betriebsspiegel Wilihof in Muri AG
- Betriebsleiter: Hanspeter und Susanne Müller mit fünf Kindern im Alter von 11 bis 21 Jahren
- Fläche: LN 28 ha (Futterbau mit rund 6 ha Silomais, Rest Gras; 15 Prozent Ökoausgleich)
- Tierhaltung: Milchwirtschaft mit 80 BV-Kühen und 25 Aufzuchtrindern
- Arbeitskräfte: Betriebsleiter, ein bis zwei Lernende oder HAFL-Praktikanten
- Bautätigkeit: 2004 Neubau Laufstall mit Güllengrube und separatem Melkcenter; 2009 Fahrsilo und Abbruch alte Betriebsscheune; 2013 Mehrzweckgebäude, Überdachung Fahrsilo und Photovoltaikanlage
Sommerserie Teil 3
Wir blicken 15 Jahre zurück. Was ist aus den Personen, Betrieben und Projekten geworden, die wir damals im Sommer 2004 in der BauernZeitung vorgestellt haben? Wir sind erneut zu Besuch gegangen und haben nachgefragt. Diese Woche bei Hanspeter und Susanne Müller in Muri.

