ABO

Sommerserie Teil 3: Vom Wiesenberg in die Stadt Luzern gezogen

Katja Niederberger hat vor 15 Jahren Landwirtin gelernt. Heute wohnt sie in Luzern, hat Familie und betreut Hirsche im Stadtpark. Zu dieser Arbeit kann sie sogar ihre Kinder mitnehmen.

Zu Besuch im Hirschpark Luzern bei Katja Niederberger. Die aufgestellte Frau hat vor 15 Jahren als Klassenbeste die Ausbildung zur Landwirtin EFZ am BBZN in Schüpfheim abgeschlossen.

Landwirtin auf Umwegen

Katja Niederberger ist auf einem Bauernhof in Wiesenberg aufgewachsen. «Im Kindergarten habe ich immer erzählt, dass ich Bäuerin werde», sagt sie. Dann veränderte sich dieser Plan vorerst. Sie lernte im Kantonsspital Luzern Pflegefachfrau. Knapp ein Jahr nach der Lehre im Spital ging sie weg vom Beruf. «Bevor ich die Lehre als Landwirtin gemacht habe, war ich in Holland in einem Praktikum auf einer Farm», erzählt Katja Niederberger. Das hat sie dazu bewogen, sich von dort aus für eine Lehrstelle zu bewerben. Das Lehrjahr hat sie in Rothenburg im landwirtschaftlichen Altersheim Hermolingen absolviert. Dazumal sei das eine verkürzte Lehre gewesen, da sie ja schon eine Grundausbildung als Pflegefachfrau hatte.

Tun, was Freude macht

Zum Zeitpunkt des Lehrabschlusses vor 15 Jahren hatte Katja Niederberger eine befristete Stelle als technische Assistentin an der Forschungsanstalt Reckenholz ZH. Dort ist sie in der Futterpflanzenzüchtung tätig gewesen. Klee bestäuben und züchten sei zum Beispiel eine Aufgabe gewesen.

Es sei zwar interessant gewesen, aber auch viel Laborarbeit, die eher eintönig war. «Ich hätte sicherlich auch eine Möglichkeit gehabt, um zu bleiben, hätte ich mich ernsthaft darum bemüht», erzählt sie und lacht. Nach diesem Job im Labor habe sie einige Jahre bei der Spitex gearbeitet. Sie war in der Region Hochdorf tätig, eine eher ländliche Gegend, und viele Klienten waren alte Bauern. «Da konnte ich mit meinen Klienten fachsimpeln. Ich erzählte jeweils dem einen, ob der andere Nachbar schon gemäht hat und solche Geschichten», erzählt sie. Das sei eine schöne und amüsante Zeit gewesen.

Steckbrief

Name: Katja Niederberger
Ort: Luzern
Arbeit: Als Wärterin im Hirschpark Luzern, Büro in der Schreinerfirma ihres Mannes
Familie: verheiratet mit Beat, drei Kinder (Julia, 9, Valentin, 6 und Vitus, 4)


Bruder ist auf Heimbetrieb

Der Landwirtschaftsbetrieb im Wiesenberg wurde inzwischen von Katja Niederbergers Bruder übernommen. Zwischendurch gehe sie ihm helfen und auch ihre Eltern seien noch aktiv dabei. «Gestern ging ich heuen, er ruft jeweils an, wenn er Leute braucht», so Niederberger. Das mache sie sehr gerne. Für sie war es kein Thema, den Betrieb zu übernehmen. Der Bruder habe nun auch umstrukturiert von Milch- auf Mutterkühe und mit dem Käsen aufgehört.

Ihr Leben heute in Luzern

Katja Niederberger ist verheiratet und hat drei Kinder. Ihre Namen sind Julia, Valentin und Vitus. Sie heisse immer noch Niederberger, weil sie erst nach dem zweiten Kind geheiratet haben. So ging es einfacher und sie musste nicht nachträglich alles ändern. «Wir wohnen am Stadtrand in Richtung Würzenbach in Luzern», daneben hat die Familie einen Schreinerbetrieb, wo Katja Niederberger das Büro führt.

Die Veränderung vom Wiesenberg in die Stadt Luzern sei für sie nicht schlimm gewesen. «Wir haben ja eine Wohnung am Stadtrand, direkt am Wald mit grossem Garten. Man stellt sich unter Wohnen in der Stadt halt immer den Betonblock vor, der an den nächsten Betonblock schaut», erklärt sie, «neben unserem Haus haben wir noch ein kleines Bächlein, was unseren Kindern viel Freude bereitet beim Planschen.» Das Haus, in dem Familie Niederberger wohnt, ist über 300-jährig und steht unter Denkmalschutz. Es ist das Elternhaus ihres Mannes.

Bauern gefällt den Kindern

«Im Moment sind unsere Kinder im Wiesenberg, ich war ja gestern «häiwen» und wir haben dort geschlafen. Ich kam heute Morgen her, um die Hirschen zu versorgen und gehe am Nachmittag wieder in den Berg hinauf», erzählt Katja Niederberger. «Unsere Kinder finden es auf dem Bauernhof von meinem Bruder total «de Hit». Sie lieben es, in den Ferien dort zu sein. Es ist mega spannend, mit dem Muli mitzufahren, es gab vorgestern zwei Kälber, und sowieso ist es super», freut sich Katja Niederberger über die geteilte Freude zum Bauern mit ihren Kindern.

Arbeit im Hirschpark

Die Arbeit im Hirschpark kam eigentlich durch einen Zufall. Sie habe mal nebenbei gesagt, das würde sie auch gerne machen und so kam es dann irgendwann dazu, das sie Hirschwart wurde. Im Hirschpark sind vier Hirschwärter, die sich die Arbeit aufteilen. Haben sie viel oder grössere Unterhaltsarbeiten, gehen mehrere Wärter. Jeden Tag ist jemand vor Ort, der die Tiere versorgt. Das geht von Misten über Füttern bis zum Checken, ob alles in Ordnung ist mit den Tieren. Es gibt auch hin und wieder Führungen für externe Personen. «Im Hirschpark darf ich die Kinder sogar zur Arbeit mitbringen. Klar, alle drei wäre schwierig, aber so eines oder zwei geht», sagt sie. Das sei sehr grosszügig vom Verein Hirschpark und sie müssen keine externe Betreuung organisieren. Wenn mal eine Arbeit zu tun ist, bei der es nicht gut geht, schaut ihr Mann, der seine Firma ja direkt neben dem Wohnhaus hat. Im Hirschpark kommen verschiedene Leute vorbei. Er befindet sich oberhalb des Friedentals und neben dem Kantonsspital. «Es kommen auch viele Leute vom Spital vorbei und die Kindertagesstätte von unterhalb ist fast jeden Tag hier, um die Hirschen zu beobachten», berichtet Katja Niederberger.

Mit dem Alphorn nach Japan

«Reisen ist gut, man sieht verschiedene Sachen. Die Landwirtschaft in Holland ist zum Beispiel ganz anders als hier. Es sind andere Flächen und Dimensionen, aber schlussendlich geht es ja um dasselbe», berichtet Katja Niederberger von ihren Erfahrungen während der Zeit in Holland.
«Mein Mann Beat und ich waren zweimal über zwei Monate in Japan und ein paar Mal in Amerika», so Niederberger. In Japan wurden sie einmal eingeladen. Sie spielten dort mit ihren Alphörnern, ihr Job war, in einem Freizeitpark als Attraktion zu spielen. «Japan ist kulturell schon extrem anders, als wir es gewohnt sind, die Erfahrung war sehr interessant, ich würde aber nicht nach Japan auswandern wollen», sagt sie in ihrem Nidwaldner-Dialekt.
Früher spielte sie viel Alphorn, heute fehle die Zeit. Ihr Mann spielt weiterhin oft. «Ich sollte mehr üben, aber das wird später sicher wieder ein aktives Hobby von mir sein. Es ist einfach besser und einfacher, wenn man viel übt», so sei das beim Alphorn Blasen.

Katja Niederbergers Leben - damals und heute

damals

heute

Beruf

  • gelernte Pflegefachfrau
  •  Ausbildung Landwirtin EFZ abgeschlossen
  • an der Forschungsanstalt Reckenholz
    befristet angestellt
  • Hirschwartin in Luzern
  • Mutter von drei Kindern
  • Büroarbeit in der Schreinerei

Familie

  • alleinstehend
  • verheiratet
  • 3 Kinder

Betrieb

  • wohnhaft auf dem elterlichen Betrieb
    in Wiesenberg NW
  • kein landwirtschaftlicher Betrieb
  • Schreinerbetrieb zusammen mit Mann

Freizeit

  • sehr aktiv am Alphorn spielen
  • viel Freizeit für sich
  • Zeit mit der Familie verbringen
  •  langsam gibt es wieder mehr Luft, der Jüngste könne sich auch mal selber beschäftigen
  • Die Familie war soeben zwei Wochen in den Ferien (Waadtländer Alpen zum Wandern, Bräteln und Geniessen)

Pläne

  • Erfahrungen sammeln und Reisen
  • Handelsschule in Hohenrain
  • später einmal eine Familie
  • Noch nicht klar, Überlegungen, was sie später noch machen möchte, sind am Gedeihen

Weiterlesen

  • Unter diesem Baum entstand vor 15 Jahren schon das Titelfoto für Brigitte Käsers Studienarbeit zum Thema Lebensqualität.(Bild Ruth Aerni)

    Sommerserie: «Behalte neben aller Arbeit deine Inseln»

    Als Brigitte Käser aus Oberflachs vor 15 Jahren die Berufsprüfung Bäuerin machte, war sie mitten im Aufbau von Betrieb und Familie. Nun ist sie selbständigerwerbende Bäuerin und zuständig für den Betriebszweig Rebbau mit Direktvermarktung.
    Show more
    ABO
  • Gewinnen Sie zwei Tickets für die OLMA 2026!

  • Sommerserie traditionelle Handwerke: "Holz ist warm, lebt und hat Struktur, das hat Metall nicht"

    ABO