Familie Kuppelwieser zwischen Frost und Fruchtbarkeit

Im Frühling zählt jede Nacht: Familie Kuppelwieser schützt ihre Apfelblüten mit Frostberegnung – und stärkt die Pflanzen mit biologischem und biodynamischem Pflanzenschutz. Ihr Ziel: gesunde Früchte ohne Chemie.

Im Churer Rheintal, eingequetscht zwischen Bergen und Rhein, bewirtschaftet die Familie Kuppelwieser in Bad Ragaz SG einen Demeter-Obstbaubetrieb. Das Herzstück ist eine 12 Hektaren grosse Apfelplantage. Sie erinnert an das Südtirol. «Soweit hergeholt ist das nicht», erklärt Dominic Kuppelwieser. Sein Grossvater stammt aus der nördlichsten Provinz Italiens. Wo in Bad Ragaz heute die Apfelbäume stehen, bestellte er vor über 50 Jahren den Acker. Im ehemaligen Kuhstall geniessen Besucher heute hofeigene Mostvariationen.

Einkommen für die ganze Familie

Vor über 25 Jahren setzte das Betriebsleiterehepaar Annelies und Hermann Kuppelwieser auf Obst- und Beerenanbau in Bio-Qualität. Ein mutiger Schritt, denn damals war der biologische Obstanbau noch nicht weit verbreitet. Über die Jahre hat die Familie den Betrieb weiter entwickelt. Seit 2015 arbeitet Sohn Dominic tatkräftig mit.

Drei Jahre später eröffnete die Familie einen Hofladen kombiniert mit einem Hofcafé. Das dekorative Erscheinungsbild und das gemütliche Ambiente im «Kuppelwieser Hofladen & Café» tragen die Handschrift von Tochter Jacqueline. Alle Familienmitglieder erwirtschaften auf den 17 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche ihr Einkommen – Hand in Hand und Schulter an Schulter. So trotzen sie den Herausforderungen von Natur und Markt.

Der Demeter-Betrieb der Familie Kuppelwieser umfasst 17 Hektaren. Die Obstplantage befindet sich hinter dem Hof.
Der Demeter-Betrieb der Familie Kuppelwieser umfasst 17 Hektaren. Die Obstplantage befindet sich hinter dem Hof.

«Im letzten Winter gab es einige Kälteperioden, das war gut», berichtet Dominic Kuppelwieser. Auf natürliche Weise reduzieren die tiefen Temperaturen Schädlingsbestände. Ende Februar sorgte der Föhn im Churer Rheintal für Temperaturen bis knapp 20 °C. Diese Temperaturen wecken die Obstbäume aus ihrem Winterschlaf. Auf dem Rundgang durch die Obstanlage beäugt der Obstbaumeister seine Kulturen aufmerksam. Ende März sind die Blüten noch von den Kelchblättern umschlossen und auf natürliche Weise vor Kälte geschützt. Sobald sich die Blütenknospen öffnen, verwandelt sich die Obstanlage in ein weisses Blütenmehr und ist den tiefen Temperaturen ungeschützt ausgeliefert. Sollte Väterchen Frost zuschlagen, beginnen für die Familie die schlaflosen Nächte.

Schutz durch Frostberegnung

Die gesamte Obstanlage kann mit Frostberegnung vor Minustemperaturen geschützt werden. Der Niederschlag durch die Frostberegnung bildet eine Eishülle um die Apfelblüten. Bei der Bildung dieser Eisschicht wird Energie in Form von Wärme freigesetzt, die die Blüten vor den Minustemperaturen bewahrt. Zwei Wetterstationen in der Obstanlage ermöglichen eine exakte Beobachtung des Temperaturverlaufes. Nähern sich die Temperaturen dem kritischen Wert, berät die Familie gemeinsam das weitere Vorgehen. Die Frostberegnung sollte nur bei bestimmten Voraussetzungen eingeschaltet werden. Die Luftfeuchtigkeit sollte mindestens 80 Prozent betragen und es sollte windstill sein. Kalte Winde wehen die Wärmenergie davon. Pro Hektare und Stunde werden die Blüten mit 40 m³ Wasser berieselt. Einmal eingeschaltet, läuft die Beregnung bis zum ersten Sonnenstrahl.

Die Obstanlage ist durch Frostberegnung geschützt. Die Beregnung bildet eine Eishülle um die Apfelblüten.
Die Obstanlage ist durch Frostberegnung geschützt. Die Beregnung bildet eine Eishülle um die Apfelblüten.

Schönheit versus Pflanzenschutz

Sobald die Knospen aufbrechen, können sie von Pilzen und Schädlingen befallen werden. Deshalb beschäftigt sich die Familie Kuppelwieser schon vor dem Frost mit dem Pflanzenschutz. Sie kombinieren biologischen Pflanzenschutz und biodynamischen Präparaten wie Hornmist und Hornkiesel. «Unser Ziel ist es, die Pflanzen in ihrer natürlichen Abwehr zu stärken. Robuste, gesunde Pflanzen trotzen Witterung, Krankheiten und Schädlingen besser», erklärt Dominic Kuppelwieser. Trotzdem kann auf Pflanzenschutz nicht verzichtet werden. Die biologischen Mittel wirken oberflächlich und dringen nicht in die Pflanzen ein. Niederschlag von 20 mm wäscht die Mittel ab. Will man den Schutz aufrechterhalten, ist ein Spritzdurchgang nötig. Der Balanceakt zwischen wenig Pflanzenschutz und der Produktion von schönen Früchten fordert die Familie Kuppelwieser jeden Frühling aufs Neue heraus.

Klassiker und Spezialitäten

Einen Teil ihrer Beeren- und Apfelernte kann Familie Kuppelwieser im eigenen Hofladen vermarkten. Zudem kreierte sie in Zusammenarbeit mit der Mosterei Kobelt aus Marbach hofeigene Getränke. Neben den Klassikern wie Cider und Suure Moscht finden die Gäste im Laden Kombinationen aus Süssmost und Beerensäften. Dadurch schafft es die Familie, jährlich zirka 20 Tonnen des Zweitklass-Obsts direkt zu vermarkten. Die Beeren und Äpfel werden zu Kuchen und Torten verarbeitet, die die Gäste im Hofcafé geniessen können. Eine Strategie, die funktioniert.

Die Mitglieder der Familie Kuppelwieser ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten: Hofnachfolger Dominic, Mutter Annelies, Tochter Jacqueline und Vater Hermann (v.l.n.r)
Die Mitglieder der Familie Kuppelwieser ergänzen sich mit ihren Fähigkeiten: Hofnachfolger Dominic, Mutter Annelies, Tochter Jacqueline und Vater Hermann (v.l.n.r).

Kuppelwieser Bio Obstbau

Name Familie Kuppelwieser Ort Bad Ragaz SG LN 17 ha, davon 4 ha Kunstwiesen und extensive Wiesen Spezialkulturen 12 ha Tafeläpfel, 0,8 ha Heidelbeeren, 0,2 ha rote und schwarze Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren Weiteres Angebot Hofladen und Café