«Scho chogä schüü» – der Glarner Bauer Marco Huser geht viral

Ob auf der Alp, im Stall oder beim Heuen: Mit kurzen Videos baut Marco Huser Brücken zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung – und wird damit zum Influencer.

Zufriedene Alpkühe, die im Stall wiederkäuen, der stolze Käser, der am Kupferkessi die Milch rührt, aber auch der ernüchterte Bauer, der sich über das verregnete Heu aufregt. Farmfluencer Marco Huser zeigt die Landwirtschaft in allen Facetten. Die unbekümmerte und aufgestellte Art des urchigen Glarner Bio-Bauern kommt an: Obwohl er erst seit zwei Monaten regelmässig Posts macht, hat er auf Instagram bereits 18 000 Follower.

Bauer vor, Bäuerin hinter der Kamera

«Die Idee, mit Kurzfilmen einen Einblick in den Alltag eines Landwirtschaftsbetriebes zu ermöglichen, hatte meine Frau Brigitte», erklärt Marco Huser. Vom Gedanken, selbst vor der Kamera zu stehen, war Brigitte Huser allerdings nicht wirklich begeistert. «Wir haben darum die Aufgaben aufgeteilt: Sie filmt, bearbeitet und postet die Beiträge, und ich stehe vor der Kamera», so der 49-Jährige.

Seit 2018 bewirtschaftet das Paar seinen 20 Hektar grossen Milchwirtschaftsbetrieb Rollengut, den sie von den Eltern von Brigitte übernehmen konnten. Der Hof liegt nahe dem Siedlungsgebiet von Netstal, entsprechend kommen immer wieder Leute auf den Bio-Betrieb. «Dabei stellen wir vermehrt fest, wie wenig die Bevölkerung mittlerweile von der Landwirtschaft weiss», erklärt Marco Huser. «Uns ist es ein Anliegen, über unsere Beiträge in den sozialen Medien den Bauernalltag so zu zeigen, wie er ist. Und dieser besteht nun mal nicht nur aus Alpabzügen und weidenden Kühen. Man darf zwischendurch auch einmal die weniger schönen Seiten posten und dabei die eigenen Emotionen zeigen.»

Marco Huser zeigt nicht nur die Sonnenseite der Landwirtschaft, auch einem Influencer kann es das Heu verregnen.(Bild: Privat)

Mit typischem breitem Glarner Dialekt

«Gar nicht zu kommunizieren, kann sich die Landwirtschaft aber auch nicht erlauben, entsprechend setzen wir uns dafür ein, unseren Alltag authentisch zu zeigen.»

Bio-Bauer und Influencer Marco Huser

Dass ihr Instagram-Kanal nun so durchgestartet ist, überraschte das Bauernpaar sehr. «Unser Ziel war es einfach, mehrere Male pro Woche einen Beitrag zu machen. Dass die Followerzahlen jetzt so explodieren, hätte ich nie erwartet», sagt Marco Huser.

Mit der steigenden Aufmerksamkeit häuften sich auch die Kommentare. Ein Post, der die Kühe liegend im Alpstall zeigt, zählte 400 Kommentare. Der grösste Teil war positiv, es gab aber auch Fragen, beispielsweise, ob die Kühe überhaupt noch angebunden werden dürfen. «Uns ist es ein Anliegen, Fragen, wenn möglich, zu beantworten», erklärt Marco Huser. Es sei ihnen bewusst, dass sie mit ihren Posts sich und ihren Berufsstand exponieren und entsprechend auch die Gefahr bestehe, in einen Shitstorm zu geraten. «Gar nicht zu kommunizieren, kann sich die Landwirtschaft aber auch nicht erlauben, entsprechend setzen wir uns dafür ein, unseren Alltag authentisch zu zeigen.» Ob sie zukünftig von ihrer grossen Reichweite einmal finanziell profitieren können, steht noch offen. «Unseren Rigi-Trac bekamen wir jedenfalls nicht gesponsert», betont Marco Huser in seinem typischen breiten Glarner Dialekt. Nicht auszuschliessen ist allerdings, dass sein Wahlerfolg – Marco Huser wurde Mitte Juni überraschend in den Landrat gewählt – auf die Influencer-Aktivitäten zurückzuführen ist. Eigentlich stellte er sich nur als Listenfüller zur Verfügung und hatte keine konkreten Ambitionen.

Über die Sommermonate ist das Vieh der Familie Huser auf der Alp Hinterschlatt, wo Marco Huser die Milch verkäst.(Bild: Privat)

Robuste Rückkreuzungskühe ohne Kraftfutter

Marco Huser ist ein Quereinsteiger. Vor der Betriebsübernahme arbeitete der gelernte Elektrotechniker während 25 Jahren in den Wintermonaten als Skilehrer. Dabei war er als Ausbilder in der ganzen Schweiz unterwegs. «Dank dieser Zeit bin ich auch ausserhalb der Landwirtschaft gut vernetzt. Zudem hat mich diese Zeit auch in der Kommunikation vorwärtsgebracht», so Marco Huser.

Die Familie Huser melkt auf ihrem 20 Hektar grossen Talbetrieb rund 20 Milchkühe. Seit der Betriebsübernahme kreuzen sie die BS-Kühe von Brigittes Vater mit Original Braunvieh ein und verzichten auch auf das Enthornen. «Die Rückkreuzungskühe kommen nicht nur ohne Kraftfutter aus, sie haben auch einen ruhigen Charakter und sind im Gelände trittsicher», ist der Biobauer überzeugt. Über die Sommermonate alpen die Milchkühe und rund 30 Stück Jungvieh auf der stotzigen Alp Hinterschlatt. Diese liegt im Rossmattertal im Klöntal. Die Weiden ziehen sich von 1100 bis 2100 m ü. M. Der untere Staffel ist mit einem Spezialfahrzeug zu erreichen, der obere hat keine Erschliessung.

Marco Huser verarbeitet seine Alpmilch zu Glarner Alpkäse AOP und Butter. Bei der Arbeit auf der Alp wird er von einer langjährigen Mitarbeiterin unterstützt. Um seine Frau im Tal beim Heuen oder bei anderen Arbeiten zu unterstützen, fährt er mehrmals pro Woche auf den Heimbetrieb in Netstal. «Die Wegstrecke schaffe ich normalerweise in einer Stunde, die grossen Besuchermassen rund um den Klöntalersee führten aber auch schon zu längeren Fahrzeiten.» Ob sein steigender Bekanntheitsgrad in den sozialen Medien für noch mehr Besucher im Klöntal führt? «Das glaube ich nicht, dafür ist meine Alp zu abgelegen und zu wenig gut erschlossen», so Marco Huser lachend, «obwohl äs bi üs scho chogä schüü isch.»