Vor ihrer Bewerbung kannten sie sich nicht. Im August beginnen sie ihr gemeinsames Engagement als Co-Leiterinnen des Verbands «Fourchette verte Schweiz», und sie freuen sich auf ihre Zusammenarbeit. Sie, das sind Elisa Domeniconi und Carmen Sangin. Beide hatten bereits eine lose Verbindung zum Label «Fouchette verte». Mit der Bewerbung für das neue Amt beschlossen sie, in ihren Karrieren, durch die sich die Ernährung als roter Faden zieht, einen weiteren Schritt vorwärts zu gehen.
Ein grosser Respekt vor Lebensmitteln
«Ich war schon immer daran interessiert, zu wissen, was mir die Nahrung geben kann. Es ist offensichtlich, dass gutes Essen der Schlüssel zu guter Gesundheit ist. Ich beabsichtige deshalb, meine Kenntnisse betreffend Terroir bei Fourchette verte einzubringen», sagt Elisa Domeniconi, deren Familienname und Akzent an ihre Tessiner Herkunft erinnern. Sie ist Fachfrau im Gebiet für Spezialitäten, die jede Region der Schweiz, insbesondere die Westschweiz, bietet. Sie arbeitete zuvor bei Pays Romand-Pays Gourmand, der Dachorganisation der Westschweizer Regionalprodukte-Label. Domeniconi ist sich der regionalen Aspekte von Lebensmitteln sehr wohl bewusst: «Ich arbeitete oft mit Bauern und Herstellern zusammen und habe grossen Respekt vor ihrer Arbeit. Zumal dafür oft nicht das bezahlt wird, was sie wert ist. Ich beabsichtige, auch in meinem neuen Job das Terroir und die lokale Versorgung zu unterstützen».
Lebensmittel vom Feld auf den Teller
Carmen Sangin freut sich, die Umwelt- und Nachhaltigkeitsdimensionen des Labels stärken zu können, indem sie gutes Essen mit dem Respekt der Bevölkerung vor den natürlichen Ressourcen verbindet. Als Ernährungsberaterin und Enkelin eines Landwirts aus Vully VD kennt sie die Nährstoffe, die jedes Lebensmittel liefert, und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Sie weiss aber auch, woher die Produkte stammen. «Meine erste Arbeit als Teenager bestand darin, Mais von Hand zu bestäuben und Weizen bei Saatgutversuchen zu ernten», erinnert sich Carmen Sangin. Aber zurück zu Fourchette verte. «Ich bin multifunktional und in mehreren Verbänden tätig. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass im Rahmen von Fourchette verte neue Projekte gestartet werden können. Alles ist sehr offen und flexibel», fügt Carmen Sangin hinzu. «Während es für uns noch früh ist, unsere Projekte vorzustellen, da wir uns gerade erst verpflichtet haben, wollen wir Kohärenz in die Nahrungskette bringen, vom Feld bis auf den Teller.
Ausgewogene Ernährung ist das Ziel des Labels
Auch wenn die Hauptaufgabe des Labels Fourchette verte darin besteht, eine ausgewogene Ernährung zu fördern, und insbesondere chronischen Krank-
heiten vorzubeugen, wird Covid-19 zweifellos dazu führen, die Regionalität und Saisonalität, die das Label ausmachen, beschleunigt werden. Das ist eine Herausforderung, der sich die beiden Frauen gerne stellen. Und obwohl sie am Hauptsitz in Lausanne angesiedelt sind, werden sie viel herumreisen, um ihre zahlreichen Kontakte in den verschiedenen Mitgliedskantonen zu pflegen.
Artikeltausch
Die BauernZeitung und «Agri» machen einen Artikeltausch zum Thema Regionalität in der Ernährung. In der Ausgabe vom 17. Juli erschien ein Artikel über eine Gemüse-Kooperative aus Neuhausen.
Das Label «Fourchette verte»
1993 wurde das Label Fourchette verte in Genf gegründet und 1999 in den Verband Fourchette verte Suisse umgewandelt. Dieser wird von den Kantonen und der Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt. Ziel ist es, ein Angebot an ausgewogenen und gesunden Mahlzeiten zu entwickeln. Mit Ausnahme der Kantone Schaffhausen, Zürich, Graubünden, die beiden Appenzell, Glarus, Schwyz und Obwalden sind alle Regionen vertreten. Zu Beginn des Jahres 2020 waren 1574 Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Kantinen usw. mit dem Label ausgezeichnet.
Zur Person
Carmen Sangin (35) ist dipl. Ernährungsberaterin und hat einen Masterabschluss in Umweltwissenschaften mit Spezialisierung auf Biodiversität. Als unabhängige Projektmanagerin verbindet sie ihre unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten zum Nutzen von nachhaltigen Projekten im Nahrungsmittelsektor.
Elisa Domeniconi (40) hat einen Masterabschluss in Ethnologie und Soziologie. Für ihre Diplomarbeit ging sie nach Argentinien. Sie befasste sich mit der Aufwertung von regionalen Produkten und den mit seinem Konsum verbundenen Aspekten am Beispiel des Weins der Costa de Berisso. Seither interessiert sie sich für Themen rund um das kulinarische Erbe und Terroir in der Schweiz.

