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Porträt: "Wo ich gebraucht werde, packe ich an"

Die Bäuerin Helen Schwarzenbach betreibt mit viel Engagement einen Hofladen. Ihre Leidenschaft ist jedoch der Garten.

In der kleinen Bauerngemeinde Untersteckholz BE, in einer von Hügeln, Feldern und Wiesen geprägten Landschaft, liegt der Hof von Helen Schwarzenbach und ihrem Lebenspartner Christoph Bösiger. Während des Gesprächs scharen sich nach und nach die drei Kinder Sahra (12), Elena (10) und Jan (8) um den grossen Küchentisch. Auf der Anrichte stehen fein säuberlich aufgereiht Gläser mit Tomatensauce für den Hofladen in Altbüron LU. Die wollen alle noch beschriftet werden. All ihre selbst gemachten Produkte werden liebevoll von Hand angeschrieben.

150 Kilogramm Dörrbohnen

Aufgewachsen ist Helen Schwarzenbach als Bauerntochter in Bleienbach BE. Nach dem Haushaltslehrjahr bildete sie sich zur Innendekorationsnäherin aus und war mehrere Jahre in einem Kleidergeschäft in Huttwil BE tätig. «Dort übernahm ich verschiedene Aufgaben und konnte mit schönen Materialien wie Seide, Wolle, Kaschmir und Mohair arbeiten», sinniert die Bäuerin. Dies erklärt wohl ihr ausgesprochenes Flair zum Dekorieren.

Ihre grosse Leidenschaft, schon als Kind, ist jedoch das Gärtnern. Der grosse Umschwung mit Gemüse-Garten, Obst und Beeren ist ihr Reich. Daneben zelebriert sie ihre Gärtnerskunst auch mit dem Arrangieren von Blumen und passenden Accessoires im und uns Haus. In ihrem Garten wachsen auch Stangenbohnen. "Rund 150 Kilogramm gedörrte Bohnen liefere ich an eine Metzgerei. Diese sind beliebt als Beilage für die traditionelle Berner Platte", erzählt Helen Schwarzenbach. Ihre Schaffenskraft und Ideenvielfalt scheinen unermüdlich.

Begonnen habe alles mit dem Hofladen "Feld" in Altbüron. Wie es der Name sagt, wird in Selbstbedienung «Feines vom Feld» angeboten. Helen Schwarzenbach produziert Sirup, Konfitüre, Tomatensauce, Eingemachtes und Spezialitäten wie aromatische Gewürzsalze für Risottomischungen. "Neu haben wir auch würzigen Alpkäse im Angebot. Unser Braunvieh wird auf der Grossen Scheidegg gesömmert", erklärt die Direktvermarkterin.

Begehrt sind ihre hauchzarten "Brätzeli nach Saanenart", mit Rahm und Kirsch, die sie auch für zwei Landi-Filialen bäckt. "Meringues machst du auch, gäu Mami", ergänzt Elena, die aufmerksam zuhört.

Mädchen für alles

"Eigentlich wollte ich nie einen Landwirt heiraten. Wir mussten auf dem Hof viel helfen, während die anderen Kinder spielen oder ins Schwimmbad durften", erinnert sich Helen Schwarzenbach lächelnd. Erst mit dem Erwachsenwerden wurde ihr bewusst, was sie von ihren Eltern für die Zukunft gelernt und mitbekommen haben. Als sie ihren heutigen Lebenspartner kennenlernte, zog sie vor 13 Jahren auf dessen elterlichen Betrieb. Inzwischen besteht zusammen mit André Bösiger, dem Bruder von Christoph, eine Betriebsgemeinschaft. An den Standorten Altbüron, Untersteckholz und Melchnau BE wird eine landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 59 Hektaren bewirtschaftet.

Nebst Milch produziert die Betriebsgemeinschaft auch Kalb-, Rind- und Pouletfleisch. Auf den Ackerflächen wachsen Getreide, Futtermais und Speiseölraps. "Ich betrachte mich ein wenig als ‹Mädchen für alles›. Dort, wo ich gebraucht werde, packe ich an", betont die vielseitige Bäuerin. Vielfach macht sie Fahrten zu den verschiedenen Betrieben und hilft bei saisonalen Arbeiten wie dem Heuen oder Zwetschgen ablesen. Auch hält Helen Schwarzenbach gegen 20 Hühner. Zusammen mit Christoph Bösigers Bienenvölkern deckt das den Eigenbedarf an Eiern und Honig und es reicht ausserdem zusätzlich für den Verkauf im Hofladen.

Traum vom Hoflädeli mit Beiz

Die verschiedenen Aktivitäten sind zeitintensiv und erfordern nebst einer guten Organisation ein eingespieltes Team. "Auch mein Lebenspartner Christoph und sein Bruder André schätzen die Abwechslung und helfen gerne mit, etwa wenn wir einen Marktstand am grossen Rottaler Erntefest haben", sagt Helen Schwarzenbach. Sie liebt ihre abwechslungsreichen Aufgaben und wirkt rundum zufrieden; auch wenn Familienferien bisher nicht möglich waren. Umso mehr freut sie sich darüber, dass sie letztes Jahr erstmals mit den drei Kindern einige Tage auf den Skiern stehen konnte.

"Wenn wir unseren Spycher einmal umbauen können, möchte ich zu Hause auch ein Hoflädeli einrichten. Am liebsten mit einer urchigen ‹Bäsebeiz›", verrät die umtriebige Bäuerin ihren lang gehegten Traum. Backen und Kochen ist eine weitere Leidenschaft von ihr. Am meisten schätzt ihre Kundschaft, dass die hochwertigen Produkte frisch vom Bauernhof kommen und sie weiss, wer dahinter steht.

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